Corona-Krise belastet ostdeutschen Maschinenbau stark

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Die Corona-Virus-Pandemie hinterlässt im ostdeutschen Maschinenbau immer tiefere Spuren. Doch langsam kehrt auch wieder etwas Zuversicht zurück.

  • Auftragslage zur Jahresmitte nochmals schlechter
  • Hoffnung auf bessere Geschäfte im Jahresverlauf wächst
  • VDMA fordert weitere zielgerichtete Erleichterungen für Betriebe


Die Corona-Virus-Pandemie hinterlässt im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau immer tiefere Spuren. Zwei von drei Unternehmen bewerteten im zweiten Quartal 2020 ihre Geschäftslage negativ. Ausschlaggebend dafür waren vor allem fehlende Aufträge und Umsatzeinbußen. Doch langsam kehrt auch wieder etwas Zuversicht zurück: 72 Prozent der Betriebe rechnen bis September mit gleichbleibenden oder besseren Geschäften. Das ergab eine Umfrage des VDMA Ost unter den 350 Mitgliedern in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

"Der Lockdown, die weiter anhaltenden Reisebeschränkungen und die ungewisse Entwicklung rund um das Virus belasten die Firmen sehr und verstärken die ohnehin schwierige Situation der Branche", sagt Oliver Köhn, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes. Schon vor Ausbruch des Virus hatten die globalen Handelskonflikte, die weltweite Konjunkturflaute und der Strukturwandel in Automobilindustrie und Energiesektor zu einer schwächeren Auftragslage geführt. "Im Frühjahr dieses Jahres mussten die Unternehmen dann einen zusätzlichen Knick verkraften. Diese Abwärtskurve hat sich nun fortgesetzt", ergänzt Köhn.

Das veranschaulicht auch ein Vergleich der zurückliegenden Quartale. Beurteilten Ende 2019 etwa 63 Prozent der Betriebe ihre Geschäftssituation als sehr gut oder gut, waren es Ende März 49 Prozent. Mittlerweile liegt deren Anteil bei 35 Prozent.

 

Schwache Auftragslage drückt Kapazitätsauslastung

Zwei Drittel der Unternehmen hatten im zweiten Quartal 2020 weniger Aufträge in den Büchern stehen als drei Monate zuvor. Aufgrund der geringeren Nachfrage nach Maschinenbau-Produkten schrumpfte die Kapazitätsauslastung von zuletzt 75 Prozent auf durchschnittlich 73 Prozent. Ebenfalls leicht gesunken ist das Auftragspolster. Im Durchschnitt reichen die Aufträge der Firmen für knapp vier Produktionsmonate bis Oktober 2020. Am häufigsten nannten die Betriebe einen Auftragsvorlauf von zwei Monaten.

"Kunden verschieben oder stornieren bereits beauftragte Projekte und halten sich mit Neuinvestitionen stark zurück. 54 Prozent der ostdeutschen Maschinenbauer versuchen daher momentan, die kritische Lage mit Kurzarbeit zu überbrücken. Für das dritte Quartal planen weitere 18 Prozent der Firmen diesen Schritt", sagt Köhn.

Doch auch die Unternehmen der Branche selbst haben in den vergangenen Monaten ihre Investitionen deutlich zurückgeschraubt. 58 Prozent der Betriebe gaben zwischen Januar und Juni 2020 weniger Geld als geplant für neue Maschinen, Technik sowie Forschung und Entwicklung aus.

 

Lichtblick bei Zukunftsaussichten

Die jüngsten Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen scheinen indes wieder mehr Zuversicht aufkommen zu lassen. Immerhin 21 Prozent der Unternehmen sehen bis September 2020 besseren Geschäftschancen entgegen – für das zweite Quartal sagten das 4 Prozent. Die Hälfte aller Betriebe erwartet gleichbleibende Perspektiven. Fast 70 Prozent der Betriebe wollen zudem die Zahl der Mitarbeiter beibehalten oder erhöhen.

Auch Köhn hofft, "dass die Talsohle erreicht ist und in den kommenden Wochen eine langsame Erholung eintritt". Doch vor allem die Frage, wie lange die Kunden zahlungsfähig bleiben, bereitet ihm Sorgen. "Brechen im hohen Maße Auftraggeber weg, ist auch die Liquidität der ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbauer gefährdet. Schon jetzt ist das Risiko für Engpässe gestiegen, da die Betriebe häufig Aufträge vorfinanzieren müssen, das Geld aufgrund langer Zahlungsziele aber oftmals zeitverzögert erhalten. Können fertige Maschinen wie während der rigorosen Reise- und Quarantänebeschränkungen nicht in Betrieb genommen werden, fehlen fest eingeplante Umsätze“, erklärt Köhn.

Der VDMA strebt daher weitere Erleichterungen für Unternehmen an, zum Beispiel die Erweiterung des steuerlichen Verlustrücktrags, einen weiteren Ausbau der steuerlichen Forschungsförderung und die unbefristete degressive Abschreibung auf Anlageinvestitionen.

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