Thüringer Maschinenbauer 2017 mit kräftigem Umsatzplus

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Die Unternehmen des Thüringer Maschinenbaus waren 2017 auf Wachstumskurs. Gut gefüllte Auftragsbücher führten zu neuen Rekordwerten in Umsatz, Beschäftigung und Produktivität.

  • Besonders Auslandsumsatz und Produktivität gestiegen
  • Im Exportgeschäft dennoch weiter Nachholbedarf
  • Fachkräftelücke und außenpolitische Risiken als Wachstumsbremse


Leipzig, 29. März 2018 – Die Maschinen- und Anlagenbauer in Thüringen waren auch 2017 auf Wachstumskurs. Gut gefüllte Auftragsbücher führten zu neuen Rekordwerten in Umsatz, Beschäftigung und Produktivität. Das geht aus den veröffentlichten Daten des Thüringer Landesamtes für Statistik hervor.

Die knapp 100 Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern verkauften Maschinen, Anlagen und Komponenten im Wert von reichlich 2,8 Milliarden Euro. Das entspricht einer Umsatzsteigerung von 6 Prozent beziehungsweise 162 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. "Die Betriebe haben in den vergangenen Jahren trotz aller politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten kontinuierlich zugelegt. Daran knüpften sie 2017 erfolgreich an. Mit einem beachtlichen Sprung gelang ihnen sogar der höchste jemals erzielte Wert", freut sich Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost. Innerhalb Ostdeutschlands liegen die Maschinenbauer aus Thüringen auf Position drei. Am umsatzstärksten war Sachsen mit 7,8 Milliarden Euro, dahinter folgte Mecklenburg-Vorpommern mit 3,2 Milliarden Euro.


Mehr Unternehmen müssen Schritt ins Ausland wagen

Ebenfalls deutlich zugelegt haben die Unternehmen beim Auslandsumsatz. Er kletterte um stattliche 11 Prozent auf fast 1,3 Milliarden Euro. Dies wirkte sich auch auf die Exportquote aus – sie war mit knapp 45 Prozent so hoch wie noch nie. "Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Zur Jahrtausendwende exportierten die Firmen gerade einmal 25 Prozent ihrer Waren ins Ausland", sagt Pätz. Und dennoch hinken die Betriebe im Vergleich mit anderen Bundesländern hinterher. In Ostdeutschland nimmt Thüringen Rang fünf ein – knapp vor Sachsen-Anhalt und in Sichtweite zu Brandenburg, aber mit großem Abstand zum Spitzenreiter Berlin (72 Prozent). Noch stärker ist die Diskrepanz zum gesamtdeutschen Maschinen- und Anlagenbau mit einer Exportquote von etwa 77 Prozent.

"Die Gründe hierfür sind noch immer historisch bedingt. Die geringere Zahl an Unternehmen und die Betriebsgrößen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die ausgeprägte Zulieferstruktur", konstatiert Pätz. Um sich jedoch langfristig auf dem Markt behaupten zu können, müssten auch kleinere Betriebe den Schritt ins Ausland wagen. Dies könne über Kooperationen gelingen.


Fachkräfteengpass als Wachstumsbremse

Die Beschäftigungskurve zeigte moderat nach oben. Im Jahr 2017 arbeiteten durchschnittlich 15.475 Menschen im Maschinen- und Anlagenbau, etwa 140 mehr als ein Jahr zuvor. Spürbar erhöht hat sich zudem die Produktivität. Dies lasse sich unter anderem auf effizientere Produktionsabläufe, Investitionen und Innovationen zurückführen.

Der Verband erwartet, dass sich der positive Trend im Thüringer Maschinenbau im laufenden Jahr fortsetzt. Abgewartet werden müsse jedoch, ob aktuelle politische und wirtschaftspolitische Risiken eskalieren. Als Gefahr gilt demzufolge die US-amerikanische Handelspolitik, aber auch die jüngste Entwicklung im Verhältnis zu Russland.

Besorgt zeigt sich Pätz außerdem beim Thema Fachkräfte. "Der zunehmende Engpass war 2017 erstmals das größte Produktionshindernis im Maschinenbau. Die sich bildende Fachkräftelücke entwickelt sich zur Wachstumsbremse, wenn Aufträge nicht angenommen und ausscheidende Mitarbeiter nicht sofort adäquat ersetzt werden können", warnt er. Darüber hinaus müsse die deutsche Politik dringend wettbewerbsrelevante Fragen lösen. Gefragt seien Zukunftskonzepte für Themen wie Verkehrsinfrastruktur, Bildung und Digitalisierung.

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