Ostdeutscher Maschinenbau verliert leicht an Schwung

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Eine hohe Kapazitätsauslastung und ein gutes Auftragspolster können nicht darüber hinwegtäuschen: Die Wachstumsdynamik im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau lässt nach.

  • Auslastung und Auftragspolster weiterhin hoch
  • Wachstumsdynamik lässt jedoch nach
  • Auch Geschäftsaussichten trüben sich ein

Im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau mehren sich die Anzeichen für eine Konjunkturabkühlung. Zwar bewerteten im zweiten Quartal 2019 vier von fünf Unternehmen ihre wirtschaftliche Situation als gut oder sehr gut. Mit neuen Aufträgen halten sich die Kunden jedoch zurück. Daher blicken die Betriebe weniger optimistisch in die nahe Zukunft als in den vergangenen Monaten. Dies ergab eine Umfrage des VDMA-Landesverbandes Ost unter den 350 Mitgliedern in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

78 Prozent der ostdeutschen Maschinenbaubetriebe beurteilten demnach ihre aktuelle Gesamtsituation positiv. Das spiegelt sich auch in einer überdurchschnittlichen Kapazitätsauslastung und einem hohen Auftragspolster wider. „Trotzdem spüren wir, dass sich die Konjunktur abschwächt", sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost. „Zyklische Schwankungen sind vor allem nach einem so langanhaltenden Aufwärtstrend normal. Mich beunruhigen stattdessen die weltweiten Handelsstreitigkeiten, die wirtschaftspolitischen Unwägbarkeiten und politischen Krisen“, ergänzt er.


Derzeit hohe Auslastung

Die Unternehmen haben im zweiten Quartal ihre vorhandenen Produktionskapazitäten im Durchschnitt zu fast 90 Prozent und damit genauso stark wie im Vorquartal ausgelastet. 87 von 100 Betrieben erreichten dabei einen Auslastungsgrad von mindestens 80 Prozent.

Die Bestellungen der Kunden reichen im Durchschnitt bis Mitte Dezember. Damit lag das durchschnittliche Auftragspolster von 5,5 Produktionsmonaten nur knapp unter dem Niveau der ersten drei Monate dieses Jahres. Zwischen den Firmen variiert der Auftragsvorlauf allerdings teilweise deutlich: Sie können zwischen zwei Wochen und anderthalb Jahren planen.


Auftragslage schwächt sich ab

"Momentan sind viele Auftragsbücher gut gefüllt. Der Vergleich mit den vorangegangenen Monaten zeigt aber, dass die Unternehmen von den umfangreichen Bestellungen aus dem Vorjahr profitieren. Mittlerweile ordern die Kunden zunehmend weniger neue Maschinen und Dienstleistungen", erklärt Pätz. Laut Umfrage registrierten 40 Prozent der Betriebe weniger Aufträge als im Vorquartal. "Zwei Dritteln dieser betroffenen Firmen geht es wirtschaftlich gut. Dennoch deutet diese Entwicklung darauf hin, dass sich das Wachstum verlangsamt", fügt Pätz hinzu.

Doch nicht nur die Kunden, auch die Maschinen- und Anlagenbauer selbst verschieben Investitionen. So hat seit Jahresbeginn jedes vierte Unternehmen weniger Geld als geplant für neue Maschinen und Technik ausgegeben.


Zurückhaltende Kunden machen Maschinenbauer vorsichtig

Die Handelshemmnisse, die Konjunkturabschwächung, aber auch der Strukturwandel in der Automobilindustrie schlagen sich zudem in den Geschäftsaussichten nieder. 75 Prozent der Unternehmen erwarten bis September 2019 gleichbleibende oder bessere Geschäfte. Jede vierte Firma befürchtet indes einen Abwärtstrend. Zum selben Vorjahreszeitpunkt war es jede 13. Firma.

"Wir können momentan nur schwer vorhersagen, wie stark das Pendel ausschlagen wird. Zu instabil und unberechenbar sind weltweit die politischen Verhältnisse", blickt Verbandsgeschäftsführer Pätz nach vorn.

Nahezu losgelöst von alldem ist die Personalpolitik der Unternehmen. 65 Prozent der Betriebe wollen in den kommenden sechs Monaten ihre Beschäftigtenzahl beibehalten. Zusätzlich planen 20 Prozent der Firmen, neue Mitarbeiter einzustellen. Fast Dreiviertel aller Unternehmen haben jedoch Probleme, geeignete Fachkräfte zu finden. Für jeden zweiten Betrieb ist es zum Beispiel schwierig, offene Stellen in der Produktion und Konstruktion zeitnah und qualifiziert zu besetzen.

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