Thüringer Maschinenbau 2019 erneut auf Wachstumskurs

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Ungeachtet aller Unwägbarkeiten: 2019 haben Thüringens Maschinen- und Anlagenbauer zum zweiten Mal in Folge die Umsatzmarke von 3 Milliarden Euro übersprungen – und damit einen neuen Rekordwert erzielt.

  • Umsatz und Beschäftigung klettern auf Höchstwerte
  • Auslandsgeschäft mit leichtem Plus
  • Für 2020 erwartet Verband jedoch ein Minus


Ungeachtet der Handelsturbulenzen und des Strukturwandels im Automobilsektor haben die Maschinen- und Anlagenbauer aus Thüringen 2019 ihren Wachstumskurs fortgesetzt. Gesamtumsatz, Auslandsgeschäft und Beschäftigung stiegen auf neue Höchstwerte. Das geht aus den veröffentlichten Daten des Thüringer Landesamtes für Statistik für Unternehmen hervor.

Demnach verkauften die 99 Betriebe mit mindestens 50 Mitarbeitern 2019 Maschinen, Anlagen und Komponenten im Wert von fast 3,3 Milliarden Euro. Im Vergleich zum bisherigen Rekordjahr 2018 kletterte der Gesamtumsatz um 4,8 Prozent beziehungsweise zirka 151 Millionen Euro. Damit festigten Thüringens Maschinenbauer im ostdeutschen Ranking Position zwei – hinter Spitzenreiter Sachsen (8,31 Milliarden Euro) und vor Sachsen-Anhalt (2,4 Milliarden Euro).

"Das starke Ergebnis überrascht auf den ersten Blick etwas und ist vor allem auf zwei Effekte zurückzuführen. Zum einen konnten die Unternehmen lange von den gut gefüllten Auftragsbüchern zehren. Im letzten Quartal hat das Umsatzniveau hingegen spürbar nachgelassen", sagt Oliver Köhn, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes Ost. Zum anderen habe sich die Zahl der in der Statistik erfassten Betriebe auf den Gesamtumsatz ausgewirkt. Diese ist 2019 von 95 auf 99 gestiegen.


Exporte mit leichtem Plus

Der Umsatz aus dem Inlandsgeschäft stieg 2019 um 6 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, der Auslandsabsatz um 3,4 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Die Exportquote lag damit bei 45 Prozent. Zirka 47 Prozent der ins Ausland gelieferten Waren gingen in Länder der Europäischen Union. "Seit zehn Jahren bauen die Maschinenbauer kontinuierlich ihren Auslandsumsatz aus. Der Anteil am Gesamtumsatz bleibt aber vergleichsweise niedrig und stagniert seit mittlerweile drei Jahren. Er liegt zudem deutlich unter dem ostdeutschen Durchschnitt von 54 Prozent sowie dem gesamtdeutschen Wert von 79 Prozent", sagt Köhn.

Dem Geschäftsführer zufolge erschweren vor allem die kleineren Betriebsgrößen die Auslandsaktivitäten. "Auch gibt es in der Region viele Zulieferer für die Automobilindustrie. Daher sind Unternehmen häufig nur indirekt am Export beteiligt", ergänzt er. Mittel- und langfristig sei es dennoch wichtig, stärker auf ausländische Märkte zu setzen und direkte Kundenkontakte und Netzwerke aufzubauen. Hierbei lohne der Blick auf die Wachstumsregion Asean.


Beschäftigtenzahl überspringt erstmals 16.000er-Marke

Nach oben zeigte die Beschäftigungskurve. In den Firmen mit mindestens 50 Mitarbeitern arbeiteten im Jahr 2019 durchschnittlich 16.270 Menschen – ein Zuwachs von 2,5 Prozent beziehungsweise 400 Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr. Mehr Menschen fanden zuletzt Mitte der 1990er-Jahre ihre berufliche Heimat im Maschinen- und Anlagenbau.


Corona-Virus wird Umsatz 2020 stark beeinflussen

Für das laufende Jahr rechnet der Verband mit einem Umsatzrückgang. "Insbesondere die Corona-Krise wird uns zurückwerfen. Die daraus resultierenden Ausfälle lassen sich in diesem Jahr wahrscheinlich nicht mehr kompensieren", erwartet Köhn. Bereits jetzt gibt es messbare Folgen. So spüren laut einer deutschlandweiten VDMA-Blitzumfrage 60 Prozent aller Mitgliedsfirmen Störungen in den Lieferketten. Die größten Sorgen bereiten momentan Italien und China. "Außerdem führen die zunehmenden Ein- und Ausreiseregelungen dazu, dass Service- und Wartungsverträge nicht eingehalten werden oder Maschinen und Anlagen nicht in Betrieb genommen werden können. Auch dadurch geht Umsatz verloren. Unkalkulierbar sind zudem das Ausfallrisiko von Mitarbeitern und mögliche Folgen", erklärt Köhn.

Die momentan angespannte Situation dürfe aber nicht die bestehenden Probleme verschleiern. "Die Unternehmen müssen den Strukturwandel in der Automobilindustrie bewältigen. Viel zu tun gibt es rund um Themen wie Verkehrsinfrastruktur, Digitalisierung und Bildung. Und auch die Handelsstreitigkeiten sind nicht vom Tisch. In diesen Fragen sind ebenfalls pragmatische Lösungen der Politik gefragt", mahnt Köhn.

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