Frankreich: Deutscher Maschinenbau profitiert

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Macrons Reformpolitik trägt Früchte, wie zum Beispiel die Unternehmensinvestitionen zeigen.

Mit Blick auf die aktuellen gesamtwirtschaftlichen Wachstumszahlen bekommt Frankreich derzeit viel Anerkennung: Nach den Prognosen der EU-Kommission dürfte Frankreichs Wirtschaft 2019 mit einer Rate von 1,2 Prozent etwa doppelt so stark gewachsen sein wie Deutschland. Dennoch blieb der Zuwachs sowohl 2018 als auch 2019 unter dem EU-Durchschnitt. Der seit 5. Dezember anhaltende Dauerstreik im öffentlichen Nachverkehr in Paris sowie im Fernverkehr ist allerdings eine starke Belastungsprobe für Macrons Reformkurs. In seiner Neujahrsansprache betonte der Präsident, dass er dennoch daran festhält.

 

Die Investitionen in Ausrüstungsgüter zeigen sich in Frankreich seit dem dritten Quartal 2017 im Vergleich zum Vorjahresquartal positiv. Seit dem ersten Quartal 2019 ist der Anstieg mit jeweils fast 4 Prozent wesentlich dynamischer als im EU-Durchschnitt. Die rege Investitionstätigkeit ist möglich, da die Unternehmen durch die Umwandlung einer nachträglichen Steuergutschrift in eine Steuersenkung 2019 mehr Finanzmittel zur Verfügung hatten. Für Investitionen, die im Zeitraum Anfang 2019 bis Ende 2020 getätigt werden, können Sonderabschreibungen von bis zu 40 Prozent des Anschaffungswerts getätigt werden. Dadurch könnte sich die positive Entwicklung fortsetzen. Darüber hinaus ermöglichen verminderte Sozialabgaben den Unternehmen einen größeren finanziellen Spielraum für Investitionen.

Die deutschen Maschinenbauer profitierten von der Investitionslaune im Nachbarland Frankreich überdurchschnittlich. In den ersten zehn Monaten wurden 6,5 Prozent mehr Maschinen und Anlagen nach Frankreich exportiert. Neben Erzeugnissen der Landtechnik haben Fördertechnik, Antriebstechnik, Baumaschinen und Baustoffanlagen sowie Allgemeine Lufttechnik traditionell die größten Gewichte innerhalb der deutschen Maschinenexporte.

Die Maschinenindustrie konnte 2019 am Standort Frankreich zunächst Minusraten in der Produktion vermeiden, da die inländische Nachfrage das schwache Auslandsgeschäft ausglich. Im Oktober verfehlte der Produktionsausstoß den Vorjahresmonat jedoch um fast ein Zehntel, wodurch das Ergebnis für die ersten zehn Monate insgesamt um ein Prozent unter dem des Vorjahres lag. Mit dieser Minusrate fällt der Rückgang milder als am Standort Deutschland aus.

Die französischen Industrieunternehmen sind vergleichsweise gut gelaunt. Der Einkaufsmanagerindex im verarbeitenden Gewerbe lag im Dezember leicht über dem Wachstumsschwellwert bei 50,4, während sich für die Europäische Union ein Durchschnittswert von 46,4 ergab. Der Saldowert der Geschäftsklimaumfrage in der Industrie liegt zwar auch in Frankreich im negativen Bereich, er ist mit minus 4,4 Prozent aber nur halb so negativ wie im EU-Durchschnitt. Die vergleichsweise gute Stimmung dürfte auch darin begründet sein, dass die Regierung trotz sozialer Proteste an ihrem Reformkurs festhält.

Sowohl 2019 als auch 2020 dürfte der Maschinenumsatz am Standort Frankreich preisbereinigt um jeweils 1 Prozent wachsen. Eine Branchenentwicklung, die deutlich positiver als im EU-Durchschnitt wäre, wo in beiden Jahren ein Rückgang von jeweils 1 Prozent erwartet wird.