Ostdeutscher Maschinenbau mit solidem Fundament

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Nach der starken wirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen Monaten hat der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau im dritten Quartal 2018 eine Verschnaufpause eingelegt. Lage und Aussichten sind dennoch gut.

  • Aufschwung verlangsamt sich etwas
  • Lage und Aussichten dennoch gut
  • Vier von fünf Unternehmen haben Fachkräftesorgen


Leipzig, 17. Oktober 2018 – Nach der starken wirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen Monaten hat der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau im dritten Quartal 2018 eine Verschnaufpause eingelegt. Wichtige Indikatoren wie Kapazitätsauslastung und Auftragsbestand waren leicht rückläufig, bewegten sich aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Viele Unternehmen sehen zudem gute Geschäftschancen bis zum Jahresende. Das ergab eine Umfrage des VDMA-Landesverbandes Ost unter den 350 Mitgliedern in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

85 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als sehr gut oder gut. Dass ihr Anteil im Vergleich zur Jahresmitte um 6 Prozent zurückging, will Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost, nicht überbewerten: "Schwankungen im Jahresverlauf sind üblich. Zudem waren die vergangenen Quartale von einer starken Dynamik geprägt. Man musste daher schon mit einem verlangsamten Verlauf rechnen."


Auftragslage flaut etwas ab

Demnach verschlechterte sich die Auftragslage leicht. Die Unternehmen haben ihre vorhandenen Produktionskapazitäten zu durchschnittlich 89 Prozent ausgelastet. Im zweiten Quartal lag die Auslastung bei sehr hohen 93 Prozent.

71 Prozent der Firmen verzeichneten zudem im Vergleich zum Vorquartal mehr oder gleich viele Aufträge. Ihr Anteil war ebenfalls rückläufig. Von einem geringeren Auftragsbestand sprachen allerdings mehrheitlich Betriebe mit einer derzeit guten oder sehr guten Geschäftslage.

Darüber hinaus fiel das Auftragspolster auf knapp fünf Produktionsmonate. Die Bandbreite reichte dabei von zwei Wochen bis zu einem Jahr. Etwa die Hälfte der Firmen kann mindestens für die kommenden fünf Monate planen.


Trotz Schwierigkeiten gute Geschäftsaussichten

Die Probleme, welche die Unternehmen täglich begleiten und den Geschäfts­erfolg beeinflussen, gehen über die wirtschaftspolitischen Rahmenbe­dingungen hinaus. Sie reichen vom hohen Kosten- und Termindruck über Lieferengpässe der Zulieferer bis hin zum enormen Zeit- und Ressourcen­aufwand für bürokratische Aufgaben. Ebenso bereitet die Fachkräftethematik große Schwierigkeiten. Vier von fünf Firmen haben Probleme, offene Stellen zu besetzen. Dies gilt insbesondere für die Bereiche Entwicklung und Produktion sowie in ähnlichem Ausmaß für Facharbeiter und Ingenieure.

Ungeachtet dessen erwarten 89 Prozent der Betriebe für das vierte Quartal 2018 gleichbleibende oder bessere Geschäfte. "Der Optimismus fällt etwas gebremster aus als bisher. Ob sich jedoch die bisherige hohe Dynamik lediglich abschwächt oder tatsächlich ein neuer Trend eingeleitet wird, können erst die kommenden Monate zeigen", betont Pätz. Gleichzeitig befürchtet er, dass die Handelsstreitigkeiten, Währungskrisen und geopolitischen Spannungen langsam ihren Tribut fordern. "Vielleicht kommen wir jetzt einfach an den Punkt, an dem die Betriebe die Unwägbarkeiten nicht mehr ohne Weiteres abfedern können", ergänzt der Verbandsgeschäftsführer.

Mahnende Worte richtet der Verband zudem an die Bundespolitik: "Sie muss alles für einen freien, chancengleichen Handel tun, egal, ob Brexit, Protektionismus oder Wirtschaftssanktionen. Für den weiteren Erfolg des Maschinenbaus ist außerdem eine vernünftige Mittelstandspolitik notwendig, darunter eine aktive Außenwirtschaftspolitik, steuerliche Forschungsförderung und praktikable Regelungen für Arbeitsrecht, Umweltschutz sowie Zollabfertigung."

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