Unternehmen brauchen digitale Souveränität

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Unternehmen müssen eigenständig über ihre Daten und Geschäftsmodelle entscheiden können. Eine ausreichende IT-Sicherheit ist dafür ein Grundpfeiler; eine offene europäische Dateninfrastruktur wird angestrebt.

Digitale Souveränität steht für die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus schon seit vielen Jahren im Fokus. Anders als vielfach in der Öffentlichkeit diskutiert, geht es dabei jedoch nicht darum, sich vom Rest der Welt unabhängig zu machen und quasi autark zu agieren. Das ist im heutigen Welthandel weder möglich noch sinnvoll. Der VDMA versteht unter Digitaler Souveränität vielmehr die Befähigung der Unternehmen, souverän über ihre Daten und Geschäftsmodelle entscheiden zu können.

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"Digitale Souveränität im Unternehmenssinn bedeutet die Fähigkeit zu selbstbestimmtem Handeln bei Digitalthemen, ohne jedoch zwangsläufig ausschließlich eigene Ressourcen einsetzen zu müssen" sagt Prof. Claus Oetter, Geschäftsführer VDMA Software und Digitalisierung. Voraussetzung ist jedoch eigenes Können und Wissen auf internationalem Spitzenniveau, um bei digitalen Schlüsseltechnologien und -kompetenzen führend agieren zu können.

"Diese Fähigkeiten machen es den Unternehmen möglich, zwischen Partnern und Services zu entscheiden, sie zielgerichtet einzusetzen, zu kooperieren oder sie im Bedarfsfall weiterzuentwickeln", ergänzt Kai Kalusa, VDMA Experte für Digitale Souveränität

Ein digital souveränes Unternehmen muss in der Lage sein, nach innen voll funktionsfähig zu sein, indem es seine Integrität beispielsweise vor Cyber-Angriffen von außen schützt.

Praktische Tipps und Erfahrungen hören Sie in der neuesten Episode unseres Industrie Podcasts: 

 

IT-Sicherheit ist ein Grundpfeiler digitaler Souveränität

Cybersecurity unterstützt die Digitale Souveränität maßgeblich, indem die IT-Sicherheitskriterien zur Erreichung eines angemessenen Schutz-Niveaus bei wichtigen Entscheidungen mit einbezogen werden. Zu den Herausforderungen der Cybersecurity gehört es, harmonisierte Produkt-Anforderungen über Unternehmensgrenzen und Länder hinweg zu schaffen, die die gesamte Supply-Chain sowie den gesamten Produktlebenszyklus betreffen.

Studienergebnisse des VDMA zeigen, dass es in den letzten Jahren durch Security-Vorfälle verstärkt zu Kapitalschäden, Produktionsausfällen und Qualitätseinbußen gekommen ist.

Auswirkungen von Security Vorfällen:

 

Quelle: Studie Industrial Security, VDMA 2019

Wichtig bei der Betrachtung von Digitaler Souveränität und bei Security-Entscheidungen ist, dass es nicht zu einer Politisierung kommt, die zu Entscheidungen basierend auf dem Herkunftsort einer "Marke" anstatt auf objektiven Kriterien führt. So macht es keinen Sinn, Digitaltechnologie aus dem Unternehmen zu verbannen, nur weil der Hersteller aus einem bestimmten Land kommt.

Digitale Plattformen und deren freie Wahl gehören dazu

Weitere praktische Voraussetzungen für Digitale Souveränität betreffen insbesondere die Vermeidung von Abhängigkeitsverhältnissen, sogenannten Lock-in Effekten, bei der Datenspeicherung und -verarbeitung sowie den Aufbau und die erfolgreiche Nutzung digitaler Plattformen. Vor diesem Hintergrund unterstützt der VDMA das Projekt Gaia-X der Bundesregierung, das für den Aufbau einer vernetzten, offenen Dateninfrastruktur auf Basis europäischer steht. Zudem befasst sich der Verband mit dem Entstehen von digitalen Plattformen, die für neue digitale Geschäftsmodelle der Unternehmen eine zentrale Rolle spielen.

VDMA Studie "Plattformökonomie im Maschinenbau"
VDMA Whitepaper "Plattformökonomie wird auch den Maschinenbau verändern"

Digitalisierung kennt keine Landesgrenzen

Das Vorhaben Gaia-X verdeutlicht, dass Digitale Souveränität keine nationalen Alleingänge zum Ziel haben kann. "Die Ausgestaltung von Gaia-X als dezentrale, europäisch getriebene Cloud-Lösung zur Datenspeicherung und -verarbeitung unterstreicht weiterhin, dass es nicht zielführend ist, eine europäisches Cloud-Infrastruktur nach dem Vorbild bestehender US- amerikanischer oder chinesischer Unternehmen nachzubauen", erläutert Kai Kalusa.

Gaia-X
Gaia-X ist ein Projekt zum Aufbau einer leistungs- und wettbewerbsfähigen, sicheren und vertrauenswürdigen Dateninfrastruktur für Europa, das von Vertretern der deutschen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft getragen wird. Gaia-X schafft für den Maschinen- und Anlagenbau einen Mehrwert, indem es sich als eine Art multilaterale Verwaltungsschicht über existierende Cloud-Anbieter legt, die Produktions-Infrastruktur und Clouds mit einer übergeordneten Semantik sowie Datenaustauschdiensten verbindet und so das Schnittstellenmanagement vereinfacht.

Damit das Projekt zur Erhöhung der Digitalen Souveränität beiträgt, muss es die Bedarfe der Anwender fokussieren und zur Entstehung einer interoperablen Plattform für Cloud-Lösungen beitragen, die bestehende Cloud-Angebote marktgerecht zusammenführt und auf offenen Schnittstellen basiert. Dabei muss es Nutzern jederzeit und ohne großen Aufwand möglich sein, verschiedene Angebote miteinander zu verknüpfen oder zwischen den Angeboten einzelner auf der Plattform vertretener Anbieter aus dem europäischen sowie internationalen Ausland zu wechseln. Ein Use Case der Firma Beckhoff zeigt den möglichen Nutzen von Gaia-X konkret auf.

[Den Use Case von Beckhoff finden Sie im Downloadbereich, Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, "Das Projekt GAIA-X", Berlin, 2019]

Plattformökonomie braucht Vertrauen in Vernetzung

Gaia-X kann ein entscheidender Schritt hin zur Plattformökonomie sein. Augenblicklich befinden wir uns in einer Phase, in der für VDMA-Mitgliedsunternehmen der Wettbewerbsgedanke noch klar über den Kollaborationsgedanken steht. Das heißt, dass die Unternehmen zurzeit noch eigene, proprietäre Plattformlösungen klar gegenüber gemeinsamen - wie beispielsweise Branchenlösungen - präferieren. Das birgt die Gefahr, dass Skalierungseffekte, die erfolgskritisch für Plattformen sind, nicht entstehen und damit der nachhaltige Erfolg in Frage gestellt ist.

In jüngster Zeit verstehen einige Plattformbetreiber, dass proprietäre Lösungen nicht das sind, was ihre Kunden wollen. Hier werden neuerdings Konsortien gegründet, um den Kunden gemeinsam mit Daten und Informationen zu bedienen.

Weiterführende Links

▶︎  VDMA Informatik

▶︎  VDMA Software und Digitalisierung

▶︎  VDMA Podcast zur Plattformökonomie

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