Der Kampf gegen Handelsmauern wird immer wichtiger

Shutterstock

Freie Marktzugänge sind überlebenswichtig für eine exportstarke Branche wie den Maschinenbau. Zunehmender Protektionismus rund um den Globus bedroht diesen Erfolg.

Die mittelständische Maschinenbauindustrie und ihre Beschäftigten wissen: Freier Handel ist für sie von existenzieller Bedeutung. Denn die Exportquote der Maschinenbauer liegt bei 79,2 Prozent. Vier von fünf Euro verdienen die Unternehmen im Ausland. Und sichern damit mehr als 600.000 Arbeitsplätze in Deutschland.  Zudem wächst die Bedeutung des Außenhandels. In den nächsten 20 bis 30 Jahren entstehen 90 Prozent der globalen Nachfrage außerhalb Europas. Offene Grenzen werden daher in den nächsten Jahren noch wichtiger. Freihandelsabkommen mit großen Märkten wie den USA oder den südamerikanischen Mercosur-Staaten würden den Export deutlich erleichtern. Der Maschinenbau, als integraler Teil der deutschen und europäischen Wirtschaft, würde enorm davon profitieren.

Gefahren durch Protektionismus und Handelsschranken

Rund 35 Prozent der Exporte des Maschinenbaus gehen bereits heute in Länder mit hohen Einfuhrhürden. Die aktuellen protektionistischen Tendenzen in vielen Ländern gefährden den freien Handel und damit auch Arbeitsplätze im Maschinenbau in Deutschland und bei den Tochtergesellschaften im Ausland.

Wichtige Märkte schotten sich ab oder erschweren den internationalen Austausch von Waren zunehmend. „Die handelspolitische Großwetterlage ist schwieriger geworden. Nationalisten und Protektionisten in aller Welt rüsten sich, den Handel zu erschweren. Dagegen müssen wir uns stellen, denn unser Wohlstand und unsere Arbeitsplätze sind sonst gefährdet“, sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.

Bedeutung des Freihandels für Mittelständler

Große Konzerne können Handelshürden zum Teil umgehen, indem sie ihre Produktion in wichtige Absatzmärkte verlagern. 84 Prozent der europäischen Exporte kommen aber von mittelständischen Unternehmen. Diese haben häufig nicht die Kapazitäten, im Ausland zu investieren und dort ihre Maschinen und Anlagen fertigen zu lassen. Protektionistische Maßnahmen treffen den Mittelstand daher häufig am Härtesten. Sie sind besonders auf einen funktionierenden Freihandel angewiesen. Nur so können sie ihre wirtschaftliche Stärke am Standort Europa festigen und im internationalen Wettbewerb bestehen. 

Multivac als Praxisbeispiel - Vom Allgäu in die Welt

Ihre Produkte nutzt fast jeder, doch ihre Maschinen kennen nur Profis: Das Unternehmen Multivac fertigt komplette Verpackungsanlagen für Lebensmittel, sterile Medikamente und Konsumgüter. Der Maschinenbauer ist so erfolgreich, dass aus der Garagen-Gründung im kleinen Dorf Böhen im Allgäu inzwischen ein „Global Player“ mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz pro Jahr wurde.

Der Monteur Marco Jäger („Der perfekte Tag ist derjenige, an dem ich mich auf meinen Auftrag in China am nächsten Tag vorbereite“) und der Auszubildende Manuel Heckelsmiller („Meine gute Ausbildung sichert mir eine langfristige Perspektive“) berichten aus dem heutigen Multivac-Stammwerk Wolfertschwenden, wie international sie auch am deutschen Alpenrand arbeiten. Selbst kleine Forscher im örtlichen Kindergarten profitieren vom weltweiten Handel und Erfahrungsaustausch der Maschinenbauer von Multivac.

Lesen Sie weiter: "IN WORLD TRADE, EVERYONE IS PLAYING THEIR OWN GAME"

Innereuropäischer Protektionismus

Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus exportieren nicht nur Güter, sondern erfüllen auch noch andere Aufgaben: Montage und Inbetriebnahme der gelieferten Produkte gehören ebenso dazu wie Service und Wartung der Maschinen, Maschinenteile und Anlagen. Dazu müssen zumeist hochqualifizierte Facharbeiter in viele Länder reisen, wo die Kunden sitzen.

Durch die EU-Entsenderichtlinie ist der bürokratische Aufwand von solchen Dienstreisen der Mitarbeiter in den vergangenen Jahren extrem gestiegen. Der Grund ist, dass die Vorschriften der Entsendung in den einzelnen europäischen Mitgliedsstaaten völlig unterschiedlich umgesetzt wurden. Aus Sicht des VDMA verstößt die derzeitige Umsetzung der Meldepflichten in einigen EU-Mitgliedsstaaten gegen das Prinzip der Dienstleistungsfreiheit und behindert die Funktionsfähigkeit des Binnenmarkts. Mehr: www.vdma.org/arbeitseinsaetze

Kampagne "Danke Freihandel"

Um ein klares Zeichen für offene Grenzen und gegen neue Mauern zu setzen, hat der VDMA zusammen mit seinen Mitgliedsfirmen die Kampagne „Danke, Freihandel“ in den sozialen Medien ins Leben gerufen. Gezeigt wird, wie die Menschen in Deutschland, aber auch in den Exportländern der deutschen Industrie im täglichen Leben von freiem Handel profitieren.

Zugleich soll die Kampagne zur Diskussion einladen – untereinander und mit dem VDMA. „Wir wollen die Menschen mit der Kampagne begeistern, sich wieder für den freien Handel einzusetzen. Und je mehr mitmachen, desto besser“, appelliert Brodtmann.

Links zur Kampagne