Plattformökonomie – Predictive Maintenance

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Die Plattformlandschaft im deutschen Maschinenbau steht noch am Anfang ihrer Entwicklung. Für Maschinenbauunternehmen ist es wichtig, eine Plattformstrategie zu entwickeln, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Der Erfolg von Plattformunternehmen aus dem b2c-Bereich, wie Apple, Alphabet oder Facebook, ist hinreichend bekannt und zeigt, wie innerhalb kürzester Zeit etablierte Markführer verdrängt werden können. Plattformen schaffen vor allem durch die Senkung von Transaktionskosten, durch Netzwerkeffekte und durch das Schaffen eines spezifischen Kundennutzens einen Mehrwert für den Kunden. Dieser ergibt sich durch die große Anzahl von Daten, die auf Plattformen gebündelt, analysiert und weiterverarbeitet werden und somit dort neue Dienstleistungen für den Nutzer generieren.

Die Übertragbarkeit des Plattformansatzes auf eine stark segmentierte und kleinteilige Branche wie den Maschinen- und Anlagenbau ist, wie Skeptiker zu Benken geben, schwieriger als bei den genannten b2c-Plattformen – Personenbeförderungen oder Übernachtungen sind einfacher und eindeutiger zu beschreiben.

Dennoch ist das Potenzial der Plattformökonomie auch für den Maschinen- und Anlagenbau erkennbar. Relevant für diese Branche sind dabei zwei verschiedene Typen von Plattformkategorien: Zum einen die digitalen Markplätze für industrielle Güter und Dienstleistungen und zum anderen industrielle Internet-of-Things (IoT)-Plattformen. Bei letzterem werden eine digitale Infrastruktur sowie die Standards für die Verbindung des Nutzers mit der Cloud zur Verfügung gestellt. Die IoT-Plattformen sind sowohl aus der Sicht Herstellers von Maschinen- und Anlagen als auch aus der Sicht des Fabrikbetreibers, also des Abnehmers und Nutzers der Maschinen, von Interesse.

Digitale Plattformen bieten Maschinenbauern die Möglichkeit, den Abnehmer der Maschinen besser zu verstehen: wie nutzt er beispielweise die Maschinen? Welche Anforderungen hat er im Produktionsalltag an die Maschinen? Anwender und Abnehmer von Maschinen hingegen können davon profitieren, dass sie eher einschätzen können, wann mit einem Maschinen- und Produktionsausfall zu rechnen ist.

Im Rahmen des Erfahrungsaustausches „Plattformen 1 – Predictive Maintenance“ am 23. Mai 2019 bei der Thyssenkrupp AG in Essen wurden verschiedene Plattformmodelle und deren Vorteile vorgestellt. So hat beispielsweise die Aufzugsparte von Thyssenkrupp seine in Betrieb befindlichen rund 180.000 Aufzüge mit einer speziellen Sensorik ausgestattet, die an die cloudgestützte Wartungslösung Plattform MAX, die vorausschauenden Service ermöglicht, angeschlossen. Max nutzt Big Data und die Fähigkeit des maschinellen Lernens. Die Sensoren erfassen Betriebsdaten, Fahrstuhlbewegungen und Fehlercodes, die auf der Plattform analysiert werden. MAX kann die Ausfallzeiten von Aufzügen durch Echtzeitdiagnostik halbieren und erkennt Wartungsprobleme, bevor sie auftreten. Servicetechniker werden rechtzeitig benachrichtigt, wenn veraltete Komponenten und Systeme ausgetauscht werden müssen. Die Plattform ermöglicht dadurch eine vorausschauende Wartung der Aufzüge und stellt einen verbesserten Service für den Aufzugbetreiber dar. Für die Entwicklung und Nutzung einer solchen Plattform war die enge Zusammenarbeit zwischen IT-Fachkräften und den Wartungstechnikern notwendig. Laut Thyssenkrupp ist die anfängliche Skepsis auf Seiten der Techniker schrittweise gewichen, da die Plattform auch für die Wartungstechniker ein nützliches Werkzeug darstellte.

Durch die Vorhersage von Fehler- oder Ausfallwahrscheinlichkeiten von Maschinen und Anlagen und einhergehend einer besseren Anlagenverfügbarkeit wird dem Kunden ein Mehrwert geboten. Die Übertragung dieses Geschäftsmodells ist in abgewandelter Form auch auf andere Teilbranchen und Bereiche denkbar. Wichtig ist, mit dem Geschäftspartner im Vorfeld abzuklären, welche Daten zur Verfügung gestellt werden dürfen. Aus dem Teilnehmerkreis wurde zu bedenken gegeben, dass je nach Teilbranche oder Unternehmen, bestimmte Daten nicht an Wettbewerber gelangen dürfen, da dadurch entsprechende Rückschlüsse geschlossen werden könnten.

Die Plattformlandschaft im deutschen Maschinenbau steht noch am Anfang ihrer Entwicklung und die möglichen Entwicklungsrichtungen sind noch nicht absehbar. Dennoch ist es für die Maschinenbauunternehmen notwendig, eine Plattformstrategie zu entwickeln, um nicht den Anschluss an die Entwicklungen zu verlieren – so das Fazit der Teilnehmer.

Veranstalter
Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.