Made ING Germany - Innovationen in der Ingenieurausbildung

Thomas Gessner / Marc Wittenborn

Fast 200.000 Ingenieurinnen und Ingenieure sind im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt – ein neuer Rekord. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, muss sich der digitale Zeitenwechsel auch in der Ingenieurausbildung widerspiegeln. Curricula und Lehrmethoden müssen weiterentwickelt werden. Ein gemeinsames ingenieurwissenschaftliches Grundlagenstudium könnte die Vernetzung in der Lehre verbessern.

Maschinen- und Anlagenbau ist wichtigster Ingenieurarbeitgeber

Der Maschinen- und Anlagenbau ist weiter auf Rekordkurs bei der Ingenieurbeschäftigung. Das zeigt die neue VDMA-Ingenieurerhebung, die alle drei Jahre durchgeführt wird. Demnach ist die Zahl der Ingenieurinnen und Ingenieure im Maschinenbau weiter gestiegen, auf 199.800 im Jahr 2019. Auch der Ingenieuranteil, gemessen an der Zahl der Beschäftigten, hat erneut zugenommen und beträgt jetzt 17,1 Prozent. Dies ist der höchste absolute und anteilige Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 1955.


 

Für Industrie 4.0 verstärkt IT-Zusatzqualifikationen gesucht
Die Ingenieurerhebung zeigt auch, dass sich die Zahl der Unternehmen, die geeignete Fachkräfte zum Thema Industrie 4.0 suchen, seit 2016 auf 30 Prozent verdoppelt. Dieser Trend wird sich nach Erkenntnissen des VDMA fortsetzen. In Zukunft werden verstärkt Ingenieurinnen und Ingenieure mit Zusatzqualifikationen aus angrenzenden Fachgebieten gesucht, wie etwa Maschinenbau- und Elektroingenieure mit IT-Zusatzqualifikationen. 66 Prozent der Unternehmen suchen in Zusammenhang mit Industrie 4.0 vor allem Informatiker.

Ingenieurausbildung muss sich für Industrie 4.0 weiterentwickeln

Durch Industrie 4.0 wandeln sich die Anforderungen der Unternehmen an die Kompetenzprofile ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit stellen sich neue Herausforderungen für die Ingenieurausbildung an den Hochschulen. Curricula und Lehrmethoden müssen für Industrie 4.0 weiterentwickelt werden.

Johann Soder, COO bei SEW Eurodrive, spricht über die Anforderungen an Absolventinnen und Absolventen der Ingenieurwissenschaften auf der VDMA-VDI-Tagung "Industrie 4.0 - Herausforderungen und Wege in der Ausbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren":

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Erweiterte fachliche Grundlagen: Informatik, Data Science und Datensicherheit
Die Studie "Ingenieurinnen und Ingenieure für Industrie 4.0" der IMPULS-Stiftung des VDMA legt erstmals ein "Soll-Profil Ingenieurinnen und Ingenieure 4.0" aus der Perspektive der Maschinenbau-Industrie vor. Das Profil, das auf der Basis von qualitativen Interviews und einer quantitativen Online-Befragung von 224 Unternehmen beruht, umfasst die folgenden Kompetenzbereiche: 

  1. fachliche Grundlagen in einer Ingenieurdisziplin
  2. methodische Kompetenzen, insbesondere Prozess- und Systemdenken 
  3. übergreifende fachliche Grundlagen, z.B. in Informatik und Data Science im Studiengang Maschinenbau 
  4. Kontextwissen, d.h. Wissen über Gegebenheiten, Anforderungen und Perspektiven in anderen Unternehmensbereichen und Disziplinen 
  5. überfachliche Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Selbstständigkeit, Eigenmotivation und Kommunikationsfähigkeit

 

Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer © VDMA

Curricula müssen rasch an technologischen Fortschritt angepasst werden
Zudem gibt die Studie eine Innensicht in Bezug auf den Stand an den Hochschulen. Sie zeigt, dass die Hochschulen mit dem technischen Fortschritt gehen und ihre Curricula rasch anpassen müssen. Die Studie zeigt zwar, dass sich im Zusammenhang der Anpassung der Ingenieurausbildung an Industrie 4.0 bereits erste zielführende Ansätze finden. Dennoch stehen die Hochschulen vielfach noch am Anfang einer notwendigen Entwicklung. Insbesondere die Integration neuer fachlicher Inhalte stellt eine große Herausforderung dar. Ein stark fachbezogenes Denken sowie administrative Hürden erschweren zudem die fakultäts- und fachbereichsübergreifende Studienorganisation. Deshalb sollte die Vernetzung, vor allem auch in der Lehre, besser werden. Die Studie empfiehlt hierzu die Einführung eines zweisemestrigen gemeinsamen ingenieurwissenschaftlichen Grundlagenstudiums.

Ready for Industrie 4.0? Online-Kompetenzcheck zeigt Nachholbedarf bei Industrie 4.0-Qualifikationen

Die Auswertung des Online-Kompetenzchecks, der begleitend zur Studie entwickelt wurde, zeigt, dass beim Thema Industrie 4.0 noch Nachholbedarf besteht. In dem Online-Tool können Studierende, Beschäftigte und Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau ihre Kompetenzen im Bereich Industrie 4.0 testen.

(c) Shutterstock

Wie fit sind Sie für Industrie 4.0?

Prüfen Sie selbst, wie es um Ihre Kompetenzen im Bereich Industrie 4.0 bestellt ist.

Hier geht es zum Online-Check

Die Auswertung von 1700 Fragebögen zeigt, dass Studierende, Beschäftigte und Unternehmen darin übereinstimmen, dass beim Spezialwissen rund um Industrie 4.0 Defizite bestehen – diese werden teilweise sogar als sehr groß wahrgenommen. 

Beim wichtigen Thema „Daten, IT-Sicherheit und Datenschutz“ sehen alle drei Gruppen Nachholbedarf, vor allem aber die Studierenden. Grundlagenkenntnisse in ingenieurwissenschaftlicher Mathematik, technischer Mechanik und Konstruktionslehre werden jedoch als gut eingeschätzt. Am besten bewerten alle Gruppen ihre Kenntnisse und Kompetenzen im Bereich „überfachliche Qualifikationen“.

Hier geht es zur Auswertung des Online-Kompetenzchecks

VDMA-Initiative "Maschinenhaus - Plattform für innovative Lehre" unterstützt bei Change-Prozessen

Die Studienergebnisse nutzt der VDMA, um die Hochschulen bei der Weiterentwicklung der Lehre in der Ingenieurausbildung zu unterstützen. Die Maschinenhaus-Initiative setzt sich für eine zukunftsfähige Hochschulausbildung und mehr Studienerfolg in den Disziplinen des Maschinenbaus, der Elektrotechnik und der Informatik ein. Dabei versteht sich das Maschinenhaus als "Plattform für innovative Lehre", die Akteure aus Hochschulen, Politik und Unternehmen miteinander vernetzt. Damit soll den hohen Studienabbruchquoten in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen entgegengewirkt und ein qualitativ hochwertiges Ingenieurstudium sichergestellt werden.

Weiterführende Informationen und Links

Aktuelles aus dem Maschinenhaus: bildung.vdma.org/hochschule 

Download der PDF-Version "Made ING Germany"

Maschinenhaus-Toolbox:
Praxisorientierte Sammlung an Hinweisen, Materialien und Good-Practice-Beispielen für die Lehre in den Ingenieurwissenschaften sowie ein Überblick über alle Transferprojekte: maschinenhaus-toolbox