Individuelle Mobilität braucht mehr als batteriegetriebene Elektrofahrzeuge

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Für den Klimaschutz im Verkehrssektor setzt die Politik fast ausschließlich auf Elektromobilität. Doch die CO2-Vermeidungskosten der batteriegetriebenen Elektrofahrzeuge sind viel zu hoch.

Zur Diskussion um die Elektromobilität in Deutschland erklärt VDMA-Präsident Carl Martin Welcker:
 
„Vor dem Hintergrund der gigantischen Kosten für einen CO₂-neutralen Gesellschaftsumbau entsprechend der Pariser Klimakonvention ist der effiziente Mitteleinsatz unverzichtbar. Der deutsche Maschinenbau wird weltweit die Technologie zur Erreichung der Klimaschutzziele liefern. Dabei ist jetzt schon ersichtlich, dass die vollständige Treibhausgas-Vermeidung sehr teuer wird. Umso mehr gilt es, grenz- und sektorüberschreitend zu denken und unsere Gelder dort zu investieren, wo wir für den eingesetzten Euro die höchsten CO₂-Einsparungen erreichen.

"Es gilt, grenz- und sektorüberschreitend zu denken und unsere Gelder dort zu investieren, wo wir für den eingesetzten Euro die höchsten CO₂-Einsparungen erreichen."

Im Verkehrssektor, insbesondere im PKW-Bereich, liegen die Vermeidungs-kosten für eine Tonne CO₂ – je nach Berechnungsmethodik – im günstigsten Fall bei 500 Euro, realistisch bei circa 1500 Euro pro Tonne. Insgesamt lassen sich in Deutschland maximal 100 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr auf diese Weise einsparen, allerdings wird dieses Ziel selbst bei radikaler Einführung von Elektrofahrzeugen wegen der durchschnittlichen Lebensdauer der Fahrzeuge frühestens 2030 erreicht. Zum Vergleich: Bei der Modernisierung von Zementwerken oder bei der Vermeidung von Treibhausgasen in Mülldeponien sind bei Preisen von 2 - 20 Euro je CO₂-Tonne kurz- bis mittelfristig mehr als 1 Milliarde Tonnen CO₂ einsparbar. Somit spricht volkswirt-schaftlich, ökonomisch und ökologisch wenig für das schnelle Einführen von batterieelektrisch betriebenen Fahrzeugen, zumal deren Preise deutlich zu hoch, die Ladeinfrastruktur bestenfalls mangelhaft, die Reichweiten zu kurz, die Tankzeiten zu lang und der ökonomische Nutzen mit Blick auf den Wegfall Hunderttausender von Arbeitsplätzen und den Strommix zweifelhaft ist.

Hinzu kommt das technologische Risiko. Die Lithium-Ionen-Batterie ist nicht nur wegen ihres hohen Gewichts, ihrer geringen Leistungsdichte und ihrer ökolo-gischen Unverträglichkeit, sondern vor allem wegen des Verbrauchs seltener Rohstoffe eine Übergangstechnologie. Die humanitären Bedingungen und der hohe Energieaufwand beim Abbau Seltener Erden, Lithium, Kobalt und Mangan erschweren die gesellschaftliche Akzeptanz von E Fahrzeugen zusätzlich.

Zusammengefasst sind Elektrofahrzeuge heute und absehbar in den nächsten fünf Jahren weder preislich noch technologisch oder ökologisch wettbewerbsfähig, weswegen sie nur mit extrem hohen Subventionen oder durch Zwangsmaßnahmen (Fahrverbote für Dieselfahrzeuge) dem durchaus kundigen Käufer schmackhaft gemacht werden können. Entsprechend sind auch die ab 2021 verabredeten Strafzahlungen bei Verfehlung der 95 g-pro-Kilometer-Ziele unsinnig. Vielmehr besteht die große Gefahr, dass wir mit verfrühter Einführung der Elektromobilität diese langfristig zukunftsträchtige Technologie nachhaltig schädigen.

"Der Maschinenbau fordert von der Politik, ihre Mittel nicht ausschließlich auf diese eine Technologie zu konzentrieren, sondern den Klimaschutz im Verkehrssektor technologieneutral durch die Förderung von Produktionsinnovationen voranzubringen."

Denn ungeachtet der hohen Kosten und der bescheidenen Klimabilanz gibt es durchaus Gründe, die für Elektrofahrzeuge sprechen. Die Vorteile liegen insbesondere in der Geräuscharmut und der Abgasfreiheit. Insofern sind sie für den städtischen Verkehr mit vielen Kurzstrecken exzellent geeignet. Hier sollte die Politik ansetzen und in urbanen Ballungszentren zügig die Infrastruktur zum Aufladen solcher Fahrzeuge schaffen.

Der Maschinenbau fordert deshalb von der Politik, ihre Mittel nicht ausschließlich auf diese eine Technologie zu konzentrieren, sondern den Klimaschutz im Verkehrssektor technologieneutral durch die Förderung von Produktionsinnovationen voranzubringen. Hierzu zählen Brennstoffzellen und alternative Kraftstoffe (Power-to-X), die den Charme hätten, auch in existierenden Fahrzeugflotten einsetzbar zu sein und so relativ schnell Beiträge zur CO₂-Minderung leisten könnten.“