UK: Der zweite Brexit-Stichtag naht

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Auf einen ungeregelten EU-Austritt ist niemand vorbereitet. Analysen zeigen, wie wichtig es vor allem für das Vereinigte Königreich ist, einen No-Deal-Brexit zu vermeiden.

Im August hat die Stimmung im britischen verarbeitenden Gewerbe einen neuen Tiefpunkt erreicht. Neben den Unsicherheiten, die mit dem Brexit verbunden sind, hemmen die globalen Handelskonflikte die Perspektiven der Unternehmen. Sie erhielten sowohl aus dem Inland als auch aus dem Ausland weniger Bestellungen. Zwar notierte das Pfund abermals schwächer, doch half dies nicht, mehr Aufträge aus dem Ausland zu bekommen, da global die Investitionsgüternachfrage gering ist. Auf der anderen Seite belastet das schwächere Pfund beim Einkauf durch höhere Importpreise.

Im britischen Maschinenbau entwickelt sich die Produktion bereits seit September 2018 im Vorjahresvergleich rückläufig. Für das erste Halbjahr steht am Standort UK ein Minus von 7 Prozent zu Buche. Die deutschen Maschinenbauer spüren die Investitionszurückhaltung im Vereinigten Königreich ebenfalls: Zwar kam es im ersten Quartal 2019 bedingt durch Lageraufbau noch zu einem Zuwachs, durch die negative Entwicklung seit April 2019 wurde das erste Halbjahr 2019 mit einem Rückgang um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum beendet.

Derzeit ist ein harter Brexit sehr wahrscheinlich. Eine Analyse der Confederation of British Industry (CBI) zeigt jedoch, dass niemand auf einen No-Deal-Brexit vorbereitet ist. In dem Bericht “What comes next? The business analysis of no deal preparations” sind systematisch die offenen Punkte sowie die negativen Auswirkungen auf alle Beteiligten aufbereitet. Die Publikation zeigt auch, wie wichtig es ist, einen No-Deal-Brexit zu verhindern.

Seit dem 1. September 2019 hat die britische Regierung die Internetseite „Get ready for Brexit“ online. Hier finden Unternehmen und Verbraucher Antworten, was sie tun müssen, um sich auf die Zeit nach dem EU-Austritt vorzubereiten. Für Unternehmen ist für den internationalen Warenaustausch u.a. die EORI-Nummer wichtig und sollte – wenn noch nicht geschehen - schnellstmöglich beantragt werden. (EORI: Economic Operators´ Registration and Identification number - Nummer zur Registrierung und Identifizierung von Wirtschaftsbeteiligten)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist der Frage der gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen, die vom Brexit ausgehen, bereits im März 2019 nachgegangen und hatte die Ergebnisse in seinem Wirtschaftsausblick im April publiziert (Seite 28ff.). Sie sehen wie folgt aus:

  • In einem No-Deal-Szenario ohne Grenzstörung schätzt der IWF, dass die britische Wirtschaft schrumpfen und erst 2021 ihr Produktionsniveau von 2018 wieder erreichen würde, anstatt in den nächsten drei Jahren um 3,5 Prozent zu wachsen.
  • In einem zweiten, strengeren Szenario mit Grenzstörungen und mehr finanzieller Instabilität wäre die Wirtschaftsleistung noch schlechter. Der IWF schätzt in diesem Fall einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,4 Prozent im Jahr nach dem Brexit und einen weiteren Rückgang um 0,8 Prozent im zweiten Folgejahr.
  • Für die EU werden die Auswirkungen deutlich abgeschwächter sein: Das BIP-Wachstum dürfte im ersten Folgejahr 0,2 Prozent niedriger ausfallen bzw. 0,1 Prozent im zweiten Jahr.

Maschinenbaurelevante Grafiken finden Sie in einem Chart Pack, das auf dieser Seite zum Herunterladen bereitsteht.

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