Gute Ideen im Kampf gegen Corona

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Der Maschinenbau ist da, wenn man ihn braucht. In der Corona-Pandemie starten Maschinenbaufirmen viele Initiativen, um weltweit Menschen in Not zu helfen.

Mehr als eine Million Menschen arbeiten im Maschinenbau in Deutschland, vier Millionen Beschäftigte hat die Industrie in Europa. Das ist nicht nur ein riesiger Schatz an Fachwissen, sondern auch an Engagement und kreativen Ideen in dieser globalen Krise. 

Das zeigt das Beispiel von Marco Dei Vecchi. Der Italiener wusste früher als andere, was der Welt drohte. Dei Vecchi  lebt in Caorle, nahe Venedig, und damit inmitten einer der am schlimmsten von Covid19 betroffenen Regionen der Erde. Aber Dei Vecchi ist auch ein Mann der Tat und Mehrheitseigner des Automobilzulieferers Zender aus Osnabrück. Jetzt produziert der Spezialist für Carbon-Teile und Innenraumverkleidungen die so händeringend benötigten FFP2-Masken mit Meltblown-Vlies für den Einsatz in Krankenhäusern. 100 000 Stück sollen es werden. 

Norbert Borner, Geschäftsführer und Gesellschafter von Zender Germany, bringt den Ansatz vieler Maschinen- und Anlagebauer auf den Punkt: „Wir haben uns auf unsere Kernkompetenz besonnen.“ Zender kann Industriestoffe verarbeiten und Textilien schneiden, nähen und schweißen - Spezialistenwissen, dass jetzt bei der Maskenproduktion hilft.  Auch nach Corona will das Unternehmen Masken für das Gesundheitswesen produzieren. Gelernt ist gelernt. 

Die Qualitätsanforderungen an die FFP2-Masken sind hoch. Sie müssen medizinisches Personal in Kliniken außerhalb der OPs vor Covid19-Viren schützen. Auch beim Filterspezialisten Mann+Hummel aus Ludwigsburg haben Projektleiter Martin Klein und sein Team diskutiert und erfolgreich probiert, wie sie Kranke und medizinisches Personal mit Maskenmaterial unterstützen können. „Für unsere innerhalb von zwei Wochen hergestellten Spinnenvliese mit langen hochfeinen Nano-Fasern verwenden wir die gleichen Maschinen wie für unsere Luft- und Pollenfilter im Auto“, sagt er. Tausende Quadratmeter pro Monat will das Unternehmen jetzt für die Herstellung von Atemmasken produzieren. 

 

Atemtechnik vom Heizungsbauer

Beatmungsgeräte entscheiden über Leben und Tod. Wo sie fehlen, sterben Kranke, die hätten gerettet werden können. Und sie fehlen gerade auf der ganzen Welt. Die Königsklasse dieser Hightech-Geräte sichert die dauerhafte, künstliche Beatmung individuell nach Atemzug des Patienten.  Entsprechend schwierig und aufwändig ist sie herzustellen. Aber auch weniger komplexe Beatmungsmaschinen retten Leben. Der Heizungsexperte Viessmann entwickelt jetzt binnen weniger Wochen gemeinsam mit Klinikärzten und der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen ein mobiles Gerät für leichtere Fälle - und nutzt dafür Teile seiner Heizungsgeräte und Wärmepumpen. Variable Atemfrequenz- und Atemluftdruckniveau und die variable Beimischung von Sauerstoff sind auch bei dieser Variante sichergestellt, die medizintechnische Sonderzulassung haben die Allendorfer beantragt. Das Gerät soll zu einem Lebensretter vor allem in den ärmeren Regionen der Welt werden. 

Vielleicht waren auch 3D-Drucker noch nie so nützlich wie in der globalen Krise. Weltweit surren jetzt tausende dieser Geräte aus der additiven Fertigung, um medizinische Bauteile zum Beispiel für die Rahmen der Atemmasken und Gesichtsschilde zu produzieren. Das Unternehmen SLM Solutions, Spezialist für 3D-Metalldrucker, hat aus Lübeck heraus die „Additive Alliance against Corona“ gestartet. Sie soll die Kräfte der Branche bündeln und die Lücken in den Lieferketten schließen, die die weltweit geschlossenen Produktionen gerissen haben. Selbst ein Hersteller von Hebezeugen wie die J.D.Neuhaus Group druckt so nun Masken für die Mediziner, Pflegekräfte und Supermarkt-Mitarbeiter vor Ort in Witten. 

 

Kleines Teil, große Wirkung

Auf Türklinken lauern bis zu 70 000 Viren auf nur zehn Quadratzentimetern. Wie lassen sich Türen öffnen, ohne diese „Superspreader“ zu berühren? Diese Frage hat die Recycling-Initiative „Precious Plastic“ der Technischen Universität Hamburg tagelang umgetrieben. Ihre Antwort: Ein bunter, u-förmiger Plastikaufsatz aus dem Drucker wird oben parallel auf die Klinke geschraubt. Statt die Klinke anzufassen, reicht es so, den bekleideten Unterarm kurz durchzuschieben. Einfach und effektiv. „Je mehr Leute mitmachen, desto besser können wir den Virus stoppen“, betonen die Tüftler von der Elbe. Deshalb haben sie die Produktionsanleitung zum freien Download auf ihre Homepage gestellt. Solche pragmatischen Initiativen  bilden sich gerade in ganz Deutschland. Im Kleinen wie im Großen: Der Stuttgarter Bosch Konzern ist das Problem der fehlenden Corona-Teste angegangen. Millionen Menschen müssten weltweit täglich getestet werden, doch die Kapazitäten fehlen überall. Eine Herkulesaufgabe.  Bosch hat gemeinsam mit medizinischen Experten nun binnen rekordverdächtiger sechs Wochen einen Test entwickelt, der Infektionen in weniger als 2,5 Stunden nachweisen soll. 


Vernetzt forschen 

Eigentlich ist es in Zeiten von Corona keine gute Idee Menschen zusammenzubringen. Die Landesagentur BIOPRO Baden-Württemberg macht es dennoch - virtuell und schlagkräftig. So wie dort, bilden sich in ganz Deutschland seit Beginn der Corona-Krise interdisziplinäre Netzwerke, auf denen Unternehmen Angebote zur Zulieferung von Teilen, Komponenten oder Fertigungsschritten für Medizintechnik einstellen können. Binnen weniger Tagen online aufgesetzte Anlaufstellen bündeln Angebot und Nachfrage. Sie stellen Kontakte zu Entwicklern, Konfektionieren, staatlichen Krisenstäben und Ministerien her.  Schnell wie nie zuvor finden sich so Techniker und politische Entscheider.  

Andere Unternehmen unterstützen Forschungsinitiativen finanziell. So spendete die Stiftung des Dortmunder Pumpenherstellers Wilo 30 000 Euro an die medizinische Universität Duisburg-Essen für deren deutsch-chinesisches Forschungslabor in Wuhan. Der Industriezulieferer Schaeffler aus Herzogenaurach spendete eine Million Euro für die Arbeit des Rotes Kreuzes. 

Manchmal zeigen sich Tatkraft und Pragmatismus aber auch im ganz Kleinen. So verteilt die indische Konzerntochter des Intralogistik-Spezialisten Kion in dem Land vorgekochtes Essen, weil die Einwohner kaum noch auf die Straße zum Einkaufen dürfen.

 

Helfen zu helfen 

Aber erfolgreiche Rückendeckung kann auch ganz anders aussehen, denn guten Ideen sind keine Grenzen gesetzt. 
Der Baumaschinen-Produzent Wacker Neuson hat zum Beispiel  an die zu beschäftigenden Kinder der Mütter und Väter im Homeoffice gedacht. Gestresste Eltern können sich auf der Homepage der Münchener jede Menge Schaufelbagger-Ausmalbilder für die Kleinen herunterladen. 
Und damit die Familien trotz Kontaktverbot auch ihre Verwandten in Pflegeheimen hören und sehen können, hat das Unternehmen RobShare aus Reinheim seinen kleinen hüfthohen Roboter James weiterentwickelt. Der darf nun auch - vom Heimpersonal gesteuert - in Quarantäne-Zimmer fahren und schaltet dort Oma und Enkel per Videokonferenz zusammen. Jetzt sucht das Unternehmen Sponsoren, um James und seine vielen Kollegen kostenlos an möglichst viele Pflegeheime abgeben zu können. 
Es gibt eben viele Wege sich in Corona-Zeiten gegenseitig zu unterstützen. 

 

Zusammenhalt im Maschinen- und Anlagenbau – gerade jetzt!

Für den VDMA stehen gegenseitige Unterstützung und der Zusammenhalt im Maschinen- und Anlagenbau an erster Stelle. Gerade jetzt ist es ein großer Vorteil, dass der Maschinen- und Anlagenbau untereinander und auch mit seinen Kunden eng verbunden ist. Dieser Zusammenhalt ist nun gefragt! Alle Unternehmen sind wichtig, denn es gilt die Lieferketten funktionsfähig zu halten sowie einen Industrie-Shutdown zu verhindern. 

Mit gut 1,3 Millionen Erwerbstätigen ist der Maschinen- und Anlagenbau der größte industrieller Arbeitgeber in Deutschland, er ist das Rückgrat der Industrie.
Das soll so bleiben und dafür setzt sich der VDMA ein – jeden Tag.