Bayerischer Maschinenbau steht vor konjunkturellem Abschwung: Jetzt unternehmensfreundliche Rahmenbedingungen schaffen!

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Unternehmen spüren konjunkturellen Abschwung bereits. Weltpolitische Unsicherheiten schwächen den exportstarken Maschinenbau in Bayern zusätzlich. Bürokratieabbau ist ein Muss, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Um Digitalisierung anzupacken, muss Infrastruktur passen.

Die Zukunftserwartungen der bayerischen Maschinen- und Anlagenbauer trüben sich 2019 im Vergleich zu den guten Vorjahren ein. „Nach den guten beiden letzten Jahren sind die Auftragsbücher bei vielen zwar noch recht gut gefüllt. Der relativ hohe Auftragsbestand kann das starke Minus in den ersten Monaten des Jahres im Auftragseingang allerdings nicht vollständig auffangen,“ sagt Claudia Haimer, Vorsitzende des Vorstands des VDMA Bayern und Geschäftsführende Gesellschafterin der Haimer GmbH auf der Jahrespressekonferenz 2019 des VDMA Bayern am 22. Juli in München.

Der Auftragseingang im bayerischen Maschinenbau verschlechterte sich in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 7 Prozent. Laut einer aktuellen Umfrage des VDMA Bayern erwarten rund 50 Prozent der Unternehmen keine Veränderung dieser Lage. „Die Abschwächung der Konjunktur wird dieses Jahr deutlich spürbar. Um dem entgegenzuwirken, ist nun die Politik gefragt, Voraussetzungen für zukünftiges Wachstum zu schaffen,“ fasst Claudia Haimer die konjunkturelle Entwicklung zusammen.

Geopolitische Unsicherheiten wirken wachstumshemmend

Fast 50 Prozent der bayerischen Maschinen- und Anlagenbauer sehen geopolitische Krisen als Hindernis für weiteres Wachstum an. Auslandsmärkte sind für 66 Prozent des Umsatzes verantwortlich. Der Handelsstreit zwischen China und den USA schafft daher besondere Unsicherheit, da diese beiden Zielmärkte die wichtigsten des bayerischen Maschinen- und Anlagenbaus sind.

Doch auch in Europa brodelt es gewaltig. Die anhaltende Unsicherheit rund um den Brexit, der harte Konfrontationskurs der italienischen Regierung und die zunehmende Uneinigkeit zwischen den Mitgliedsstaaten halten die Industrie in Atem.

„Autarkie und Abschottung sind keine Antworten auf Zukunftsfragen. Die Errungenschaft des EU-Binnenmarkts und der Europäischen Gemeinschaft tragen fundamental zum Erfolg der Unternehmen in Bayern bei,“ betonte die Vorstandsvorsitzende des VDMA Bayern.

Arbeitszeit produktiv nutzen, Bürokratie abbauen!

Umso dringlicher die Forderung an die Politik, jetzt die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um unternehmerischen Erfolg nicht zu behindern. Der mit Abstand wichtigste Bereich dafür ist, laut der aktuellen Umfrage des VDMA Bayern, der Bürokratieabbau.

Umfangreiche Dokumentations- und Berichtspflichten belasten mittelständische Unternehmen und binden Arbeitskraft, die sonst produktiv genutzt werden könnte. Der VDMA Bayern fordert, dass Gesetze ständig auf ihren bürokratischen Erfüllungsaufwand evaluiert werden. Der Beauftragte der bayerischen Staatsregierung für Bürokratieabbau ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Dem müssen aber auch Taten folgen. „Auch der Praxis-Check der Staatsregierung muss lobenswert erwähnt werden. Trotzdem ist es damit allein nicht getan. Der Praxis-Check muss auch auf bereits bestehende Gesetze angewandt werden,“ fordert Claudia Haimer.

Die Digitalisierung schafft neue Anforderungen

Die durch den geringeren Auftragseingang freiwerdenden Kapazitäten werden von den Unternehmen genutzt, um im Bereich Digitalisierung und Industrie 4.0 weiter voranzukommen. Hierzu ist es unabkömmlich, dass die notwendige Infrastruktur für diesen Wandel vorhanden ist. „In einem Industrieland wie Bayern darf es keine Mängel an der Infrastruktur geben. Besondere Bedeutung geben wir hier dem Breitbandausbau.“, erläutert Claudia Haimer. Nur 50 Prozent der bayerischen Maschinen- und Anlagenbauer sind mit ihrer Breitbandversorgung zufrieden, zeigt die aktuelle Umfrage des VDMA Bayern. „Für immerhin 27 Prozent könnte die fehlende Versorgung ein Grund für einen Standortwechsel sein. Hier besteht dringender Handlungsbedarf,“ so Haimer.

„Aber allein mit dem Ausbau der digitalen Infrastruktur ist es nicht getan. Die entsprechenden Fachkräfte zu finden, aus- oder weiterzubilden ist ein ebenso wichtiges Thema.“, berichtet Haimer aus eigener Erfahrung. Gemeinsam mit der Nachwuchsstiftung Maschinenbau hat sich der VDMA das Ziel gesetzt, die Ausbildung zukunftsfest zu machen. Im Juni 2019 wurde mit dem Bayerischen Kultusministerium eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Damit wird nun die berufliche Ausbildung in Bayern auf den neuesten Stand gebracht. Auch mit dem Projekt „Industrie 4.0 Bayern – Daten basierter Wandel im Mittelstand“ unterstützt der VDMA Bayern den Maschinen- und Anlagenbau. „Ziel des Projekts ist es, den Unternehmen dabei zu helfen, Daten zu sammeln und zu managen, um neue Geschäftsmodelle zu generieren,“ sagt Elgar Straub, Geschäftsführer des VDMA Bayern.

"Nun ist die Politik gefragt, Voraussetzungen für zukünftiges Wachstum zu schaffen," so Claudia Haimer

„Autarkie und Abschottung sind keine Antworten auf Zukunftsfragen."

"Wir wollen Unternehmen dabei unterstützen, Daten zu sammeln und zu managen, um neue Geschäftsmodelle zu generieren," sagt Elgar Straub, Geschäftsführer des VDMA Bayern.

 

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