Corona-Krise trifft französische Wirtschaft hart

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Die rasche Ausbreitung von COVID-19 hat weite Teile der Wirtschaft im Nachbarland lahmgelegt. Auch die Baubranche stand still. Viele Firmen beantragten Kurzarbeit, starten jetzt aber sukzessive wieder den Betrieb.

Als die Corona-Pandemie Anfang März 2020 auch in Frankreich immer schneller um sich griff, hat die Regierung innerhalb weniger Tage das öffentliche Leben drastisch eingeschränkt. Am 15. März mussten alle Geschäfte, die nicht der Grundversorgung dienen, und am nächsten Tag alle Kindergärten und Schulen schließen. Ab 17. März folgte eine weitgehende Ausgangssperre, die zunächst auf zwei Wochen begrenzt war. Am 13. April wurde diese bis zum 11. Mai verlängert.

Nach Verhängung der Ausgangssperre haben viele Unternehmen den Betrieb eingestellt - auch über die Branchen hinaus, die direkt von der Schließung ihrer Geschäfte betroffen waren. Grund für einen Produktionsstopp waren hier die hohen Fehlquoten bei den Mitarbeitern, Unsicherheit über den Gesundheitsschutz und damit verbundene Haftungsrisiken sowie das Wegbrechen der Nachfrage und von Lieferketten. Systemrelevante Branchen wie Nahrungsmittel, Pharma, Transport, Energie, Wasser und Telekommunikation konnten ihre Aktivitäten weitgehend aufrechterhalten. Aber auch sie wurden durch die Krise in Mitleidenschaft gezogen. 

Die Bauindustrie stand fast vollständig still, obwohl die Regierung in Frankreich anders als in Italien und Spanien die Aktivität "nicht essenzieller" Branchen nie untersagt hat. Mit steigender Inlandsproduktion und zunehmenden Lieferungen aus China verbessert sich die Verfügbarkeit von Schutzmaterialien. Dies erleichtert die Wiedereröffnung von Fabriken und Baustellen. 

Baustellen nehmen langsam die Arbeit auf 

In der Bauindustrie wurden im April Leitfäden entwickelt, um das Ansteckungsrisiko auf Baustellen möglichst zu verringern. Dringende Bauprojekte sind daraufhin langsam wieder in Gang gekommen. Nach Informationen des Tiefbauverbandes FNTP (Fédération nationale des travaux publics) ist der Anteil der Unternehmen, die völlig stillstehen, von 80 Prozent am 26. März auf 70 Prozent am 10. April gesunken. Bis zum 16. April sollten die Präfekten die Akteure in den einzelnen Départements zusammenbringen, um die Wiederaufnahme von Baustellen zu koordinieren. Damit hat sich die Bauaktivität wiederbelebt. Allerdings beklagen die Unternehmen höhere Kosten für die Sicherheit und eine geringere Produktivität. Im Hochbau gilt es als noch schwieriger, Sicherheitsabstände einzuhalten, daher ist hier die Aktivität noch verhaltener.

Nachfrageeinbruch in der Industrie

Der Verband der Nahrungsmittelindustrie Ania (Association Nationale des Industries Alimentaires) beklagt fallende Umsätze durch ein Wegbrechen der Nachfrage in der Gastronomie und auf Exportmärkten sowie durch die Einschränkung des Sortiments in Supermärkten. Nach einer Umfrage von Ania standen Anfang April 27 Prozent der Betriebe still. Der Verband France Chimie vermeldet im Chemiesektor eine Fehlquote der Mitarbeiter von 20 Prozent. Hier sind zwar fast alle Fabriken in Betrieb, allerdings im Durchschnitt mit einer Auslastung von 75 Prozent, da wichtige Abnehmer wie die Automobilhersteller und Baufirmen den Betrieb eingestellt haben.

Aus dem gleichen Grund sind im Straßentransport nur 41 Prozent der Lkw im Einsatz. Die Unternehmen schätzen, dass ihre Umsätze im Schnitt der ersten beiden Aprilwochen gegenüber demselben Vorjahreszeitraum um 48 Prozent gefallen sind. 27 Prozent der Firmen haben den Betrieb vollständig eingestellt. Anfänglich mussten auf Anweisung der Regierung die Rastplätze schließen. Inzwischen sind sie für Lkw wieder geöffnet. Die Leerfahrten sind durch den kleineren Kundenkreis stark gestiegen und zum Unmut anderer Sektoren auch die Transportpreise. 

Paris legt Hilfspaket auf

Um Liquiditätsengpässen in den Firmen entgegenzuwirken, hat die Regierung ein umfassendes Hilfspaket (Des mesures immédiates de soutien aux entreprises) aufgelegt. Dazu zählen großzügige Regelungen zur Kurzarbeit, staatliche Garantien für Kredite, die Stundung von Sozialabgaben und Steuern sowie ein Solidaritätsfonds für kleine Unternehmen und Selbstständige. Mitte April waren etwa 10 Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit. 

Nach Schätzung des Statistikamtes Insee lag die Wirtschaftsleistung in Frankreich Anfang April insgesamt um 36 Prozent niedriger als üblicherweise zu dieser Jahreszeit. Für das Gesamtjahr 2020 erwartete die Regierung Mitte April einen BIP-Rückgang von mindestens 8 Prozent. 

Quelle: gtai

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