Neue Rekordzahl an Studierenden– Einsatz für mehr Studienerfolg bleibt vordringlich

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Trotz (noch) steigender Studierendenzahlen in der Informatik bereiten die hohen Studienabbruchquoten Sorgen. Um den IT-Fachkräftebedarf für Industrie 4.0 zu decken, muss die Qualität der Lehre weiter verbessert werden. Die Maschinenhaus-Initiative des VDMA setzt sich hierfür ein und schließt in der nächsten Projektphase das Fachgebiet der Informatik mit ein.

Das Statistische Bundesamt vermeldet einen neuen Rekord: laut den ersten vorläufigen Ergebnissen sind für das Wintersemester 2018/2019 rund 2.867.500 Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Dies sind 0,8% mehr als im Wintersemester 2017/2018. Die Zahl der Studienanfänger ist entgegen diesem Trend leicht gesunken, bleibt aber dennoch mit 508.828 Studierenden im ersten Hochschulsemester weiterhin hoch.

Auch die Zahl der Studierenden im ersten Hochschulsemester im Maschinenbau und in der Verfahrenstechnik ist innerhalb eines Jahres weiter von 33.676 auf 33.178 gesunken – eine beunruhigende Entwicklung angesichts des weiter steigenden Ingenieurbedarfs. In der Elektrotechnik und Informationstechnik ist hingegen ein kleiner Anstieg der Studierendenzahlen von etwa 16.600 auf 17.200 Studierende im ersten Hochschulsemester zu verzeichnen. In der Informatik, einem Fachgebiet, das durch Industrie 4.0 für den Maschinen- und Anlagenbau von immer größerer Bedeutung wird, setzt sich der Trend der vergangen Jahre fort und treibt die Zahl der Studierenden auf einen neuen Höchststand von etwa 39.600 Studierenden im ersten Hochschulsemester.

Die steigenden Studierendenzahlen in der Informatik sind vor dem Hintergrund des IT-Fachkräftebedarfs erfreulich. Laut des MINT-Herbstreports des IW Köln hat sich die Fachkräftelücke im IT-Expertenbereich (i.d.R. Akademiker) von 2015 bis 2018 auf 40.500 Arbeitskräfte mehr als verdoppelt. Durch die fortschreitende Digitalisierung wird die Nachfrage nach IT-Fachkräften und Maschinenbau- und Elektroingenieuren mit IT-Zusatzqualifikationen weiter zunehmen. Dies wird auch durch die Ingenieurerhebung des VDMA bestätigt: Zuletzt meldeten dort die Unternehmen im Zusammenhang mit Industrie 4.0 vermehrt Bedarf an Elektro- und Maschinenbauingenieuren mit IT-Zusatzqualifikationen und Informatikern. Auch die neue Studie der IMPULS-Stiftung „Ingenieurinnen und Ingenieure für Industrie 4.0“ des VDMA, die im Januar 2019 erscheinen wird, bescheinigt die wachsende Bedeutung von IT und Data Science im Qualifikationsprofil von Ingenieurinnen und Ingenieuren.

Allerdings bereiten in diesem Zusammenhang die hohen Abbruchzahlen in der Informatik und Elektrotechnik Sorgen. Während im Maschinenbau im universitären Bereich eine Senkung der Abbruchquoten von über 50% auf 31% zu verzeichnen ist, brechen im Bereich der Informatik und der Elektrotechnik über 40% der Studierenden ihr Studium ab. Zugleich ist der Anstieg der Studierendenzahlen in der Informatik bei weitem nicht mehr so stark ausgeprägt wie noch vor einigen Jahren. So betrug der Anstieg der Studierenden im ersten Hochschulsemester von 2017 bis 2018 nicht einmal 1 Prozent.

Die Verbesserung der Qualität der Hochschullehre spielt deshalb eine zentrale Rolle für den Maschinen- und Anlagenbau im Zeitalter von Industrie 4.0. Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA, betont:

„Die Digitalisierung stellt neue Herausforderungen an die Ingenieurausbildung, die es zu meistern gilt. Dem Thema Lehre wird hierbei aber nicht genug Aufmerksamkeit zuteil. Ausgerechnet in der Informatik sind die Abbruchzahlen noch immer inakzeptabel hoch – so fällt fast jeder zweite Studierende aus dem System. Studienerfolg ist keine Magie, sondern machbar und ein durch alle Beteiligten zu optimierender Prozess.“

Die Maschinenhaus-Initiative des VDMA hat in den vergangenen Jahren auf diesem Gebiet viel bewegt: bundesweit über 50 Transferprojekte in Fachbereichen und Fakultäten des Maschinenbaus und der Elektrotechnik, 14 Erfahrungsaustausche mit fast 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den Hochschulen, die Good-Practice-Sammlung „Toolbox“ und die Verleihung von drei Hochschulpreisen mit Fokus auf die Hochschullehre. Diese Erfolgsgeschichte wird nun in der nächsten Projektphase fortgeschrieben: ab 2019 stellt das Maschinenhaus die Gestaltung einer Hochschulausbildung, die den Anforderungen von Industrie 4.0 gerecht wird, in den Mittelpunkt. Die zukünftigen Aktivitäten schließen deshalb auch das Fachgebiet der Informatik ein. Ziel ist es, den Studienerfolg in diesem für die Industrie 4.0 so wichtigen Fachgebiet zu erhöhen sowie die Attraktivität des Maschinenbaus als Arbeitgeber für Informatikerinnen und Informatiker zu steigern.