30 Jahre Verbandsarbeit für ostdeutsche Maschinenbauer

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Der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau muss sich 30 Jahre nach der deutschen Einheit erneut mit einem tiefgreifenden Strukturwandel auseinandersetzen. Der Verband warnt davor, das bisher Erreichte aufs Spiel zusetzen.

  • VDMA ist Partner und Netzwerk für 350 Mitglieder
  • Pandemie lässt Halbjahresumsatz 2020 unter Vorjahreswert fallen
  • Branchenentwicklung durch Strukturwandel nicht aufs Spiel setzen


30 Jahre Deutsche Einheit: Das sind auch 30 Jahre praxisnahe Verbandsarbeit für den ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau. Seit mittlerweile drei Jahrzehnten unterstützt der VDMA Ost seine Mitglieder in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in allen Unternehmensfragen. Das hat den Firmen geholfen, Herausforderungen wie den tiefgreifenden Strukturwandel Anfang der 1990er-Jahre oder die Finanzkrise zu bewältigen. Die bemerkenswerte Entwicklung der Branche und das Jubiläum wollte der Verband angemessen feiern, muss das Vorhaben aufgrund der Coronavirus-Pandemie aber verschieben.

"Wir wollten gemeinsam mit den Gründern, ehemaligen Vorstandsmitgliedern und unseren Maschinenbauunternehmen auf den eindrucksvollen Weg von 1990 bis 2020 zurückblicken und über die Zukunftschancen sprechen", sagt Oliver Köhn, Geschäftsführer des VDMA Ost. Stattdessen setzt der Landesverband nun mit individueller Beratung sowie vielfältigen Dienstleistungen alles daran, dass die Firmen bestmöglich die unverschuldete und unvorhersehbare Krise überstehen.

 

Aktuelle Geschäftslage ist negativ

Im Jahr 2019 erreichte der Gesamtumsatz des ostdeutschen Maschinenbaus den zweithöchsten Wert der Historie. Von einem solchen Höhenflug ist die Branche derzeit weit entfernt. Im ersten Halbjahr 2020 verkauften die Betriebe Maschinen, Komponenten und Services im Wert von reichlich 7,5 Milliarden Euro – das waren 1,5 Milliarden Euro weniger als im Vorjahreszeitraum. "Zudem bewerten zwei von drei Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als eher schlecht", zieht Köhn ein Zwischenfazit der Konjunkturumfrage für das dritte Quartal 2020.

Die schwache Auftragslage sei jedoch nicht allein auf die Coronavirus-Pandemie zurückzuführen. "Schon im vergangenen Jahr war das Polster geschmolzen. Nun hat die Pandemie die zyklische Konjunkturabkühlung noch verstärkt. Und auch die weltweiten Handelsstreitigkeiten existieren nach wie vor. Das verdeutlicht ein Blick nach Großbritannien, in die USA und nach China", ergänzt der Geschäftsführer.

 

Strukturwandel bringt Unternehmen in Schwierigkeiten

Zudem stehen hinter den Veränderungen in Automobilindustrie und Energiesektor noch viele Fragezeichen. Diese Ungewissheit bringe auch die vielen Zulieferbetriebe in Schwierigkeiten. "Die Maschinenbauer mit Automotive-Kunden befinden sich derzeit in einer Art Sandwichposition. Ihre klassischen Produkte und Maschinen werden weniger nachgefragt, neue Entwicklungen erreichen noch nicht die wirtschaftlich notwendigen Stückzahlen", erläutert Köhn. Hart treffe es auch die Braunkohleregionen. "Den Betrieben bricht der komplette Binnenmarkt weg, damit gehen auch gut bezahlte Arbeitsplätze verloren", ergänzt er.

Köhn verweist darauf, dass dieser Strukturwandel 30 Jahre nach der deutschen Einheit für die ostdeutschen Unternehmen erneut einen tiefen Einschnitt mit sich bringt. Er warnt in dem Zusammenhang davor, die hart erkämpften Erfolge der Region leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Zwischen 1992 und 2019 kletterte beispielsweise der Umsatz von 7,3 Milliarden Euro auf rund 18,9 Milliarden Euro. Die Mitarbeiterzahl durchbrach 2014 erstmals seit Mitte der 90er-Jahre wieder die Grenze von 80.000 – im Jahr 2019 lag sie im Jahresschnitt bei zirka 85.300. Zudem erweiterten die Betriebe kontinuierlich ihr Auslandsgeschäft. Sie steigerten seit der Jahrtausendwende die Exportquote von etwa 35 Prozent auf heute 54 Prozent.

"Gefragt ist jetzt in Automobil- und Energiebranche eine technologieoffene Politik. Außerdem muss intelligent in neue industrielle Wertschöpfung und eine moderne Infrastruktur investiert werden. Die hohe Veränderungsbereitschaft der Betriebe, ihr Mut und ihre Erfahrungen aus den Wendejahren lassen mich aber zuversichtlich nach vorn blicken", sagt Köhn.

 

Köhn will Verbandskultur weiter stärken

Darüber hinaus müsse die Politik vor allem im ländlichen Raum die Voraussetzungen verbessern, damit dort ansässige Betriebe wettbewerbsfähig bleiben und sich neue innovative Unternehmen ansiedeln. Dazu zählen eine starke Digitalinfrastruktur, eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur und attraktive Lebensräume für Fachkräfte. Der VDMA Ost wird auch künftig für optimale Wettbewerbsbedingungen eintreten, Auswirkungen von Gesetzen aufzeigen und seinen Mitgliedern ein weitreichendes Netzwerk bieten. Er will außerdem die Verbandskultur in Ostdeutschland weiter ausbauen. "Es gibt nichts Besseres, als sich mit Fachleuten aus der gleichen Branche zu ähnlichen Herausforderungen auszutauschen", hebt der Geschäftsführer hervor.

 

Lesen Sie auch das Interview mit Oliver Köhn!

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