Fortschritte in den Brexit-Verhandlungen: Jetzt nicht nachlassen!

European Union 2017

Die grundsätzliche Einigung auf eine Übergangsphase für den EU-Austritt Großbritanniens ist eine gute Nachricht für die Industrie. Allerdings sind wesentliche Fragen nach wie vor ungeklärt.

Der Maschinenbau schöpft neue Hoffnung, dass ein harter Brexit noch verhindert werden kann. „Nach den Machtspielen der vergangenen Monate ist es eine Erleichterung, dass EU und Großbritannien noch konstruktiv zusammenarbeiten können“, sagt Holger Kunze, Leiter des VDMA European Office zur Zustimmung des Europäischen Rates zum Eintritt in die nächste Verhandlungsphase und eine mögliche Übergangsfrist bis 2020. Allerdings mahnt Kunze: „Es ist zu früh, um Entwarnung zu geben, wir dürfen jetzt auf keinen Fall das Tempo aus den Verhandlungen nehmen. Umstrittene Punkte wie die Grenze zu Irland sind nach wie vor ungeklärt.“

Für die europäischen Maschinenbauer ist die grundsätzliche Einigung auf eine Übergangsphase ein wichtiges Signal, dass bestehende Handelswege und Wertschöpfungsketten mittelfristig erhalten bleiben könnten. „Die Unternehmen müssen frühzeitig beurteilen können, ob sich Investitionen in das Geschäft mit britischen Kunden auch in Zukunft lohnen“, sagt Kunze. Schon im vergangenen Jahr ging der Export deutscher Maschinenbauer nach Großbritannien um knapp 3 Prozent zurück. „Durch eine Übergangsfrist hat auch die Wirtschaft Zeit gewonnen, sich besser auf Folgen des EU-Austritts Großbritanniens einstellen zu können“, so Kunze.

"Unternehmen müssen frühzeitig beurteilen können, ob sich Investitionen in das Geschäft mit Großbritannien auch in Zukunft lohnt"

Dennoch sind aus Sicht des VDMA nach wie vor entscheidende Punkte nicht geklärt. „Es weiterhin offen, wie Grenzkontrollen zwischen der EU und Großbritannien langfristig verhindert werden sollen“, sagt Kunze. Während der Übergangsphase wird dieses Problem voraussichtlich dadurch gelöst, dass das Vereinigte Königreich Teil der Zollunion bleibt. Dieses Modell regt der VDMA auch für die Zeit nach 2020 an. „Eine Zollunion zwischen der EU und Großbritannien würde viele Probleme lösen. Dafür ist aber politischer Wille vor allem auf britischer Seite erforderlich.“