Deutschland - Tschechien: Intensive Verflechtungen

Die deutsche Maschinenausfuhr nach Tschechien entwickelte sich bis zum ersten Quartal 2019 solide. Im zweiten Quartal zeigten sich mit einem Rückgang von 4 Prozent jedoch deutliche Bremsspuren im Exportgeschäft. Eine analoge Entwicklung weist die deutsche Maschineneinfuhr aus Tschechien auf.

Wichtiger Beschaffungsmarkt

In beiden Lieferströmen haben die Teile- und Komponentenlieferungen ein hohes Gewicht. Im Export hatten diese im vergangenen Jahr einen Anteil von 55 Prozent. Beim Import betrug er sogar 68 Prozent. Erzeugnisse der Allgemeinen Lufttechnik sowie Antriebstechnik sind jeweils auf den vorderen Plätzen. Unter den zentralosteuropäischen Mitgliedsstaaten der EU ist Tschechien für Deutschland im Maschinenbau immer noch der wichtigste Teile- und Komponentenhersteller, gefolgt von Polen und Ungarn.

 

 

Bremsspuren im Warenaustausch

Der tschechische Maschinenbau ist ausgesprochen stark auf die EU ausgerichtet: Rund 78 Prozent der tschechischen Maschinenexporte werden in ein EU-Partnerland geliefert. In der Gegenrichtung stammen 81 Prozent des Importvolumens aus der EU. Aus tschechischer Sicht ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelspartner, denn rund ein Drittel der gesamten Maschinenausfuhr wird nach Deutschland exportiert. In den Jahren 2017 und 2018 wuchsen die tschechischen Lieferungen jeweils zweistellig. Mit Sorge werden 2019 die niedrigen Wachstumsprognosen für Deutschland und das negative Neugeschäft in wichtigen deutschen Industriebranchen wahrgenommen. Während im ersten Quartal 2019 die tschechischen Maschinenlieferungen nach Deutschland noch um fast 7 Prozent zulegten, wuchsen sie im zweiten Quartal nur noch bescheiden mit 2 Prozent gegenüber der gleichen Vorjahresperiode. Für den bilateralen Warenaustausch stehen die Zeichen weiter auf Verlangsamung, zumal die zweite Jahreshälfte 2018 den Höhepunkt im vergangenen Konjunkturzyklus darstellte. Die gesicherte Produktionsdauer sank im tschechischen Maschinenbau von 5,2 Monate im Januar 2019 auf 3,1 Monate im Oktober 2019.

Da ist es auch nicht überraschend, dass die Stimmung in den Maschinenbau-Unternehmen in Tschechien derzeit schlecht ist. Das nachfolgende Schaubild macht zudem deutlich, dass die Unternehmen am Standort Tschechien ihre Geschäftssituation derzeit noch pessimistischer beurteilen als die Unternehmen am Standort Deutschland.

 

 

Fachkräfte- und Auftragsmangel

Wie in allen EU-Ländern sind auch in Tschechien Fachkräfte weiter ein Engpassfaktor. Trotz einer nachlassenden Nachfrage und der rückläufigen Kapazitätsauslastung klagten im Oktober 2019 immer noch 37 Prozent der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe über einen Fachkräftemangel. Im Maschinenbau lag der Prozentsatz mit 75 Prozent gut doppelt so hoch. Noch höhere Prozentsätze ergaben sich allerdings jeweils bei der Frage bezüglich dem Auftragsmangel.

Innerhalb des tschechischen verarbeitenden Gewerbes ist der Maschinenbau gemessen an Beschäftigung, Umsatz und Wertschöpfung der zweitwichtigste Wirtschaftszweig. Nur die Automobilindustrie ist noch bedeutender.

Der Investitionsbestand Deutschlands im tschechischen Maschinenbau erreichte 2017 mit 769 Millionen Euro einen neuen Höchststand. Seit 2015 ist Tschechien das dreizehntwichtigste Zielland deutscher Investoren. Die statistischen Daten sowie weitere Informationen zum Thema Auslandsinvestitionen finden Sie hier.

 

Detaillierte Monats- und Jahresdaten zum bilateralen Warenaustausch können VDMA-Mitgliedsunternehmen in der VDMA-Statistikdatenbank abrufen. Und zwar in den Modulen: Maschinenaußenhandel (Jahreswerte) und Deutscher und EU-Maschinenaußenhandel (Monatswerte).

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