Chinas Visapolitik schadet Europa und der Volksrepublik

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Technisches Personal muss auch in Corona-Zeiten reisen können, um Maschinen und Anlagen in Betrieb zu nehmen oder zu warten. Die Einreiseregelungen von wichtigen Partnerländern erschweren diese Einsätze jedoch. China hat dabei die mit Abstand bürokratischsten und kompliziertesten Anforderungen aufgelegt.

Derzeit kämpfen die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer nicht nur mit einer schwachen Konjunktur, sondern auch mit weltweiten Reiserestriktionen. „Die Entsendung von technischem Personal ist für unsere Mitglieder und deren internationale Kunden essenziell“, erklärt Ulrich Ackermann, Leiter der VDMA Außenwirtschaft. „Bereits gelieferte Maschinen und Anlagen müssen in Betrieb genommen werden. Darüber hinaus senden internationale Kunden Aufträge für Reparaturen, Modernisierungen und andere Einsätze, berichtet Ackermann.

Allerdings sind die Einreiseregelungen von wichtigen Partnerländern sehr unterschiedlich. „China hat die mit Abstand bürokratischsten und kompliziertesten Anforderungen aufgelegt“, bemängelt Oliver Wack, Asien-Experte aus der VDMA Außenwirtschaft. Die generellen Visaanforderungen wurden bereits vor der Corona-Krise im Dezember 2019 deutlich verschärft. Aktuell müssen sich die chinesischen Kunden beziehungsweise die deutschen Tochtergesellschaften in China zusätzlich um eine ministerielle Einladung bemühen, damit die Visaanträge  für die zu entsendenden Mitarbeiter von den chinesischen Auslandsvertretungen in Deutschland bearbeitet werden. 

Seit 30. August 2020 wird darüber hinaus eine durch die chinesischen Auslandsvertretungen zertifizierte Gesundheitsbescheinigung verlangt, falls der Test nicht an den Flughäfen Frankfurt am Main oder Hamburg durchgeführt wurde. Es besteht eine Quarantänepflicht von 14 Tagen am Ankunftsort in China, bevor die Weiterreise zum Kunden angetreten werden kann. „Teilweise werden Reisende - zum Beispiel in Tianjin - in völlig unzumutbaren Unterkünften untergebracht“, sagt Wack. 

China hat die mit Abstand bürokratischsten und kompliziertesten Anforderungen aufgelegt.

Übliche Geschäftsreisen für Kundengespräche sind aufgrund der oben genannten strikten Vorgaben für die mittelständischen Unternehmen der europäischen Investitionsgüterindustrie derzeit ebenfalls nicht möglich. „Diese Einreiseblockade ist eigentlich unerklärlich. Denn China hat gerade den ,Sieg über das Virus‘ verkündet, bekommt aber gleichzeitig seinen internationalen Reiseverkehr seit Monaten nicht beziehungsweise nur sehr zögerlich in Gang“, erläutert der VDMA-Asienexperte. 

Deutschland ist ein Land mit sehr niedrigen Fallzahlen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Dies berücksichtigen andere Partnerländer wesentlich stärker „Die USA haben gerade ein neues Verfahren eingeführt, das dringend notwendige Technikeinsätze berücksichtigt und nicht zwingend eine Quarantäne vorschreibt.  Und die Republik Korea testet zum Beispiel die aus Deutschland ankommenden Servicetechniker einmal nach der Ankunft und lässt sie nach negativem Testergebnis dann direkt ohne Quarantäne zum Kunden weiterfahren“, erklärt Wack.

In der Praxis führen die chinesischen Bestimmungen dazu, dass Servicetechniker immer wieder kurzfristig ihren bereits geplanten Abflug stornieren müssen, da der Kunde auch nach Wochen noch keine offizielle Einladung erwirken konnte. „Dies schädigt auch die chinesischen Kunden, da diese ihre Produktion nicht optimal fahren beziehungsweise die Maschinen und Anlagen nicht effektiv auslasten können“, erläutert Wack. 

Darüber hinaus entstehen durch die lange Quarantänezeit in China zusätzliche Kosten, über die sich Lieferant und Kunde auseinandersetzen müssen. Im umgekehrten Fall berücksichtigt Deutschland die gemeldeten niedrigen Infektionszahlen aus China und verzichtet aktuell auf eine Quarantänepflicht für Reisende aus China „Das ist wieder einmal ein Beispiel für fehlende Reziprozität im Geschäft mit China. Dies erlebt die Maschinenbauindustrie leider auch auf vielen anderen Themenfeldern immer wieder“, resümiert der VDMA-Asienexperte.