Indische Wirtschaft hat erneut an Fahrt verloren

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Das indische Bruttoinlandsprodukt konnte im zweiten Quartal lediglich um 5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen.

Zum Vergleich: Noch vor einem Jahr wuchs die indische Wirtschaft um knapp 8 Prozent. Die Verschuldung steigt stark an und der Stress im Finanzsektor ist noch immer gegeben. Zudem ist der fiskalische Spielraum der indischen Regierung stark eingeschränkt, große Konjunkturpakete können also nicht geschnürt werden.

Die Maschinenbauer in Indien sind viel pessimistischer als noch vor sechs Monaten. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen VDMA-Geschäftsklimaumfrage. Rund 50 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihr aktueller Auftragsbestand unter dem Durschnitt liegt. Ab dem zweiten Quartal 2020 soll sich die Geschäftslage jedoch nach Einschätzung der Teilnehmer leicht verbessern: Etwa 30 Prozent der Befragten erwarten eine Verbesserung ihrer Situation in den nächsten sechs Monaten, während nur 13 Prozent eine Verschlechterung erwarten.

Seit einigen Jahren fallen die Investitionen im verarbeitenden Gewerbe und besonders deutlich gehen die Investitionen in Infrastruktur - gemessen als Anteil der gesamten Wirtschaftsleistung - zurück. Hinzu kommen nun auch noch wesentlich schwächer steigende Konsumausgaben. Im zweiten Quartal 2019 sind diese nur um knapp 3 Prozent gestiegen. Das trifft natürlich die Konsumgüter, allen voran PKW. Der Absatzrückgang von Autos wird 2019 wahrscheinlich bei über 10 Prozent liegen. Diese Entwicklung geht nicht an den Maschinenbauern vorbei, deren größter Kunde der Automobilsektor ist. Folgende Branchen trifft dieser Absatzrückgang besonders: Werkzeugmaschinen, Präzisionswerkzeuge, Elektrische Automation, Antriebstechnik sowie Robotics und Automation. Dass sich das Geschäftsklima vor allem in diesen Branchen im Vergleich zur VDMA-Frühjahrsumfrage deutlich verschlechtert hat, ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich.

Von dem US-chinesischen Handelskonflikt und der Abwanderung von Unternehmen aus China kann Indien noch nicht profitieren. Chinas Anteil an den gesamten Textilexporten in die Welt schrumpft, während Indiens Anteil nahezu stagniert. Es sind vor allem Vietnam und Bangladesch, die nun anteilig wesentlich mehr in die Welt exportieren. Das spüren auch die Textilmaschinenhersteller in Indien. Das Geschäftsklima der VDMA-Mitglieder vor Ort hat sich in dieser Branche gegenüber dem Frühjahr 2019 erneut verschlechtert.

Die Vision „Make in India“ verfolgt das Ziel, das indische Wachstum exportorientierter zu gestalten. Zudem möchte das Land dadurch unabhängiger von Importen werden. Um die Wirtschaft anzukurbeln, hat die Regierung die Unternehmenssteuer im verarbeitenden Gewerbe von 30 Prozent auf 22 Prozent gesenkt und einen Steuersatz von 15 Prozent für neue Unternehmen eingeführt. Damit ist Indien steuerlich wettbewerbsfähiger als das benachbarte Bangladesch und liegt fast auf Augenhöhe mit Vietnam und Thailand. Um gestärkt aus der wirtschaftlichen Misere herauszukommen, müssen jedoch dringend weitere Reformen angestoßen werden.

 

Im Anhang finden Sie die Ergebnisse der Konjunkturumfrage. Zögern Sie nicht, uns bei Fragen direkt zu kontaktieren. Wir helfen Ihnen gerne weiter.

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