VDMA: „Die Briten müssen ihr Brexit-Angebot nachbessern“

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Der Maschinenbau fordert von Großbritannien ein stärkeres Entgegenkommen in den Brexit-Verhandlungen. Die vorliegenden Pläne des Vereinigten Königreichs für die kommenden Beziehungen zur Europäischen Union sind eine Diskussionsgrundlage, sie reichen aber nicht aus, einen ungeordneten EU-Austritt zu vermeiden.

„Ein Abkommen, das langfristig die Integrität des Binnenmarktes und der Zollunion untergräbt, ist auf keinen Fall im Sinne der europäischen Industrie“, sagt Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA.

Kritisch sieht der Maschinenbau den Vorschlag der Briten, die Freiheiten des Binnenmarktes für das Vereinigte Königreich zu teilen. „Der freie Verkehr von Gütern und Dienstleistungen gehen Hand in Hand. Zum Beispiel umfasst der Verkauf einer Maschine in der Regel auch Serviceleistungen wie Montage und Wartung“, betont Brodtmann. Skeptisch sieht der Verband auch die britischen Pläne für ein neues Zollverfahren, das den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Zollunion möglich machen und gleichzeitig eine Grenze zwischen Irland und Nordirland verhindern soll. „Dies würde ein überaus komplexes Zollsystem schaffen, das in der Praxis nicht funktionieren kann und in erster Linie dem Zweck dient, dass die Hardliner in Großbritannien ihr Gesicht nicht verlieren. Innenpolitische Befindlichkeiten sollten nicht die Basis sein, auf der wir unsere Handelsbeziehungen für die kommenden Jahrzehnte aufbauen“, sagt Brodtmann.

„Ein Abkommen, das langfristig die Integrität des Binnenmarktes und der Zollunion untergräbt, ist auf keinen Fall im Sinne der europäischen Industrie.“

Ein ungeordneter Brexit ohne Folgeabkommen hätte für den deutschen Maschinenbau spürbare Konsequenzen. Die große Verunsicherung in Großbritannien würde neben konkreten Behinderungen in der Zollabwicklung zu einem erheblichen Rückgang der Anlageinvestitionen führen. Im ersten Halbjahr (Januar bis Juli) 2018 war das Vereinigten Königreich der fünftgrößte Auslandsmarkt für die Industrie mit einem Exportvolumen von 3,7 Milliarden Euro. Von größter Bedeutung für den Maschinenbau ist allerdings die Europäische Union: in den ersten sechs Monaten 2018 verkauften deutsche Maschinenbauer Produkte im Wert von 41 Milliarden Euro ins EU-Ausland, was fast die Hälfte aller Exporte in diesem Zeitraum (86,7 Milliarden Euro) ausmachte.