„Großbritannien muss endlich Klarheit schaffen!“

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Die Industrie in Deutschland und Europa braucht dringend Klarheit über die künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Zum Besuch von Premierministerin Theresa May in Berlin fordert der VDMA die britische Seite auf, der EU endlich klare und realistische Angebote für die Zeit nach dem Brexit zu machen.

„Der Brexit schadet schon jetzt der Industrie, weil sich Unternehmen wegen der anhaltenden Unsicherheit mit Investitionen zurückhalten. Ein Indiz dafür ist, dass die Maschinenexporte nach Großbritannien im vergangenen Jahr gegen den Trend um 2 Prozent zurückgegangen und im ersten Quartal 2018 sogar um knapp 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind“, sagt Karl Haeusgen, Vizepräsident des VDMA. „Die britische Regierung muss endlich klare Vorstellungen über die Zeit nach dem EU-Austritt formulieren, um den Schaden für die Wirtschaft in Grenzen zu halten. Viele Vorschläge der Briten, etwa zum Grenzübergang zu Irland, sind vor allem innenpolitisch motiviert und nicht vereinbar mit dem Binnenmarkt der EU. Die Bundesregierung muss sich bei Premierministerin May dafür einsetzen, die Gespräche jetzt auf eine konstruktive Ebene zu bringen.“

„Die britische Regierung muss endlich klare Vorstellungen über die Zeit nach dem EU-Austritt formulieren, um den Schaden für die Wirtschaft in Grenzen zu halten."

Der Maschinenbau warnt davor, dass ein Brexit ohne ein umfassendes Handelsabkommen bestehende Wertschöpfungsketten stark beschädigen würde. Aus Sicht des VDMA müsste ein solches Abkommen vor allem drei Punkte berücksichtigen:

  • Bereits die Entscheidung für den Brexit und die damit verbundene Unsicherheit belastet die Wirtschaft im Vereinigten Königreich. Ein harter Brexit, bei dem das Vereinigte Königreich die EU ohne An¬schlussvertrag verlässt, muss unbedingt vermieden werden.
  • Nach dem Brexit muss das Vereinigte Königreich von der EU zollrechtlich als „Drittland“ behandelt werden. Unabhängig vom künftigen vertraglichen Verhältnis zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU - egal ob Zollunion oder Freihandelsabkommen - werden für den Handel Zollabfertigungen erforderlich. Das führt zu erheblichem Mehraufwand insbesondere für den industriellen Mittelstand. Zollbürokratie muss generell vereinfacht werden, etwa durch Selbstveranlagung.
  • Für die Inbetriebnahme und Montage von Maschinen, Komponenten und Anlagen müssen in aller Regel Monteure zum Kunden ins Vereinigte Königreich reisen. Auch für Arbeiten an Tochterstandorten im Vereinigten Königreich sind regelmä¬ßig Entsendungen von deutschen Mitarbeitern ins britische Werk und umgekehrt notwendig. Der freie Zugang für Monteure aus der EU nach Großbritannien sowie die Freiheit der Entsendung von Mitarbeitern in eigene Auslandsniederlas¬sungen müssen dringend gewährleistet werden.“

 

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