Routinerevisionen am Beispiel Produktionsindex

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Bei der Veröffentlichung von Daten muss die amtliche Statistik zwei Qualitätsanforderungen erfüllen und steht dabei vor einem Zielkonflikt: Die Daten sollen möglichst aktuell sein und eine hohe Genauigkeit aufweisen.

Um möglichst aktuelle Daten bereitzustellen, veröffentlichen Statistikämter oder andere datenerhebende Institutionen zunächst vorläufige, mit Unsicherheiten behaftete Werte auf einer unvollständigen Datenbasis. Die Vorteile, die durch Möglichkeit einer zeitnahen Verwendung dieser Daten entstehen, überwiegen die Nachteile, die aufgrund der Restunsicherheit bestehen. Voraussetzung ist, dass fehlende Werte hinreichend genau geschätzt werden können, um eine Validität zu erzielen.

Sobald die Datenbasis im Zeitverlauf erweitert oder vervollständigt wurde, werden vorläufige Ergebnisse in einer Revision durch qualitative höherwertige Ergebnisse ersetzt. Mehrere Revisionen sind je nach Statistik durchaus üblich: Die veröffentlichende Institution wägt ab, ob der (ggfls. lediglich marginale) Informationsgewinn durch eine Verbesserung der Datenlage den Mehraufwand, der durch Aktualisierung der Daten bei den Nutzern entsteht, rechtfertigt. Nach einer abschließenden Revision werden vorläufige durch endgültige Werte ersetzt.

Routinemäßige Revisionen finden regelmäßig zu vorher festgelegten Zeitpunkten statt und werden vorher angekündigt. Sie betreffen üblicherweise nur Daten am aktuellen Rand und sind in den Prozessen der Statistikproduktion fest verankert. Gründe für routinemäßige Revisionen können die Vervollständigung oder die Richtigstellung bereits eingegangener Meldungen sein.

Beispiel: Routinemäßige Revision Produktionsindex

Der Produktionsindex misst die monatliche Leistung des Produzierenden Gewerbes in Deutschland. Er ist auf Grund seiner Periodizität, seiner schnellen Verfügbarkeit (38 Tage nach Ende eines Berichtsmonats) und der tiefen Untergliederung nach Wirtschaftszweigen ein zentraler und aktueller Indikator für die konjunkturelle Entwicklung. Der vorläufige Wert enthält ca. 10 % Schätzungen, die auf Vormonatswerten basieren. Zudem wird der voraussichtliche Korrekturbedarf in die Berechnung der vorläufigen Ergebnisse integriert. Vier Wochen später erfolgt, unter anderem auf Grundlage nachträglich eingegangener Produktionsmeldungen, die Berechnung der berichtigten Produktionsindizes. Diese werden mit den vorläufigen Indizes des Folgemonats veröffentlicht. Nach Vorliegen der Ergebnisse der Vierteljährlichen Produktionserhebung werden die monatlichen Indizes jeweils bis zum aktuellen Rand revidiert. Nach Abschluss des 4. Quartals der Produktionserhebung wird eine Jahreskorrektur der Indizes durchgeführt.

Besonderheit: Routinemäßige Revisionen saisonbereinigter Werte, Produktionsindex

Das Statistische Bundesamt erstellt aus dem monatlich berechneten Produktionsindex für das Verarbeitende Gewerbe eine Zeitreihe und führt eine Saisonbereinigung durch. Nach einem Monat wird der letzte Wert der Zeitreihe revidiert und die Zeitreihe um den Indexwert für den neuen Monat verlängert. Beide Sachverhalte führen jeweils grundsätzlich dazu, dass bei der neuerlichen Saisonbereinigung der Reihe verfahrensbedingt auch saisonbereinigte Werte für weiter zurückliegende Monate revidiert werden. Dies liegt daran, dass die neuen Reihenwerte unter anderem auch die Einschätzung von saisonalen Gegebenheiten in den entsprechenden Vorjahresmonaten beeinflussen.

Neben routinemäßigen Revisionen gibt es auch methodenwechselbedingte und außerplanmäßige Revisionen.

Quelle: Statistisches Bundesamt.