Klimaneutral produzieren - Wirksames CO2-Management im Unternehmen

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Nachhaltigkeit und ressourcenschonendes Wirtschaften bleibt eine langfristige Herausforderung für Unternehmen. Kunden, Investoren, Mitarbeiter und andere Interessengruppen sind zunehmend sensibilisiert und erkennen die Bedeutung eines glaubwürdigen Beitrags in Form eines wirksamen CO2-Managements von Unternehmen.

Klimaneutral zu wirtschaften ist Ziel von immer mehr Unternehmen. Dadurch entsteht aber auch ein immenser Druck, etwa durch neue Berichtspflichten. Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellt dies vor große Herausforderungen zur Erfüllung der Reporting-Vorgaben und Offenlegung von unternehmens- und produktbezogenen Umwelt- und Klimadaten.

Auch auf der Ebene der Finanzmärkte gewinnt das Thema eine immer stärkere Relevanz. Das Ziel, Finanzierung in nachhaltiges Wachstum und Investitionen auf ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten auszurichten, bedeutet auch, dass Unternehmen immer mehr aufgefordert sind zu zeigen, wie nachhaltig sie sind und welche Klimastrategie sie dabei für die Zukunft verfolgen. All diese Aufgaben erfordern, sich mit dem Thema der klimaneutralen Produktion und der zukünftigen Strategie intensiv auseinander zu setzen. 

Was bedeutet "klimaneutral produzieren"?

Die häufigste Frage, die sich in dieser Diskussion stellt, lautet: Was bedeutet klimaneutrale Produktion und wie sieht der Weg dorthin aus? Antwort gibt ein Blick in den international anerkannten Standard des "Greenhouse Gas Protocol" (GHGP). Dort werden die Aktivitäten von Unternehmen in drei wesentliche Kategorien, sogenannte Scopes, untergliedert: 

Scope 1 bildet dabei die direkten Emissionen aus der eigenen Verbrennung ab, also beispielsweise Emissionen aus eigenen Prozessen und Anlagen sowie dem eigenen Fuhrpark. Der zweite Scope betrachtet indirekte Emissionen aus dem Bezug von leitungsgebundener Energie, wie Strom, Dampf, Heiz- und Kühlmittel. Die letzte und umfassendste Ebene deckt der Scope 3 ab. Dieser betrachtet alle sonstigen indirekten Emissionen aus Prozessen, die direkt oder indirekt durch das Unternehmen verursacht werden und somit die vor- und nachgelagerte Wertschöpfung betreffen. Dazu gehören beispielsweise die eingekauften Materialien und Vorprodukte, deren Transport sowie die Nutzung der erzeugten Technologien und wie mit ihnen am Lebenszyklusende umgegangen wird. Aber auch Geschäftsreisen und die Mobilität der Mitarbeiter zählen zu dieser Kategorie.

Klimaschutzaktivitäten auf Unternehmensebene sind damit umfassend. Gerade die Ermittlung von Emissionen aus Scope 3 stellt eine große Herausforderung dar. Die Datenbeschaffung ist für viele Unternehmen eine der größten Hürden. Wie sollen Unternehmen damit umgehen? Emissionen aus den ersten beiden Scopes müssen laut GHGP in die Treibhausgasbilanz aufgenommen werden. Zu Scope 3 besteht keine Berichtspflicht. Jedoch liegt es im Interesse des berichtenden Unternehmens, relevante Kategorien zu identifizieren und ebenfalls aufzunehmen. Es gibt viele Kriterien, um die Relevanz einer Aktivität zu beurteilen. Hierzu zählen beispielsweise die Höhe der erwarteten Emissionen, ihre Beinflussbarkeit, ein besonderes Interesse von Stakeholdern, die Ermittlung von Kennzahlen oder Benchmarking. Damit ist klar, dass Unternehmen weder die vollumfassende Antwort noch den Emissionsbericht von Anfang an vorlegen müssen. Viel mehr braucht es eine abgestimmte Strategie zur Vorgehensweise mit einzelnen Schritten und einer übergeordneten Zielsetzung. Die Kompensation unvermeidbarer Emissionen ist der finale Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität.

Erneuerbarer Strom und Wärme als zentraler Enabler

Zentrale Voraussetzung für klimaneutrales Produzieren ist die ausreichende Verfügbarkeit von klimaneutralem Strom und Wärme. Aber auch deren Bezug spielt eine wichtige Rolle – im Vordergrund stehen hierbei die Themen Eigenerzeugung von erneuerbarem Strom und Wärme oder deren Bezug bei Versorgungsunternehmen bzw. sogenannte Power Purchase Agreements (PPA) für Großunternehmen.

Praxisleitfaden des VDMA

Mit einem Praxisleitfaden schafft der VDMA Klarheit für seine Mitglieder und entwickelt praktische Hilfestellungen zur Umsetzung dieser Herausforderungen - vom Einstieg in das Emissionsreporting, über den Bezug von Grünstrom bis hin zu Fragen rund um Offsetting-Möglichkeiten und Offenlegung von Klima- und Nachhaltigkeitsdaten. Der Leitfaden wird den Mitgliedern im Sommer 2020 zur Verfügung stehen.   

Nachhaltigkeitsmanagement im Unternehmen und in der Lieferkette

Das Reporting von Nachhaltigkeitsaktivitäten von Unternehmen und die Offenlegung solcher Informationen gewinnt durch die Diskussion der klimaneutralen Produktion noch mehr an Bedeutung. Zulieferer, Produktionsstandorte und Märkte sind heute meist rund um den Globus verteilt. Unternehmen sind oftmals wenig mit Ländern und Regionen vertraut, in denen sie einkaufen oder produzieren lassen. Damit wachsen die Herausforderungen und Risiken in der Lieferkette. Dies führt dazu, dass Nachfragen zum Umweltverhalten und zum Umgang mit Mitarbeitern, zur menschenrechtlichen Sorgfalt und zur Lieferkettenverantwortung sowohl von Seiten der Kunden als auch von Investorenseite weiter zunehmen. Neben individuellen Fragebögen und Audits von Kunden spielen dabei Onlineplattformen und Ratingsysteme eine immer gewichtigere Rolle. Auch kleinere Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus sind zunehmend von Kundenanforderungen zu Nachhaltigkeit betroffen.

"Ohne die energieeffizienten umweltschonenden Technologien des Maschinen- und Anlagenbaus wären innovative nachhaltige Lösungen und Endprodukte nicht realisierbar." Judith Herzog-Kuballa, VDMA

Empfehlenswert ist es, relevante Nachhaltigkeitsdaten an einer Stelle im Betrieb zu sammeln. Eine Analyse der Lücken in Bezug auf die Kundenbefragung liefert zudem wertvolle Hinweise auf mögliche Umsetzungspotenziale. Dabei kann ein externer Blick, wie ihn der VDMA anbietet, helfen, schnell die ersten Möglichkeiten aufzuspüren, zum Beispiel durch Nutzung der VDMA-Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence. Die Nachhaltigkeitsinitiative, der über 200 Partner aus dem Maschinen- und Anlagenbau angehören, bietet neben der Möglichkeit, die eigenen Nachhaltigkeitsbemühungen bekannt zu machen, auch Erstberatung zum Umgang mit Kundenanforderung bzw. Unterstützung zum Aufbau eines Nachhaltigkeitsmanagements. „Ohne die energieeffizienten umweltschonenden Technologien des Maschinen- und Anlagenbaus wären innovative nachhaltige Lösungen und Endprodukte nicht realisierbar. Mit Blue Competence verfolgen wir das Ziel, die Leistungen der Investitionsgüterindustrie für eine lebenswerte Zukunft sichtbar zu machen“, sagt Judith Herzog-Kuballa. Sie ist Referentin für Nachhaltigkeit im VDMA und für Blue Competence verantwortlich. „Darüber hinaus geht es aber genauso darum, Nachhaltigkeit in der eigenen Produktion umzusetzen sowie gesellschaftliche Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen“, erläutert Herzog. Als Orientierung dienen dabei 12 Nachhaltigkeitsleitsätze. Sie sind die Grundlage des Engagements und die Verpflichtung für die Partner der Blue Competence-Nachhaltigkeitsinitiative.

Der VDMA bietet eine Webinar-Reihe zur klimaneutralen Produktion an. Unsere Mitglieder können die Webinare hier nachhören.

Kontakte:

Klimaneutral produzieren: Frederike Krebs, frederike.krebs@vdma.org, +32 2 7 06 8136
Nachhaltigkeitsinitiative: Judith Herzog-Kuballa, judith.herzog@vdma.org, 069 6603 1751