Indien: Wahlzeitraum belastete die industrielle Aktivität erheblich

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Die indische Maschinenbauproduktion ist zum ersten Mal seit 2015 wieder geschrumpft (-6,9 Prozent in Q12019 gg. Vorjahr). Ein sehr ähnliches Bild zeichnen die Ergebnisse der VDMA-Geschäftsklimaumfrage.

Nach Angaben des indischen Statistikministeriums hat sich das reale BIP-Wachstum im ersten Quartal 2019 auf 5,8 Prozent – die niedrigste Wachstumsrate seit 5 Jahren – verlangsamt. Die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft der Welt ist damit erneut China, das im gleichen Zeitraum um 6,4 Prozent wuchs. Auch die Entwicklung im indischen Maschinenbau war zuletzt weniger erfreulich. Die indische Maschinenbauproduktion ist zum ersten Mal seit 2015 wieder geschrumpft (-6,9 Prozent in Q12019 gg. Vorjahr).

Ein sehr ähnliches Bild zeichnen die Ergebnisse der VDMA-Geschäftsklimaumfrage. Die Entwicklungen der Geschäftslage sowie der Kapazitätsauslastung zeigen einen anhaltenden Abwärtstrend. Darüber hinaus bewerten mehr Unternehmen ihre derzeitige Produktionsauslastung und Umsatzergebnisse negativ im Vergleich zu Unternehmen, die dazu positive Angaben machten. (Die vollständigen Ergebnisse der VDMA-Geschäftsklimaumfrage finden Sie unten im Downloadbereich.)

Investitionszurückhaltung im Maschinenbau spürbar

Einer der Hauptgründe für die negative Situation im ersten Quartal 2019 war der Wahlzeitraum, deren Unsicherheit zu einigen Beeinträchtigungen in der indischen Wirtschaft führte. Vor allem die Investitionszurückhaltung führte zu einer Verlangsamung der industriellen Aktivität. Die Maschinenbauindustrie war hiervon besonders betroffen. Andererseits deuten die Produktionszahlen darauf hin, dass der Sektor weitgehend unberührt von anderen Ereignissen, wie der Bargeldreform im Jahr 2016 oder der verabschiedeten "Goods and Services Tax" im Jahr 2017, war.

 

 

Allerdings unterscheiden sich die Teilbranchen innerhalb des Maschinenbaus hinsichtlich ihrer aktuellen Kapazitätsauslastung. So profitieren beispielsweise Bau- und Bergbaumaschinen von erhöhten Staatsausgaben für Infrastrukturmaßnahmen, während die Bereiche elektrische Automatisierung und Präzisionswerkzeuge leiden. Die negative Einschätzung in den letztgenannten Sektoren kann auf eine drastische Abschwächung der Automobilindustrie zurückzuführen sein. So lagen die Pkw-Verkäufe im ersten Quartal 2019 um 4,7 Prozent unter dem Vorjahreswert, während die Verkäufe von Zweirädern - einer volumenmäßig deutlich größeren Kategorie - um fast 9 Prozent zurückgingen.

Kündigen Stimmungs-Indikatoren eine Trendumkehr an?

Bei einer Einschätzung der Konjunktur muss auch bedacht werden, dass das erste Quartal im Vorjahr besonders positiv war. Zudem ist eine allgemeine Verlangsamung der globalen Industrieaktivität in den letzten Monaten zu beobachten. Vor diesem Hintergrund und dem Wahlzeitraum Anfang des Jahres ist die Verlangsamung der Industrieaktivität alles andere als überraschend.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die konjunkturelle Situation in der Branche den Tiefpunkt erreicht hat. Die gute Nachricht: Das Wachstum beschleunigte im April 2019 wieder (+2,8%). Darüber hinaus erwarten mehr Unternehmen steigende Aufträge und fast 50 Prozent der Unternehmen erwarten in den kommenden Monaten eine bessere Geschäftslage.

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