Maschinenbauer in der Hauptstadtregion mit gemischter Bilanz 2017

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Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg hat die Daten für den Maschinen- und Anlagenbau im Jahr 2017 veröffentlicht. Demnach ging die Nachfrage nach Berliner Produkten und Dienstleistungen zurück – die Brandenburger Betriebe hingegen legten bei Umsatz und Beschäftigung deutlich zu.

  • Brandenburger Unternehmen zurück in der Erfolgsspur
  • Berliner Unternehmen mit Allzeithoch bei Exportquote
  • VDMA Ost appelliert an die Politik


Die Auftragsbücher der Maschinen- und Anlagenbauer in der Hauptstadtregion waren 2017 gut gefüllt. Die Erfolgsbilanz der Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern fällt jedoch im Vergleich zum Vorjahr unterschiedlich aus. Während die Nachfrage bei den Berliner Betrieben etwas nachgelassen hat, legten die Brandenburger bei Umsatz und Beschäftigung deutlich zu. Das geht aus den veröffentlichten Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hervor.

Brandenburger Unternehmen mit neuem Schwung

Die Brandenburger Maschinenbauer kehrten nach einem durchwachsenen Jahr 2016 wieder in die Erfolgsspur zurück. Demnach verkauften die 33 Unternehmen Maschinen, Anlagen und Komponenten im Wert von etwa 665 Millionen Euro. "Das ist eine Umsatzsteigerung von 13 Prozent und der höchste Wert der vergangenen neun Jahre. Dennoch rangiert Brandenburg im ostdeutschen Vergleich nur an letzter Stelle", sagt Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost.

Der Auslandsumsatz kletterte 2017 ähnlich stark. Die Exportquote verharrte indes auf dem Vorjahresniveau von reichlich 46 Prozent. Hier gebe es Pätz zufolge enormen Nachholbedarf, auch wenn die Brandenburger Betriebe prozentual mehr Waren exportierten als die in Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im Vergleich zum Exportanteil des gesamtdeutschen Maschinen- und Anlagenbaus von etwa 77 Prozent hinkten sie jedoch weit hinterher. "Die Gründe hierfür sind noch immer historisch bedingt. Die geringe Anzahl an Unternehmen und die Betriebsgrößen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die ausgeprägte Zulieferstruktur", erklärt der Landesverbands-Geschäftsführer.

Stark nach oben zeigte die Beschäftigungskurve. In den Firmen arbeiteten im Jahr 2017 durchschnittlich 4.162 Menschen – etwa 6 Prozent oder 244 Personen mehr als 2016.


Berliner Unternehmen im Ausland stark

Der Berliner Maschinenbau hingegen musste 2017 einen leichten Dämpfer hinnehmen. Die 33 Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern setzten Waren im Wert von zirka 2 Milliarden Euro um. "Das ist ein Rückgang von reichlich 8 Prozent beziehungsweise etwa 182 Millionen Euro gegenüber 2016", erläutert Pätz. Gleichzeitig betont er, dass 2016 das umsatzstärkste Jahr seit 2008 war. Dieses sei aufgrund der zahlreichen geopolitischen Unsicherheiten schwer zu wiederholen gewesen. So schrumpfte 2017 auch der Auslandsumsatz.

Ungeachtet dessen gehen von Berlin aus mittlerweile fast dreiviertel der Produkte ins Ausland. 2017 exportierten die Unternehmen rund 72 Prozent ihrer Waren – das ist der höchste Wert seit dem politischen Umbruch 1990 und aller ostdeutschen Bundesländer. Berlin erreicht damit zugleich als einziges Land annähernd die bundesweite Exportquote.

Erstmals seit 2013 stieg zudem die Zahl der Mitarbeiter. Die Firmen beschäftigten im Jahr 2017 durchschnittlich fast 9.000 Menschen. "Einige Betriebe wollen auch in den kommenden Monaten ihren Mitarbeiterstamm aufstocken. Ich befürchte jedoch, dass es nicht allen gelingen wird, die benötigten Auszubildenden, Facharbeiter, Ingenieure und Führungskräfte auch tatsächlich einzustellen. Das kann Wachstum bremsen", ist Pätz besorgt. So war 2017 der zunehmende Fachkräfteengpass zum ersten Mal das größte Produktionshindernis.


Aufwärtstrend im Jahr 2018 – Politik muss Wachstumshemmnisse abbauen

Der Verband erwartet im laufenden Jahr dennoch eine Aufwärtsbewegung der Maschinenbau-Unternehmen in der Hauptstadtregion. Voraussetzung sei jedoch, dass sich wesentliche außenpolitische und außenwirtschaftliche Rahmenbedingungen nicht verändern. Darüber hinaus müsse die Politik dringend wettbewerbsrelevante Fragen lösen und Wachstumshemmnisse abbauen. "Statt punktueller Flickschusterei sind Zukunftskonzepte unerlässlich. Das gilt insbesondere für Themen wie Verkehrsinfrastruktur, Gewerbeflächen, Digitalisierung und Bildung", betont Pätz.

Erfreut registriert der Geschäftsführer, dass der Stellenwert der Industrie in Berlin wieder zunimmt. So arbeitet der Senat derzeit gemeinsam mit Unternehmen, Verbänden wie dem VDMA Ost, Gewerkschaften, Wissenschaftseinrichtungen und der Senatsverwaltung für Wirtschaft an einer zügigen und konkreten Fortschreibung des Masterplans Industriestadt Berlin.

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