Steuerliche Forschungsförderung: Wie funktioniert das neue Instrument?

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Zum 1. Januar 2020 ist das Forschungszulagengesetz in Kraft getreten. Wem die neue steuerliche Förderung nutzt, was Sie berücksichtigen müssen und wie der VDMA Sie bei dieser Förderform unterstützt, das erfahren Sie hier.

Mit der Verabschiedung des Forschungszulagengesetzes (FzulG) geht ein langer Kampf des VDMA um die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung in Deutschland zu Ende. Doch das Gesetz ist nur als ein erster Einstieg in diese Förderform zu sehen.


Instrument muss Praxis-Check bestehen

„Jetzt muss auch eine praxistaugliche und bürokratiearme Umsetzung gelingen“, unterstreicht Dr. Ralph Wiechers, Steuerabteilungsleiter des VDMA. „Dazu gehören zwingend ein geringer administrativer Aufwand, eine hohe Rechtssicherheit und eine Definition von Forschung und Entwicklung, die der Praxis auch im Maschinen- und Anlagenbau entspricht.“ Nur wenn dieses Instrument den industriellen Mittelstand bestmöglich erreiche, könnten zusätzliches Wachstum und Beschäftigung zu erzielen sein. „Vor diesem Hintergrund werden wir die Implementierung, die jetzt auf dem Fuße folgen muss, konstruktiv begleiten und kontinuierlich einem ‚Praxis-Check‘ unterziehen“, kündigte Wiechers an. „Das Instrument muss in den Unternehmen ankommen und handhabbar sein.“

 

Exklusiv für Mitglieder:
VDMA-Rechner ermöglicht erste Abschätzung der Fördersumme


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Mit der steuerlichen Forschungsförderung werden sich Forschung und Entwicklung in Zukunft noch mehr auszahlen – vorausgesetzt, entsprechende förderfähige Aufwendungen werden adäquat im Unternehmen erfasst. Unser VDMA-Rechner hilft Ihnen für eine erste Abschätzung der Fördersumme. Darüber hinaus gibt er Ihnen eine Orientierung darüber, wo Sie im Vergleich zu anderen Unternehmen stehen.

 

Wann greift die Förderung?

Gefördert werden FuE-Vorhaben, mit denen nach dem 31.12.2019 begonnen wird. Ein förderbares Vorhaben muss einer der drei Kategorien

  • Grundlagenforschung,
  • industrielle Forschung oder
  • experimentelle Entwicklung

zuzuordnen sein. Maßgeblich für die Definition von FuE ist die Verordnung (EU) Nr. 651/2014 der Kommission vom 17. Juni 2014. Dort werden die drei Kategorien beschrieben.

FuE ist als die Gesamtheit aller Aktivitäten der Grundlagenforschung, industriellen Forschung und experimentellen Entwicklung zu definieren, die notwendig sind, um von einer Innovationsidee zu umsetzungsreifen neuen Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen, einschließlich neuer Geschäftsmodelle oder Systeme, zu gelangen. Zu den umsetzungsreifen Ergebnissen von FuE zählen produktionsreife Prototypen, Demonstratoren, Pilotanlagen, Pilotprojekte oder Proof-of-Concept. FuE schließt dabei Tätigkeiten zur Konzeption, Planung und Dokumentation neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen sowie Durchführbarkeitsstudien mit ein. Der VDMA ist derzeit mit den Regierungsstellen im Gespräch um zu erreichen, dass für die Maschinenbaubranche praktikable Handreichungen entstehen.
 

Personalkosten und Auftragsforschung steuerlich absetzbar

Gefördert werden zum einen die Personalkosten, d.h. das in Deutschland lohnsteuerpflichtige Gehalt zuzüglich der Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung derjenigen Personen, die in geförderten FuE-Vorhaben tätig sind. Dabei können auch anteilige Personalkosten berücksichtigt werden, wenn der Mitarbeiter auch nicht förderbaren Tätigkeiten nachgeht.

Zum anderen wird auch die Auftragsforschung gefördert. Der Fördersatz ist mit 25 % hoch genug angesetzt, um eine Wirkung zu erzielen. Leider wurde aber die Bemessungsgrundlage auf 2 Mio. EUR begrenzt. Somit können maximal 500.000 EUR Förderung erreicht werden. Dies gilt bei verbundenen Unternehmen für den gesamten Unternehmensverbund.
 

„Die veranschlagte Fördersumme reicht im internationalen Innovationswettbewerb nicht aus.“

VDMA kritisiert Bemessungsgrundlage als zu gering

„Die veranschlagte Fördersumme reicht im internationalen Innovationswettbewerb nicht aus,“ betont Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer. Typische Maschinenbauunternehmen mit mehr als etwa 250 Mitarbeitern beginnen bereits, in die Deckelung zu laufen. Die Koalition hat dennoch an dem Betrag festgehalten, weil der Koalitionsvertrag nur eine Regelung für kleine und mittlere Unternehmen vorsieht und eine höhere Haushaltsbelastung, als die hier veranschlagten 1,1 Mrd. EUR, nicht mehrheitsfähig war.

Lange umstritten war der Umgang mit der Auftragsforschung. Hier hat der VDMA einen Erfolg erreichen können: Auftragsforschung wird, anders als in dem Regierungsentwurf vorgesehen, beim Auftraggeber gefördert. Das ist sachgerecht, weil der Auftraggeber Kosten und Risiko der Forschung und Entwicklung trägt. Zudem kann die Förderung von nicht steuerpflichtigen Universitäten/Instituten nicht beantragt werden. So wären viele Aufträge des Mittelstandes ganz aus der Förderung herausgefallen. Da im Auftragsvolumen auch Sachkosten enthalten sind, wird das Entgelt für den Forschungsauftrag nur zu 60% gefördert.

 

Nachweise fürs Finanzamt 

Um die Forschungszulage nach Ende des Wirtschaftsjahres beim Finanzamt beantragen zu können, ist eine Bescheinigung einzuholen, die bestätigt, dass es sich um förderbare FuE-Vorhaben handelt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung wird dazu geeignete Stellen berufen. Die Bescheinigung kann, um Rechtssicherheit zu erlagen, bereits vor Beginn des FuE-Vorhabens eingeholt werden. Es wird ein elektronisches Verfahren eingeführt, dass möglichst bürokratiearm ausgestaltet sein soll. Das Finanzamt erteilt dann letztendlich einen Bescheid über die Förderung und rechnet sie auf Einkommen- und Körperschaftsteuerzahlungen an. Auch eine Auszahlung im Verlustfall soll möglich sein.
 

VDMA-Infotage zur steuerlichen Forschungsförderung

Wie das neue Instrument funktioniert und was Sie berücksichtigen müssen, darüber werden wir Sie in diesem Jahr auch im Rahmen von unterschiedlichen Veranstaltungsformaten informieren. Erfahren Sie dort aus erster Hand, wie Sie mit nationalen und europäischen Forschungsförderprogrammen Ihre Innovationsprojekte vorantreiben können und profitieren Sie vom Austausch mit den Experten und dem branchenübergreifenden Netzwerk des VDMA. Folgende Termine sind gemeinsam mit unseren Landesverbänden in Planung:

01.04.2020 in Hamburg
Kontakt: Alexandra Dreyer
E-Mail: Alexandra.Dreyer@vdma.org

01.09.2020 in Dortmund
Kontakt: Nirugaa Natkunarajah
E-Mail: Nirugaa.Natkunarajah@vdma.org

01.12.2020 in Frankfurt
Kontakt: Dr. Nora Lauterbach
E-Mail: Nora.Lauterbach@vdma.org

 

Ihre Ansprechpartner:

Ulrich Meißner
VDMA
Steuern
Telefon +49 69 6603-1391
E-Mail ulrich.meissner@vdma.org

Annette Meyerhoff
VDMA
Volkswirtschaft und Statistik
Telefon +49 69 6606-1382
E-Mail annette.meyerhoff@vdma.org

Stefan Roeger
VDMA
Forschungspolitische Interessenvertretung
Telefon +49 30 30 69 46-13
E-Mail stefan.roeger@vdma.org

Dr.-Ing. Beate Stahl
VDMA
Forschung
Telefon +49 69 6603-1295
E-Mail beate.stahl@vdma.org

Weitere Links

▶︎  Forschungszulagengesetz tritt zum 1.1.2020 in Kraft

Am 29. November 2019 hat der Bundesrat dem Forschungszulagengesetz zugestimmt. Damit kann die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung endlich auch in Deutschland eingeführt werden.

 

Exklusiv für VDMA-Mitglieder: Der VDMA-Rechner zur steuerlichen Forschungsförderung hilft Ihnen für eine erste Abschätzung der Fördersumme und zeigt Ihnen, wo Sie im Vergleich zu anderen Unternehmen stehen.

 

▶︎   Steuerliche Forschungsförderung: wichtige Wegmarke deutscher Innovationspolitik

Die Einführung der steuerlichen Forschungsförderung markiert eine wichtige Wegmarke deutscher Innovationspolitik. Jetzt muss eine praxistaugliche und bürokratiearme Umsetzung gelingen.