Ist Vietnam der lachende Dritte im US-chinesischen Handelsstreit?

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Der Gewinner des Handelsstreits zwischen den USA und China heißt Vietnam – so oder so ähnlich lauten einige internationale Presseschlagzeilen. Es ist also höchste Zeit, dieses Statement einem kritischen Realitätscheck zu unterziehen.

Die gesamten Warenimporte der USA aus Vietnam sind im ersten Quartal um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr angestiegen und betrugen knapp 16 Milliarden Dollar. Es folgen Taiwan mit etwas mehr als plus 20 Prozent; dahinter die Niederlande, Südkorea und Frankreich. Im gleichen Zeitraum sind die amerikanischen Importe aus China um 13 Prozent auf 106 Milliarden Dollar zurückgegangen. Aufgrund dieser Entwicklung sind die USA nun der wichtigste Exportmarkt Vietnams. Bereits im vergangenen Jahr erreichte das Handelsbilanzdefizit der USA mit Vietnam stolze 39,5 Milliarden US-Dollar – Tendenz steigend.

 

 

Und wie entwickeln sich die amerikanischen Maschinenimporte?

In den Monaten Januar bis April 2019 sind die amerikanischen Maschinenimporte aus Vietnam um mehr als 33 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum angestiegen und betrugen knapp 1,1 Milliarden Dollar. Nur die Maschinenimporte aus Taiwan konnten mit knapp 75 Prozent schneller wachsen. Die amerikanischen Maschinenimporte aus China hingegen sind in den ersten vier Monaten des Jahres um mehr als 20 Prozent zurückgegangen. Damit verzeichneten die amerikanischen Maschinenimporte einen noch schnelleren Rückgang als die gesamten amerikanischen Warenimporte aus China. Das dürfte vor allem an der Tatsache liegen, dass nahezu alle Maschinenbauprodukte aus China mit einem Strafzoll in Höhe von 25 Prozent belegt sind.

 

 

Lieferketten werden neu ausgerichtet

Viele Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen verlagern ihre Lieferketten nach Südostasien, insbesondere Vietnam. Schon jetzt kommen chinesische Produkte zur Endmontage nach Vietnam, bevor sie dann endgültig in die USA exportiert werden. Das geschieht vor allem in der arbeitsintensiven Fertigung. Ein Grund: Die steigenden Lohnkosten in China. Eine stetige Verlagerung in das Niedriglohnland ist auf lange Sicht wahrscheinlich, gewinnt durch den Handelskonflikt aber auch an Dynamik. Das Ergebnis: stark ansteigende Investitionen und wachsende Exporte. So sind zum Beispiel die Zuflüsse von Direktinvestitionen auf Rekordhoch.

Allerdings könnte eine kurzfristig verbesserte Exportleistung zum Teil auch darauf zurückzuführen sein, dass chinesische Exporte durch Vietnam geleitet werden, um die amerikanischen Strafzölle zu umgehen. Die vietnamesische Zollbehörde gab in einer offiziellen Erklärung bekannt, dass dutzende Fälle bekannt seien, in dem Unternehmen Waren aus China importierten, um sie dann mit dem Label „Made in Vietnam“ zu versehen. Zudem teilte die Behörde mit, dass sie kommunale Zollbehörden angewiesen habe, ihre Inspektion und Verifizierung von Ursprungszeugnissen zu intensivieren.

Auch ein Handelskrieg kennt keine Sieger

Letzten Monat entkam Vietnam noch der Bezeichnung als Währungsmanipulator durch das US-Finanzministerium. Doch das zunehmende Handelsbilanzdefizit zwischen den USA und Vietnam zieht unliebsame Aufmerksamkeit auf das südostasiatische Land. Der Administration Trump sind hohe Handelsbilanzdefizite ohnehin ein Dorn im Auge. Erste Schritte folgten bereits. Das US-Handelsministerium führte Anfang Juli Zölle von mehr als 456 Prozent auf Stahlimporte aus Vietnam ein, die mit Ursprungserzeugnissen aus Südkorea oder Taiwan hergestellt wurden.

Und: Die amerikanischen Warenimporte aus Vietnam sind zwar stark angestiegen, doch zugleich ist ein Rückgang der chinesischen Warenimporte aus Vietnam zu beobachten. Im ersten Halbjahr 2019 importierte China schätzungsweise Waren im Wert von 1,9 Milliarden Dollar weniger aus Vietnam als noch im ersten Halbjahr 2018. Insofern relativiert sich auch hier das Bild des großen Gewinners Vietnam im US-chinesischen Handelskrieg. Keine Frage: Vietnam profitiert in Teilen von dem Konflikt, denn die Produktionsverlagerung aus dem zunehmend teuren China beschleunigt sich. Diese Entwicklung zeigt sich in den stark steigenden Auslandsinvestitionen und den voll besetzten Industrieparks. Nur wirklich aussprechen mag das keiner mehr in Vietnam. Denn laut Präsident Trump ist Vietnam „fast der schlimmste Täter von allen”.

 

 

 

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