So kämpft Österreichs Wirtschaft gegen die Coronakrise

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (Foto: Alexandros Michailidis / Shutterstock.com)

Die österreichische Bundesregierung hat ein Hilfspaket in Höhe von 38 Milliarden Euro beschlossen, um die Wirtschaft des Landes in der Coronakrise zu stützen. Eine adaptierte Kurzarbeitsregelung, Soforthilfen, Liquiditätsgarantien, Kredite, Bürgschaftsprogramme und steuerliche Maßnahmen sollen dabei helfen Notlagen und Engpässe zu überwinden. Darüber hinaus wurden zahlreiche weitere Initiativen gestartet, um Unternehmen in dieser schwierigen Phase zu unterstützen. Der VDMA Österreich liefert hier einen Überblick (Stand: 30. April 2020):

Nach mehreren Wochen des „Corona-Shutdowns“ in Österreich zeigt sich im Alpenland nun wieder etwas Licht am Ende des Tunnels. Die Bundesregierung hat am Montag, dem 6. April 2020, erste Signale zum schrittweisen Hochfahren der österreichischen Wirtschaft gegeben, warnt jedoch gleichzeitig vor einer „zweiten Welle“. Kleinere Geschäfte (bis 400 m²) dürfen vorerst ab 14. April unter klar definierten Bedingungen wieder öffnen. Allerdings kommt es mit diesem Datum auch zu einer Ausweitung der Maskenpflicht (Mund-Nasen-Schutz) in allen geöffneten Geschäften sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln. (Am Arbeitsplatz sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam darüber entscheiden.) Die Bevölkerung ist zudem weiterhin aufgerufen, sich selbst zu isolieren. Die Grenzen zu den Nachbarländern sind für den Personenverkehr ebenso weitgehend gesperrt, jedoch gibt es Ausnahmen für beruflich notwendige Fahrten, wie Pendler und Güterverkehr. Informieren Sie sich dazu auch hier "Österreich – Monteureinreise mit Pendlerbescheinigung möglich!"

38 Milliarden Euro Hilfspaket

Um Arbeitsplätze zu erhalten und die Betriebe zu unterstützen, wurde in Österreich ein umfangreiches Hilfspaket geschnürt. Zusätzlich zu Soforthilfen von vier Milliarden Euro, die auf den Weg gebracht wurden, um Kurzarbeit sicherzustellen (Update: mit 30.4.2020 auf 10 Mrd. Euro erhöht) und vor allem kleinere und mittlere Betriebe zu unterstützen, wird es weitere neun Milliarden Euro an Garantien und Haftungen zur Kreditsicherung geben. 15 Milliarden Euro werden in die Notfallhilfe investiert, um Branchen zu unterstützen, die besonders hart von der Corona-Krise getroffen werden. Zusätzlich wird es zehn Milliarden Euro an Steuerstundungen geben. 

Kurzarbeit, Hilfsfonds und Härtefall-Fonds. Hier die Maßnahmen im Detail:

Corona-Kurzarbeit

Die neue sogenannte „Corona-Kurzarbeit" orientiert sich an dem bisher bestehenden Kurzarbeitsmodell in Österreich, bietet aber zusätzlich weitere Erleichterungen. Neu am Modell ist, dass die Corona-Kurzarbeit innerhalb von 48 Stunden abrufbar ist – bisher waren dafür mehr als sechs Wochen notwendig. Zum ersten Mal ist es zudem möglich, dass Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter zur Gänze, also zu 100 Prozent, zu Hause sind und gleichzeitig im Unternehmen beschäftigt bleiben. Der Arbeitnehmer erhält während der Kurzarbeit je nach Gehaltshöhe 80 bis 90 Prozent des bisherigen Nettoentgelts. Die neue Corona-Kurzarbeit gilt übrigens auch für Lehrlinge. Sie kann für drei Monate beantragt und auf sechs Monate verlängert werden. Nach ursprünglich 400 Millionen Euro wurde der Kurzarbeits-Topf auf eine Milliarde Euro und am 6. April 2020 bis auf drei Milliarden Euro erhöht.
UPDATE: Am 30. April 2020 wurde er nocheinmal auf zehn Milliarden Euro aufgestockt.
https://investinaustria.at/de/news/2020/03/corona-regelung-kurzarbeit.php
https://www.ams.at/unternehmen/personalsicherung-und-fruehwarnsystem/kurzarbeit/downloads-kurzarbeit
 

Corona Hilfs-Fonds

Für Unternehmen und Branchen, die durch Maßnahmen wie Betretungsverbote, Reisebeschränkungen oder Versammlungsbeschränkungen besonders betroffen sind und Liquiditätsprobleme haben, wurde ein „Corona Hilfs-Fonds“ in der Höhe von 15 Milliarden Euro installiert. Dieser soll flexibel je nach unmittelbarem Bedarf einerseits für Betriebszuschüsse anderseits für Garantien verwendet werden können. Darüber hinaus hilft der Fonds Unternehmen, die in Folge der Corona Krise mit großen Umsatzeinbußen und der Gefährdung ihrer Geschäftsgrundlage konfrontiert sind. Beispielsweise können Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von zumindest 40 Prozent nach Ablauf ihres Geschäftsjahres einen steuerfreien und nicht rückzahlbaren Betriebskostenzuschuss bis maximal 90 Millionen Euro beantragen.
https://www.bmf.gv.at/public/top-themen/corona-hilfspaket-faq.html
 

Härtefall-Fonds

Neue Selbstständige, freie Dienstnehmer, Ein-Personen-Unternehmen und Kleinstunternehmer mit bis zu neun Mitarbeitern, die akut durch die Corona-Krise in Notlage geraten sind, erhalten aus dem mit insgesamt zwei Milliarden Euro dotierten Härtefallfonds eine „Soforthilfe“ von bis zu 2.000 Euro pro Monat. Es wird über maximal drei Monate der Verdienstentgang – gesamt bis zu 6.000 Euro – abgefedert.
https://www.wko.at/service/haertefall-fonds-epu-kleinunternehmen.html
 

Zahlreiche weitere Hilfestellungen für österreichische Unternehmen:

Zusätzlich zum umfangreichen Hilfspaket der österreichischen Bundesregierung wurden zahlreiche weitere Initiativen gestartet, um Unternehmen in dieser schwierigen Phase zu unterstützen:

Digital Team Austria

Aufgrund der aktuellen Corona Krise müssen viele Unternehmen auf mobiles Arbeiten umstellen, damit Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter von zu Hause ihrer Arbeit nachgehen können. Die notwendigen digitalen Werkzeuge sind bei zahlreichen Unternehmen jedoch nicht verfügbar. Mit der Initiative "Digital Team Österreich" wurde nun ein Zusammenschluss von Unternehmen aus der Digitalisierungsbranche lanciert. Das Digital Team Österreich bietet digitale Dienste für Klein- und Mittelunternehmen (KMU) für zumindest drei Monate kostenlos an. Services wie Videokonferenz und Online Meetings oder Cyber-Security stehen zur Verfügung. Die Bestellung erfolgt über die Website der jeweiligen Anbieter.
https://www.usp.gv.at/Portal.Node/usp/public/content/home/532049.html
 

Stärkung der Lieferketten

Das österreichische Wirtschaftsministerium will zudem zerbrechliche Lieferketten stärken werden und beispielsweise dafür sorgen, dass Lebensmittel und Medikamente in Österreich und Europa nicht ausgehen. Sollte Ihr Unternehmen Schwierigkeiten aufgrund unterbrochener internationaler Lieferketten haben, so besteht die Möglichkeit, unter folgender Adresse wirtschaft.covid-19@bmdw.gv.at Ihr Problem direkt an das Wirtschaftsministerium zu übermitteln, damit dieses im Rahmen der Taskforce Wirtschaft COVID-19, mit dem Ziel der raschen Lösung des Problems, diskutiert werden kann.
https://www.bmdw.gv.at/Themen/International/covid-19/Unterstuetzung-fuer-Unternehmen.html
 

Entlastungen und Vereinfachungen des Finanzamtes

Das Bundesministerium für Finanzen hat zudem einige weitere Entlastungen bei wirtschaftlicher Notlage oder Liquiditätsengpässen aufgrund der Covid-19 Krise bekanntgegeben. So etwa soll es die Möglichkeit einer zinsenfreien Stundung bzw. Ratenzahlung der Steuern zu beantragen. Ferner können steuerpflichtige Personen die Herabsetzung der Einkommensteuer- oder Körperschaftvorauszahlungen (bis auf null) beantragen, wenn das voraussichtliche Einkommen für das jeweilige Jahr niedriger ist.
https://www.bmf.gv.at/public/top-themen/corona-hilfspaket-faq.html
https://www.bmf.gv.at/public/informationen/informationen-coronavirus/neu_coronavirus.html
 

Maßnahmen der Sozialversicherungsanstalt (SVS)

Alle SVS-Versicherten, die durch den Corona-Virus mit finanziellen Einbußen rechnen oder durch Erkrankung bzw. Quarantäne betroffen sind, erhalten von der SVS Unterstützungen in Form von Stundung oder Ratenzahlung der Beiträge, Herabsetzung der vorläufigen Beitragsgrundlage sowie gänzliche bzw. teilweise Nachsicht der Verzugszinsen.
https://www.svs.at/cdscontent/?contentid=10007.816825&portal=svsportal
 

Unterstützung durch die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK)

Die ÖGK unterstützt die Betriebe mit einigen Zahlungserleichterungen. Folgende Maßnahmen für Stundungen, Ratenzahlungen, Nachsicht bei Säumniszuschlägen, Aussetzen von Exekutionsanträgen und Insolvenzanträgen.
https://www.gesundheitskasse.at/cdscontent/?contentid=10007.813892&portal=oegkportal