Deutschland braucht ein Schulfach Technik

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Eine aktuelle VDMA-Untersuchung zeigt: Die überwiegende Mehrheit der jungen Leute kann die Schule abschließen, ohne je mit ausgewiesener Technikbildung in Berührung zu kommen. Das kann sich die Techniknation Deutschland eigentlich nicht leisten.

Technische Innovationen sind die entscheidende Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg und den Wohlstand in Deutschland. Allein im deutschen Maschinen- und Anlagenbau arbeiten heute mehr als 1,3 Mio. Menschen. Um immer wieder technische Innovationen hervorzubringen, brauchen wir gut ausgebildete Fachleute. Durch die demografische Entwicklung – weniger junge, mehr ältere Menschen – steuern Deutschland allerdings auf ein Fachkräfte-Problem zu.  Darüber hinaus durchdringt Technik, insbesondere durch die Digitalisierung, heute alle Lebensbereiche. Herausforderungen wie der Klimawandel, die zunehmende Weltbevölkerung oder die Energiefrage sind ohne technische Lösungen nicht zu meistern. Technik geht uns alle an.

Doch junge Menschen beschäftigen sich in ihrer Freizeit kaum noch mit technischen Fragestellungen. Vorbei ist die Zeit, in der sie zu Hause am Moped rumgeschraubt oder ein Radio auseinandergenommen und wieder zusammengebaut haben. Jugendliche bedienen heute Computer, Smartphone oder E-Roller selbstverständlich, aber wie die Technik dahinter funktioniert, wissen die wenigsten.

Diese Entwicklung macht den Maschinen- und Anlagenbauern zu schaffen. Immer mehr ausbildende Unternehmen haben Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Viele Betriebe vermelden einen deutlichen Rückgang bei den Bewerbungen. Und sie bemängeln - neben Wissenslücken in Mathematik – vor allem fehlendes Technikverständnis bei den Jugendlichen.

Der Grundstein für die Faszination und das Verständnis von Technik wird spätestens in der Schule gelegt. Eine umfangreiche Analyse der Lehrpläne an allgemeinbildenden Schulen, die der VDMA in allen Bundesländern durchgeführt hat, zeigt jedoch: Die überwiegende Mehrheit der jungen Leute kann die Schule abschließen, ohne je mit ausgewiesener Technikbildung in Berührung zu kommen. Lediglich 10 Bundesländer bieten ein eigenständiges Fach Technik, fast alle nur im Wahlpflichtbereich. Noch bemerkenswerter ist die Situation an den Gymnasien – nur 3 Bundesländer sehen hier Technikunterricht in einem eigenen Fach vor, keines davon im Pflichtbereich. Für eine Techniknation wie Deutschland ist das mehr als ernüchternd.

Wir sollten den Anspruch haben, dass alle Schülerinnen und Schüler die Schule mit einem Mindestmaß an technischer Kompetenz verlassen. In einem guten Technikunterricht lernen Schülerinnen und Schüler zu kreieren, zu planen, zu bauen und anzuwenden. Kreativität und Handlungskompetenz und Spaß an der Problemlösung werden gefördert. Er fördert interdisziplinäres Denken, Teamarbeit, führt zu Technikmündigkeit und erschließt berufliche Perspektiven. Nicht zuletzt hilft frühe Technikbildung dabei, geschlechterspezifische Vorurteile abzubauen.

Oft sollen Lehrkräfte der Naturwissenschaften in ihrem Fach technische Inhalte unterrichten, obwohl sie dafür an den Hochschulen nicht ausgebildet wurden. Doch Technikunterricht unterscheidet sich grundlegend von dem der Naturwissenschaften. Physik, Chemie und Biologie befassen sich vor allem mit den Gesetzmäßigkeiten der Natur. Technikunterricht dagegen vermittelt vor allem technische Handlungskompetenz. Wer Physik oder Biologie auf Lehramt studiert hat, ist noch lange nicht dazu befähigt, Technik-Kompetenzen, wie Erfinden, Konstruieren und Fertigen zu vermitteln.

Aus diesem Grund fordert der VDMA ein eigenständiges Schulfach Technik in allen weiterführenden Schulen - mit eigenen Curricula, eigener Didaktik und einer entsprechenden Ausbildung der Lehrkräfte an den Hochschulen. 

Die gesamte Untersuchung, die Ergebnisse der einzelnen Bundesländer sowie weitere nützliche Informationen finden Sie auf bildung.vdma.org/technikunterricht