Industriearmaturen-Branche spürt Nachfragerückgang

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Inlandsnachfrage trotz Corona stabil I Hersteller setzen auf Digitalisierung I Umsatzminus für 2021 erwartet

Während sich die Industriearmaturen-Branche im ersten Halbjahr 2020 trotz Corona-Krise noch gut behaupten konnte, machen sich aktuell Nachfragerückgänge im In- und Ausland stärker bemerkbar. Vor allem das Auslandsgeschäft ist deutlich rückläufig. Der Auslandsumsatz ging im Zeitraum Januar bis September 2020 um 5 Prozent zurück. Im Inland dagegen legte der Umsatz zeitgleich noch um 10 Prozent zu. Insgesamt erzielten die Hersteller damit ein Umsatzplus von 1 Prozent. 

„Dank des sehr guten Jahresstarts und stabilen Inlandsmarktes kommen die deutschen Hersteller von Industriearmaturen bislang gut durch die Krise“, kommentiert Axel Weidner, Vorsitzender des VDMA Armaturen, die aktuelle Lage. Es spricht aber einiges dafür, dass das in den nächsten Monaten nicht so bleiben wird. Viele Unternehmen nutzen die Zeit, um sich fit in Sachen Digitalisierung zu machen. „Remote Selling ist das Gebot der Stunde. Ziel ist, sich dadurch auch zukünftig gegenüber unseren internationalen Wettbewerbern mit hochwertigen Serviceleistungen und Qualitätsprodukten „Made in Germany“ abzugrenzen“, betont Weidner.

Inlandsumsatz wächst in allen Segmenten

Dank einer stabilen Inlandsnachfrage erzielte die Branche im Inland von Januar bis September in allen Segmenten ein Umsatzplus. Anders sah es jedoch beim Auslandsumsatz aus, der durchweg rückläufig war. Bedingt durch ein starkes Minus im Auslandsgeschäft schrumpfte der Umsatz bei Absperrarmaturen insgesamt um 2 Prozent. Der Umsatz bei Regel- sowie Sicherheits- und Überwachungsarmaturen legte dagegen noch um 4 Prozent zu. Ein Blick in die Orderbücher zeigt, dass sich der Negativtrend der letzten Monate in naher Zukunft fortsetzen wird. 

Exporte im Rückwärtsgang

Im Zeitraum Januar bis September 2020 exportierten die deutschen Industriearmaturenhersteller Waren im Wert von rund 3 Milliarden Euro ins Ausland. Das entspricht einem Rückgang von 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 

Das Geschäft mit dem wichtigsten Handelspartner China hat sich nach einer kräftigen Delle zum Jahresauftakt wieder etwas belebt und liegt aktuell nur knapp (minus 1,4 Prozent) unter dem sehr guten Vorjahresniveau. Insgesamt wurden Armaturen im Wert von 401,4 Millionen Euro in die Volksrepublik geliefert. Die Lieferungen in das zweitwichtigste Abnehmerland USA brachen um 18,1 Prozent auf 269,0 Millionen Euro ein. Nach Frankreich gingen ebenfalls deutlich weniger Armaturen als im Vorjahr (minus 12,5 Prozent). Das Land behauptete trotzdem Platz drei der wichtigsten Absatzmärkte mit einem Abnahmevolumen von 162,2 Millionen Euro.  

Positiv ragten unter den wichtigsten Abnehmerländern nur die Schweiz und Russland heraus. Die Exporte in das südliche Nachbarland stiegen um 5,3 Prozent auf 113,1 Millionen Euro und nach Russland wurden 4,3 Prozent mehr Waren (107 Millionen Euro) geliefert.

Trübe Aussichten für 2021

„Die seit dem Spätsommer deutlich schwächere Auftragslage lässt darauf schließen, dass in den nächsten Monaten rückläufige Umsätze zu erwarten sind“, erläutert Wolfgang Burchard, Geschäftsführer des VDMA Armaturen. „Wir rechnen daher für das Gesamtjahr 2020 mit einem leichten Umsatzminus von einem Prozent.“ Die Aussichten haben sich unlängst nochmals verschlechtert, da im Zuge des zweiten Lockdowns in vielen Ländern der Welt größere Investitionsprojekte verschoben oder ausgesetzt werden. Davon sind auch wichtige Abnehmerbranchen der Industriearmaturen-Branche betroffen. Während die Chemieindustrie bisher noch glimpflich davon gekommen ist, sind die Umsätze in der Öl- und Gasbranche deutlich gesunken. Auch der Schiffsbau wird 2021 voraussichtlich zurückgefahren. 

„In den kommenden Monaten rechnen wir mit stärkeren Umsatzrückgängen. Vermutlich wird es noch dauern, bevor die Branchenkonjunktur dann im Zuge der für 2021 erwarteten Erholung der Weltwirtschaft wieder Tritt fassen kann. Vor diesem Hintergrund erwarten wir aktuell für 2021 ein Umsatzminus von 3 Prozent“, prognostiziert Wolfgang Burchard.