Maschinenbau in Baden-Württemberg spürt Gegenwind

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Die Geschäftserwartungen der Unternehmen für das Jahr 2019 haben sich im Vergleich zu 2018 deutlich verschlechtert. „Im laufenden Jahr können wir im besten Falle von einer Seitwärtsbewegung sprechen“, sagte der Vorsitzende des VDMA Baden-Württemberg, Dr. Mathias Kammüller, am 24. Juli vor Journalisten in Stuttgart.

„Internationale Handelskonflikte bremsen die Unternehmen aus. Die Kunden haben derzeit wenig Vertrauen in die Marktlage“, ergänzte er.

In der aktuellen Konjunkturumfrage des VDMA Baden-Württemberg beurteilen nur noch 44 Prozent der 236 antwortenden Unternehmen die aktuelle Auftragslage als gut oder sehr gut. Im vergangenen Jahr waren dies noch 77 Prozent. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen spricht von einem lediglich befriedigenden, schlechten oder sehr schlechten Auftragseingang.

Für den weiteren Jahresverlauf gehen 28 Prozent der Unternehmen davon aus, dass sich die Auftragslage weiter verschlechtern wird. 16 Prozent gehen von einer Verbesserung aus.

Minimales Plus bei Umsatzerwartungen 2019

Auch die Umsatzerwartungen haben sich eingetrübt. Nur noch 53 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass ihr Umsatz im laufenden Jahr wachsen wird – gegenüber 85 Prozent im vergangenen Jahr. Ein Drittel der Unternehmen geht von einem Rückgang aus. Im gewichteten Durchschnitt ergibt sich aus diesen Einschätzungen ein Umsatzzuwachs von weniger als 1 Prozent.

Auf dieser Basis wird der baden-württembergische Maschinenbau im laufenden Jahr ein Umsatzvolumen von 86,1 Milliarden Euro erreichen.

2020: Verhalten positiver Ausblick

Für 2020 kann aus den Erwartungen der Betriebe im Durchschnitt ein leichtes Wachstum von 1 Prozent abgeleitet werden. „Die Zeit der steilen Aufwärtsbewegung ist erst einmal vorbei. Den Ausblick der Unternehmen auf 2020 bewerten wir jedoch positiv. Vor dem Hintergrund zahlreicher Unsicherheiten ist ein – wenn auch verhaltener - Aufwärtstrend ein echter Vertrauensbeweis in die eigene Wettbewerbsfähigkeit“, kommentierte
Dr. Kammüller.

Den Ausblick der Unternehmen auf 2020 bewerten wir positiv.

Skepsis in Bezug auf internationale Märkte

Deutlich auf Distanz zum Vorjahr gehen die Unternehmen bei der Einschätzung der nationalen und internationalen Absatzmärkte. „Ein Grund für diese Entwicklung ist der sich zuspitzende Handelskonflikt zwischen China und den USA. Hiervon fühlen sich 41 Prozent der Unternehmen betroffen, 8 Prozent sogar stark“, sagte der VDMA-Landesvorsitzende. 26 Prozent der Unternehmen erwarten in der Folge für 2019 einen Rückgang der Exporte.

Deutschland - 2018 noch mit Abstand am positivsten beurteilt – büßt im laufenden Jahr das meiste Vertrauen ein. Doch auch die EU insgesamt sowie China, die ASEAN-Staaten und die USA werden signifikant schwächer eingeschätzt als 2018. Als besonders negativ beurteilen die Unternehmen die Geschäftserwartungen für Brasilien und Russland. Auch die Unsicherheit in Bezug auf den Brexit schlägt sich deutlicher nieder als noch vor einem Jahr.

78 Prozent der Unternehmen sehen den derzeitigen Marktverlauf in Großbritannien unter negativen Vorzeichen.

Personalaufbau verlangsamt sich

Die Unternehmen setzten in den vergangenen Jahren auf einen kräftigen Ausbau ihrer Belegschaften. Der Maschinenbau im Südwesten beschäftigte 2018 rund 348.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was einem Zuwachs von
4 Prozent oder 13.300 Personen gegenüber Vorjahr entspricht*.

Der Personalaufbau dürfte sich im laufenden Jahr allerdings spürbar verlangsamen. Für die kommenden Monaten planen nur noch 30 Prozent der Unternehmen einen Ausbau ihrer Kapazitäten - gegenüber fast 60 Prozent im vergangenen Jahr. Einen Personalabbau planen 17 Prozent der Unternehmen. Die Zahl der offenen Stellen für Ingenieure und Facharbeiter ist aktuell um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Bei 34 Prozent der Unternehmen steht in den kommenden sechs Monaten der Abbau von Zeitkonten im Fokus. 22 Prozent planen, weniger Leasingkräfte zu beschäftigen.

Die Suche nach qualifiziertem Personal bleibt dennoch wichtig, insbesondere dann, wenn es um die Umsetzung von Industrie 4.0-Projekten geht.

So berichten 39 Prozent der antwortenden Unternehmen über Vakanzen in den Bereichen IT/Software/Datenmanagement. Zahlreiche Unternehmen klagen zudem über fehlende Ingenieure in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Konstruktion sowie Vertrieb.

Investitionen durch Bürokratieentlastung voranbringen

Während im vergangenen Jahr ein Investitionsaufschwung auf breiter Front zu erkennen war, wollen aktuell 23 Prozent der antwortenden Unternehmen ihre Investitionen reduzieren. „Vor dem Hintergrund der sich abflauenden Konjunktur wundert es nicht, dass die Betriebe vorsichtig sind. Hinzu kommt der Strukturwandel in der Automobilindustrie, der sich ebenfalls auf die Investitionen auswirkt“, kommentierte der Landesverbands-Vorsitzende.

Der VDMA fordert daher: Die Politik muss jetzt mehr denn je unternehmens-freundliche Rahmenbedingungen schaffen. An erster Stelle steht der dringende Wunsch der Betriebe nach Bürokratieentlastung. „Sie ist Investitionskiller Nummer 1, denn sie bindet Zeit und Geld, das an anderer Stelle nicht eingesetzt werden kann“, mahnte Kammüller. Daneben sind Investitionen in Fachkräftesicherung und Bildung sowie der unermüdliche Einsatz für offene Märkte notwendig. „Nach dem Beispiel des Mercosur-Abkommens muss die EU weitere Freihandelsabkommen schließen und sich gegen Zölle und Handelshemmnisse stemmen“, forderte er.

Nationale Industriestrategie mit wenig Zustimmung

Nicht im Sinne der Unternehmen ist die Nationale Industriestrategie von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. Nur bei 2 Prozent trifft das Vorhaben auf uneingeschränkte Zustimmung, 37 Prozent der Unternehmen halten viele Punkte darin für falsch. Insbesondere die unmittelbare staatliche Beteiligung an Unternehmen wird von der Mehrheit abgelehnt. „Wir sollten auf unternehmerische Freiheit setzen, nicht auf staatliche Bevormundung. Markteingriffe zu Gunsten einzelner Technologien sind kontraproduktiv“, bewertete Kammüller die Aussagen.

Digitalisierung: Unternehmen profitieren zunehmend

Die Digitale Transformation wird das eigene Unternehmen zukunftsfähiger machen – hiervon zeigt sich eine Mehrheit der Betriebe überzeugt. Das Engagement bei use cases wie Predicitive Maintenance oder datengetriebener Produktionsoptimierung zahlt sich zunehmend aus, jedes fünfte Unternehmen verdient bereits Geld damit. „Die Maschinenbauer sehen den digitalen Wandel als Chance und gestalten ihn aktiv. Sie setzen damit ein wichtiges Signal in dieser konjunkturell schwierigen Zeit“, lobte Dr. Kammüller.

37 Prozent der Unternehmen halten viele Punkte der Industriestrategie für falsch.

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