Industrieller Mittelstand bleibt Deutschlands Erfolgsrezept

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Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat mit seiner Forderung nach einer nationalen Industriestrategie eine breite Debatte ausgelöst. Der Maschinenbau bewertet die Vorschläge im Einzelnen kritisch.

Chinesische Industriepolitik und amerikanische Technologieunternehmen fordern das deutsche Wirtschaftsmodell heraus. Wirtschaftsminister Altmaier sucht die Antwort in einer Nationalen Industriestrategie, die u.a. die Entwicklung europäischer Champions fördern will. Der Maschinenbau begrüßt zwar die überfällige industriepolitische Debatte, setzt aber klar auf das Erfolgsrezept Innovationskraft.

Wohlstand sichern und steigern

VDMA-Präsident Carl Martin Welcker kann Altmaiers Initiative durchaus Positives abgewinnen. „Der Bundeswirtschaftsminister will die Wirtschaftspolitik wieder ins Zentrum der Debatte rücken. Dafür hat er unsere volle Unterstützung“, schreibt Welcker in einem Gastkommentar für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Denn anstatt nur über die Verteilung des Wohlstands zu reden, müssten die Deutschen es wieder schaffen, mit einer international wettbewerbsfähigen Industrie diesen Wohlstand zu sichern und zu steigern.

Doch darüber, wie das tatsächlich zu schaffen ist, gehen zwischen dem Verbandspräsidenten und dem Minister die Meinungen zum Teil weit auseinander. Während Altmaier in seiner „Nationalen Industriestrategie 2030“ den Zusammenschluss von Großunternehmen zu noch größeren erleichtern will, damit sie internationalen Konzernen Paroli bieten können, setzt Welcker, eher auf das Gegenteil: den industriellen Mittelstand.

Wieder mehr dem Markt vertrauen

Die Gründe sind vielfältig. Vor allem beruhen sie auf dem berechtigten Bedenken gegenüber Altmaiers Absicht, der Staat solle gegebenenfalls in unternehmerische Prozesse lenkend eingreifen. Anlässe hierzu, so sieht es der Minister, könnten sich nicht nur aus einer möglichen Abwehr chinesischer Direktinvestitionen ergeben. Auch welche ökonomische Entwicklung Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Elektromobilität nehmen, will er notfalls durch staatliche Investitionen beeinflussen.

Solche Vorstellungen von staatlicher Detailplanung wiedersprechen grundsätzlich der VDMA-Position, nach der gerade Flexibilität und Heterogenität zu den Stärken einer mittelständisch geprägten Industrie gehören. Dass Deutschland mit seinem marktwirtschaftlichen Kurs im internationalen Vergleich gut gefahren ist, zeigt allein, dass von weltweit insgesamt 2.700 Hidden Champions 1.300 deutsche Firmen sind, nicht zuletzt Maschinenbauer. Selbstsicher hält der VDMA deshalb an dem Grundsatz fest: Wettbewerb ist der beste Hebel für Leistung, Innovation und effiziente Lösungen. Welcker stellt deshalb fest: „Wir haben beweisen, dass wir mit unserer Sozialen Markwirtschaft vielfältige Herausforderungen meistern können.“ Er erinnert in diesem Zusammenhang an die japanische Industrie, die sich in den 1980er Jahren zu einem ernsthaften Konkurrenten entwickelte. Der Maschinenbau habe damals diesen Wettbewerb nicht nur angenommen, sondern sei sogar daraus gestärkt hervorgegangen. „Bleiben wir mutig und vertrauen wieder mehr in die Kräfte des Marktes“, lautet sein Appell.

„Wir haben bewiesen, dass wir mit unserer Sozialen Markwirtschaft vielfältige Herausforderungen meistern können.“

Über Industriepolitik debattieren

Der VDMA-Präsident stellt damit nicht in Abrede, dass in Zeiten, in denen globaler Markt und fairer Wettbewerb nicht durchgehend deckungsgleich sind, über Industriepolitik debattiert werden muss. „Natürlich gibt es Marktunvollkommenheiten, die staatliche Eingriffe begründen können“, sagt Welcker. „Dafür gibt es aber schon Instrumente wie unser Kartell- und Wettbewerbsrecht.“ Zudem müssten Antworten aus den eigenen positiven Erfahrungen mit der Sozialen Marktwirtschaft und der freiheitlichen Gesellschaftsordnung abgeleitet werden.

Wie Lösungsansätze aussehen können, hat der BDI in einer umfangreichen Stellungnahme zu den Vorstellungen des Bundeswirtschaftsministers dargelegt, an der sich der VDMA aktiv beteiligt hat.