Logistik wird autonom und hebt ab

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Fahrzeuge, die wie von Geisterhand durch eine Halle fahren und Waren sicher transportieren? In modernen Fabriken und Lagersystemen sind solche fahrerlosen Transportsysteme längst Alltag. Die Intralogistik wird immer autonomer. Und wo am Boden die Bedingungen nicht optimal sind, übernehmen Drohnen die Arbeit.

Fahrerlose Transportsysteme

Fahrerlose Transportsysteme (FTS) gibt es eigentlich schon seit etwa 60 Jahren. Dank neuer Navigationstechnologien, steigender Rechnerleistung zur Datenverarbeitung und moderner Sensorik erleben sie jetzt aber einen gewaltigen Schub. Die heutigen technischen Möglichkeiten, ein solches Fahrzeug zu gestalten und einzusetzen, treffen die Kundenwünsche aus Produktion und Logistik passgenau. In der modernen Fertigung ist ein Höchstmaß an Flexibilität gefordert. Der Trend geht trotz Massenfertigung hin zu individualisierten Produkten und das bedeutet einen erhöhten Planungsaufwand für die Produktion, inklusive der Materialversorgung. Auch das weiterwachsende Onlinegeschäft im Handel fordert von Anbietern und Logistikdienstleistern eine schnelle und effiziente Abwicklung. Starre Prozesse können weder Auftragsspitzen noch veränderte Produktionsanforderungen abfedern. Fahrerlose Transportsysteme sind deshalb ein flexibler und immer häufiger genutzter Baustein in der Prozesskette. 

KION GROUP AG

"In der Intralogistik ist die Welt von morgen bereits Wirklichkeit und verbindet klassischen Maschinenbau mit hoch anspruchsvoller Softwarekompetenz: Autonom fahrende Gabelstapler und automatisierte Lager sind zentrale Antworten auf die Wünsche unserer Kunden nach einer schnellen und zuverlässigen Auslieferung ihrer Produkte - am besten noch am gleichen Tag", sagt Gordon Riske, Vorsitzender des Vorstands der KION GROUP AG und Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik.

5G

Waren sie früher spurgebunden auf festen Routen unterwegs, finden fahrerlose Transportsysteme heute dank verschiedener Navigationstechnologien automatisiert ihren Weg. Um die Systeme in die Lage zu bringen, möglichst autonom zu agieren, müssen verschiedene Daten in Echtzeit zur Analyse und Verarbeitung bereitstehen. Dafür ist nicht nur entsprechende Rechnerleistung notwendig, sondern auch ein schnelles und stabiles Netzwerk. Hier bietet der neue Mobilfunkstandard 5G - besonders für Unternehmen mit den sogenannten Campus-Netzen - die große Chance, die Autonomie der fahrerlosen Systeme im Einsatz weiter zu steigern. 

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VDA 5050

Eine weitere wichtige Aufgabe im Kontext der Smart Factory stellt sich im Bereich der Vernetzung unterschiedlicher Systeme. Benötigt wird eine neue Schnittstelle, mit der FTS und Steuerungssoftware herstellerunabhängig miteinander kommunizieren können. Hierzu wurde das Schnittstellen-Projekt VDA 5050 aufgesetzt. Seit dem zweiten Halbjahr 2017 arbeitet ein Projektteam aus FTS-Nutzern und FTS-Herstellern unter Koordination des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) und des VDMA-Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik an der Entwicklung einer solchen neuen Schnittstelle. Mit ihr können verschiedenste Fahrzeuge, unabhängig von Typ, Fähigkeiten oder genutzter Technologie, in ein gemeinsames System integriert werden und im Rahmen komplexer Prozesse zusammenarbeiten. Die Arbeit an der Schnittstelle umfasst bereits zwei Meilensteine: die Übermittlung von Aufträgen und Statusdaten auf der einen und die Navigation innerhalb eines gemeinsamen Koordinatensystems auf der anderen Seite. 

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Die Vernetzung der Fahrzeuge ist ein wichtiger Baustein, um Industrie 4.0 weiter voranzubringen. In der Smart Factory wird es in Zukunft jedoch auch darum gehen, die Fahrzeuge mit einzelnen Produktionsmaschinen oder Fertigungsinseln zu verbinden. Gelingen kann dies beispielsweise über den offenen Kommunikationsstandard OPC UA, für den der VDMA und seine Mitgliedsunternehmen die Grammatik – sogenannte Companion Specifications – entwickeln.

Das fliegende Schweizer Taschenmesser

Drohnen oder auch UAV (Unmanned Aerial Vehicles) erobern immer mehr Anwendungsbereiche in Logistik und Industrie: Ob als Luftunterstützung zur Sicherung eines Werksgeländes, zur Vermessung einer Baustelle, als fliegendes Auge zur Inspektion von Leitungen und Maschinen, auf dem Acker zur Erkennung von Düngebedarf und Pflanzengesundheit oder im Lager zur Inventur oder als Transportdrohne - die Einsatzmöglichkeiten sind fast unlimitiert. Gerade für Maschinen- und Anlagenbauer könnten Drohnen zu einer spannenden Erweiterung ihres Portfolios werden. 

3 Mrd. Euro – auf diese Summe könnte der deutsche Drohnenmarkt von aktuell 574 Mio. Euro vor allem durch gewerblich genutzte Drohnen bis 2030 wachsen.

 

Die Drohnenindustrie ist noch recht jung und vor allem durch Start-ups geprägt. Laut einer Studie von Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) wächst allein der deutsche Drohnenmarkt bis 2030 von 574 Millionen Euro auf fast 3 Milliarden Euro – vor allem getrieben durch den kommerziellen Sektor. 126.000 kommerzielle Drohnen könnten demnach in Deutschland dann im Einsatz sein. 

Hören statt lesen? Der Podcast
Benjamin Federmann, doks. innovation, und Theresia Teigelkamp, Rhenus Contract Logistics Services, über die Einsatzmöglichkeiten für Drohnen im logistischen und industriellen Umfeld: #Drohnen – neue Geschäftsmodelle in der Luft

 

Auch die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Drohnen wächst. Dazu tragen unter anderem Anwendungen wie Medikamenten- oder Laborprobentransporte bei, aber auch die Nutzung von Drohnen für Rettungseinsätze von Feuerwehr und Wasserrettung. Technische Anwendungen werden ebenfalls positiv bewertet, wie eine Umfrage des Verbands für Unbemannte Luftfahrt ergab: Demnach ist die Zustimmung in der Bevölkerung für die Drohnennutzung zur visuellen Inspektionen von technischen Anlagen, Verkehrsinfrastruktur und Stromleitungen, aber auch die Beobachtung von Industrieanlagen besonders hoch. 

Emqopter GmbH

Marvin Bihl, Geschäftsführer der Emqopter GmbH, betont: "Neben gesellschaftlich anerkannten Anwendungen, wie beispielsweise dem Transport eiliger medizinischer Güter und Proben, spielt für die Akzeptanz von Drohnen im deutschen Luftraum vor allem Sicherheit und Zuverlässigkeit eine entscheidende Rolle. Damit steht und fällt das Wachstum des kommerziellen Drohnenmarkts."

VDMA-Arbeitsgemeinschaft Industrial Drone Solutions

Um die Interessen der Anbieter von Drohnenlösungen im industriellen Umfeld zu vertreten, gründet der VDMA aktuell eine Arbeitsgemeinschaft "Industrial Drone Solutions". Ziel der Arbeitsgemeinschaft ist es, die wirtschaftlichen und industriellen Aspekte der Drohnentechnologie für die gesamte Branche in einem Netzwerk zu bündeln. Die Arbeitsgemeinschaft richtet sich an alle Anbieter von kommerziellen Drohnenlösungen und entsprechenden Softwareangeboten sowie an alle Unternehmen aus dem Maschinenbau, aus Industrie und Logistik, die an Drohnentechnologie interessiert sind. Für Unternehmen, die bereits VDMA-Mitglied sind, ist die Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft kostenlos. Für Firmen, die nicht mitgliedsfähig im VDMA sind, besteht die Möglichkeit einer außerordentlichen Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft. Interessenten wenden sich bitte an Juliane Friedrich, juliane.friedrich@vdma.org, Tel. +49 69 6603-1508.