Maschinenbau in Baden-Württemberg klar auf Wachstumskurs

Der baden-württembergische Maschinenbau ist im Jahr 2018 klar auf Wachstumskurs. Deutliche Zuwächse erzielen die Unternehmen sowohl bei den Auftragseingängen, beim Umsatz als auch bei der Beschäftigung. „2018 wird ein starkes Jahr für den Maschinenbau in Baden-Württemberg. Bedingt durch politische Unsicherheiten sehen wir uns aber vor Herausforderungen“, sagte der Vorsitzende des VDMA Baden-Württemberg, Dr.-Ing. Mathias Kammüller, am 18. Juli 2018 in Stuttgart.

In der aktuellen Konjunkturumfrage des VDMA Baden-Württemberg beurteilen
77 Prozent der knapp 230 antwortenden Unternehmen die aktuelle Auftragslage als sehr gut oder gut. Nur 5 Prozent sind mit ihrer Auftragslage unzufrieden.

Umsatzperspektive von knapp 88 Milliarden Euro

85 Prozent der Unternehmen gehen von einem Umsatzanstieg gegenüber Vorjahr aus. Im gewichteten Durchschnitt erwarten sie einen Zuwachs von nominal 6 Prozent. Dies entspricht einem realen Plus von knapp 5 Prozent.

Auf Basis dieser Erwartungen ist für den baden-württembergischen Maschinenbau 2018 ein Rekordumsatz von annähernd 88 Milliarden Euro möglich.

Vorsichtiger Ausblick auf 2019

Für das Jahr 2019 sind die Unternehmen in ihren Erwartungen vorsichtiger. Sie rechnen im Schnitt mit einem Umsatzzuwachs von 2 Prozent. 18 Prozent der Unternehmen halten sogar einen Umsatzrückgang für wahrscheinlich.

„Die Vorsicht der Unternehmen erklärt sich durch das starke Wachstum der Vorjahre. Aber auch das politisch unsichere Umfeld im Inland und der Trend zu mehr Protektionismus spielen eine Rolle“, erläuterte Kammüller.

Grundlage für Wachstum und Beschäftigung seien vor allem freier Handel und offene Märkte. „Statt Partikularinteressen zu verfolgen muss sich die Politik unermüdlich für ein starkes Europa einsetzen, das den regelbasierten freien Handel mit einer Stimme verteidigt“, betonte Kammüller.

Exporte wachsen weiter

Absatzmarkt Nummer eins der baden-württembergischen Maschinenbauer ist – wie im Vorjahr - Deutschland. Doch der Maschinenbau profitiert ebenso von den Projekten seiner internationalen Kunden. Für das laufende Jahr erwarten die Betriebe ein Exportwachstum von knapp 6 Prozent.

Positiv beurteilen die an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen vor allem den Euroraum (EU 19), die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU 28) sowie China und die USA.

Der baden-württembergische Maschinenbau führte 2017 Waren im Wert von 4,5 Milliarden Euro in die Volksrepublik aus. Gegenüber dem Jahr 2016 entsprach das einer Steigerung von rund 23,5 Prozent.

Die USA sind seit 2014 der größte Einzelmarkt der baden-württembergischen Maschinenbauer. Das Ausfuhrvolumen ist im Gesamtjahr 2017 um 9 Prozent auf knapp 5 Milliarden Euro gewachsen und in den ersten drei Monaten des Jahres 2018 nochmals um 14 Prozent angestiegen.

„Ohne Zweifel hat Präsident Trumps Steuerreform neue Impulse für Investitionen und Konsum freigesetzt“, sagte Kammüller. Die Kehrseite seiner Politik sei die Forderung nach revidierten Handelsbeziehungen und damit der Trend zu mehr Protektionismus.

Weniger Ausfuhren nach Großbritannien

Negativ fallen die Geschäftserwartungen der Betriebe an Brasilien, Russland und Großbritannien aus.

„Die britische Wirtschaft schnitt 2017 zwar besser ab als erwartet. Für 2018 rechnet der VDMA aber mit einem Lieferrückgang, ausgelöst durch allgemeine Unsicherheit und den Kursverfall des Pfund“, sagte Kammüller. Hoffnung setze man auf Freihandels- und Partnerschaftsabkommen, die die schlimmsten Handels- und Geschäftsbarrieren durch den Brexit verhindern könnten.

Steigerungsrate bei Beschäftigung überdurchschnittlich

Der Maschinen- und Anlagenbau Baden-Württemberg hat im Jahresverlauf 2017 fast 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgebaut und beschäftigte zuletzt über 318.000 Personen. Die Steigerungsrate von 3,2 Prozent gegenüber Vorjahr lag deutlich über dem Durchschnitt der Südwestindustrie. Laut Konjunkturumfrage setzt sich der Beschäftigungsaufbau 2018 weiter fort.

Fachkräftemangel ist wichtigstes Wachstumshindernis

„Der stetige Zuwachs an Mitarbeitern ist vor allem deswegen bemerkenswert, weil er sich vor dem Hintergrund eines zunehmenden Fachkräfteengpasses vollzieht“, erläuterte Kammüller. 64 Prozent der an der Konjunkturumfrage teilnehmenden Firmen, und damit 20 Prozent mehr als im Vorjahr, klagen über Produktionshindernisse, die durch einen Mangel an Arbeitskräften verursacht werden. Derzeit haben fast 40 Prozent der rückmeldenden Betriebe offene Stellen für Facharbeiter und 38 Prozent für Ingenieure, was sich insgesamt auf 3.000 offene Stellen beläuft.

Botschaft an die Politik: Bürokratische Belastungen abbauen

Die Betriebe wünschen sich in erster Linie einen Abbau bürokratischer Belastungen. Der exportstarke Maschinenbau kämpft derzeit insbesondere mit den zuletzt extrem verschärften Meldepflichten bei der Entsendung von Mitarbeitern innerhalb der EU. „Beinahe jeder Verkauf einer Maschine oder Anlage ist im Maschinenbau mit Montage, Inbetriebnahme oder Wartung verbunden. Die bürokratische Ausgestaltung der Europäischen Entsenderichtlinie trifft uns daher ganz besonders. Wir benötigen hier schnellstmöglich eine Vereinfachung und Vereinheitlichung“, forderte daher Kammüller. 

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