Führt die Digitalisierung zu Ressourceneffizienz oder Ressourcenverbrauch?

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„Es ist schwer abzuschätzen, inwieweit auf der einen Seite effizientere Prozesse durch Digitalisierung und Industrie die andererseits wachsenden Energiebedürfnisse von Rechenzentren übertrumpfen“, sagt Naemi Denz, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im VDMA, anlässlich einer Podiumsdiskussion auf dem Hessischen Ressourceneffizienzkongress 2018.

Die Datenmengen des Internets und anderer Netzwerke werden weiterhin stark zunehmen und vermehrt Rechnerkapazitäten und damit Energie benötigen. Schon jetzt beträgt der Stromverbrauch von Rechenzentren allein in Deutschland 12 Terra-Watt-Stunden (2015).

Dennoch bleibt Denz optimistisch: „Energie ist nur ein Teil der Ressourceneffizienz. Für die Materialeffizienz würde ich die Frage eindeutig mit 'Ja' beantworten. Wenn Materialverbräuche endlich messbar gemacht und die Daten ausgewertet und analysiert werden – das möglichst auch noch über Unternehmensgrenzen hinweg –, dann wird die Materialeffizienz deutlich gesteigert“, ist Denz überzeugt. „Beispiele wie Unternehmen das gelingen kann, sind auf der Plattform unserer Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence zu finden“, empfiehlt sie.

Für den Maschinenbau ist die Frage, ob Digitalisierung zu mehr oder weniger Ressourcenverbrauch führt, vor allem mit Blick auf die Umsetzung von Industrie 4.0 in den Unternehmen interessant. Eine Studie von PWC aus dem Jahr 2016 ("Chancen und Herausforderungen der industriellen Revolution“) kommt zu dem Ergebnis, dass Industrie 4.0 in den nächsten fünf Jahren zu Effizienzsteigerungen in Höhe 18 Prozent führen wird. Ausschlaggebend sei, dass Industrie 4.0 eine höhere Produktions-, Energie- und Ressourceneffizienz schafft. „Wichtig ist aber, dass diese Nachhaltigkeitsaspekte bei der Umsetzung von Industrie 4.0 auch mitgedacht werden“, fordert Denz. „Beispiele wie Unternehmen das gelingen kann, sind auch auf der Blue Competence Plattform zu finden.

Das hessische Wirtschaftsministerium hatte zu diesem Kongress eingeladen. Dem Ruf folgten mehr als 400 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, um klassische Ansätze wie Materialeinsparungen, Recycling und Produktionseffizienz im Lichte digitaler Möglichkeiten neu zu denken.

"Nachhaltigkeitsaspekte müssen bei der Umsetzung von Industrie 4.0 mitgedacht werden!" Naemi Denz