Datenethik muss für die Industrie praxistauglich sein

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Gleichbehandlung von B2B und B2C nicht zielführend, VDMA fordert Vermeidung von noch mehr Bürokratie, Perspektive für KI-Binnenmarkt in Europa

Der VDMA kritisiert den Bericht der Datenethikkommission der Bundesregierung in einigen Punkten. Das Papier erkennt zwar die Chancen des Einsatzes von algorithmischen Systemen zur Stärkung der digitalen Souveränität in Deutschland. Jedoch sieht der VDMA im Bericht der Datenethikkommission zu viele Regulierungen.

„Überbordende Regulierungen blockieren die technologischen Innovationen sowie eine dynamische Marktentwicklung, das darf nicht passieren“, sagt

Prof. Claus Oetter, Geschäftsführer VDMA Software und Digitalisierung.
„Datenethik ist wichtig, doch sie muss für die Industrie praxistauglich sein und darf keine voreiligen Grenzen ziehen. Nur dann kann Künstliche Intelligenz einen wichtigen Beitrag zu einer fortschrittlichen technologischen Entwicklung leisten“, betont Oetter.

Keine Gleichbehandlung von B2B und B2C

Der Bericht der Datenethikkommission betrachtet Chancen und Risiken vielfach aus Sicht des Endverbrauchers. Dadurch könnte es zu nicht akzeptablen Zugriffsrechten gegenüber Unternehmen, etwa die Offenlegung von Algorithmen und Daten in bestimmen Fällen kommen.

„Eine Gleichbehandlung von B2C und B2B ist nicht zielführend. Insbesondere die Industrie braucht eigene Regelungen, die dem B2B-Bereich mit seinen spezifischen Anforderungen gerecht werden. Regulierungsansätze, die im Konsumenten-Bereich Anwendung finden, sind in diesem Fall nicht praxistauglich“, sagt Oetter. Diesen Unterschied gilt es gerade bei der Einstufung von KI-Anwendungen anhand von Risikopotentialen zu berücksichtigen.

Bürokratie vermeiden

Das Potential von KI für die Wirtschaft ist enorm. Beim richtigen Einsatz ist Künstliche Intelligenz ein entscheidender Baustein, um die Position deutscher Unternehmen als Innovatoren und Weltmarktführer zu festigen.

Deshalb ist es für die Umsetzung von Ethik in der Künstlichen Intelligenz erforderlich, keine neue Überwachungsbehörde zu schaffen, sondern auf bereits bestehenden Strukturen und Institutionen aufzubauen. Viele Anforderungen können bereits durch bestehende Instrumente wie die Produktsicherheitsrichtlinie oder auch die DSGVO abgebildet werden „Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb benötigen die Unternehmen Spielraum, vertragliche Rechte zu Datenzugang und Datennutzung frei zu definieren. Starre Vorgaben sind ein Hemmschuh der Zukunft verbaut“, ergänzt Oetter.

KI-Binnenmarkt in Europa

Grundsätzlich sieht der VDMA die Notwendigkeit für einen KI-Binnenmarkt in Europa. Die Berichte der Datenethikkommission der Bundesregierung sowie der High-Level Expert Group on Artificial Intelligence der Europäischen Kommission, sind hierzu wichtige Impulse. „Deutschland und Europa haben gute Karten im Wettbewerb um eine führende KI-Rolle in der Welt. Ein europäischer KI-Binnenmarkt ist vor diesem Hintergrund eine sinnvolle Perspektive und frühzeitig zu gestalten, denn die Zukunft beginnt jetzt.“

 

Haben Sie weitere Fragen? Prof. Claus Oetter, Geschäftsführer VDMA Software und Digitalisierung, Telefon +49 69 6603-1667, E-Mail claus.oetter@vdma.org, beantwortet sie gern.

 

 

Über den VDMA Software und Digitalisierung

Der VDMA Software und Digitalisierung vertritt am Markt erfolgreiche Software-Hersteller sowie Entwicklungs-Abteilungen namhafter Maschinenbauer. In dem Fachverband sind mehr als 400 Mitglieder vertreten. Damit verfügt der Fachverband Software und Digitalisierung über das Know-how, das er gewinnbringend für alle anderen VDMA Fachverbände einbringen kann. Der Fachverband hat das Ziel, den Maschinenbau mit Software und Digitalisierung zusammenzubringen. Themenfelder wie Plattformökonomie, Machine Learning, Enterprise Resource Planning, Customer Relationship Management oder Produktentwicklung werden vom Fachverband Software und Digitalisierung betrachtet. https://sud.vdma.org/

 

Der VDMA vertritt mehr als 3200 Unternehmen des mittelständisch geprägten Maschinen- und Anlagenbaus. Mit gut 1,35 Millionen Erwerbstätigen im Inland und einem Umsatz von 232,5 Milliarden Euro (2018) ist die Branche größter industrieller Arbeitgeber und einer der führenden deutschen Industriezweige insgesamt.