Nachwuchs sichern – aber wie?

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Um den Nachwuchs für die Zukunft zu sichern, reichen traditionelle Maßnahmen vielerorts nicht mehr aus. Neue Ansätze sind gefragt. Eine online Datenbank liefert frische Ideen.

Interesse für den Maschinenbau wecken, technische Berufe greifbar machen und das Unternehmen als guten Arbeitgeber präsentieren. Das alles mit begrenzten Ressourcen und zusätzlich zum Tagesgeschäft. Gar nicht so einfach. Besonders wenn die Projektidee erst noch entwickelt werden muss.


Im Rahmen der Azubikampagne sammelt der VDMA deshalb gute Beispiele aus der Nachwuchsarbeit rund um Recruiting und Ausbildung. Veröffentlicht werden sie in einer neuen online Datenbank. Die Themen sind vielfältig. Von A wie Auslandserfahrungen über K wie Kooperationen mit Schulen bis hin zu Z wie Zukunft für Flüchtlinge. Ein nützliches Angebot für Ausbildungs- und Personalverantwortliche. Dieser Artikel beleuchtet exemplarisch drei der guten Beispiele.


Lehrer ins Betriebspraktikum
Noch selten genutzt, aber sehr effektiv sind Lehrerpraktika. Je mehr Lehrkräfte den betrieblichen Alltag von innen kennen, desto besser können sie ihre Schülerinnen und Schüler auf dem Weg von der Schule in den Beruf begleiten. Die Wilo SE macht vor, wie es gehen kann. Bereits seit acht Jahren führt der Dortmunder Maschinenbauer sowohl im kaufmännischen als auch im technischen Bereich Praktika für Lehrkräfte durch: In zwei bis drei Wochen bekommen Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit, betriebliche Praxis hautnah zu erfahren. Dafür tauschen sie sich mit Auszubildenden aus – und packen im technischen Bereich auch in der Lehrwerkstatt mit an. Freiwillig, versteht sich. Denn meist werden Lehrer von ihren Schulen nicht freigestellt, sondern müssen ihre freie Zeit in den Ferien nutzen. Was sie aber gerne tun: „Die Lehrkräfte sind sehr motiviert, weil sie wissen, dass das Praktikum sowohl ihnen selbst als auch ihren Schülerinnen und Schülern zu Gute kommt“, sagt Ausbildungsleiterin Heidemarie Schöpke. „Das zeigt nicht nur ihr Engagement während des Praktikums selbst, sondern auch die Tatsache, dass das Betriebspraktikum für Lehrer sehr gut nachgefragt wird.“ Mehr Infos zu diesem Beispiel


Schulischer Technikunterricht im Unternehmen
Schulen sollen zwar Technikunterricht anbieten, sind dafür aber oft nicht gut genug ausgestattet. Der Magdeburger Maschinenbauer FAM holt deshalb schulischen Technikunterricht der achten Klasse aus der Schule heraus in die Lehrwerkstatt. In Kooperation mit zwei festen Partnerschulen werden besonders technikaffine Schülerinnen und Schüler der achten Klassen einmal wöchentlich im Metallbereich unterrichtet. „Dies schult nicht nur das technische Talent der Azubis von morgen, die Jugendliche lernen so auch das Arbeitsleben kennen“, erklärt Personalleiter Joachim Walter. Innerhalb dieser sechs- oder knapp zwölfmonatigen Projektzeit lernen die jungen Talente technische Zeichnungen zu verstehen, zu lesen und sie in die Praxis umzusetzen. Mit jugendgerechten Arbeiten am Schraubstock werden erste Fähigkeiten im Bohren, Fräsen oder Drehen vermittelt. Durch kleine Projekte wie das Bauen eines Stifthalters, durchlaufen die Jugendlichen verschiedene technische Produktionsprozesse. Der Erfolg lässt sich in Zahlen ausdrücken. Im Schnitt bewerben sich 15% der Teilnehmer für einen Ausbildungsplatz bei FAM. Mehr Infos zu diesem Beispiel

Yury Koroliak

Schon in Kindergärten ansetzen? Funktioniert!
Mit pädagogisch begleiteten Experimenten kann man über die kindliche Neugier schon früh Technikinteresse wecken. Ein gutes Beispiel dafür ist der Technolino-Tag der Firma Arburg im baden-württembergischen Loßburg. Luftballon-Autos zusammenbauen, Katamarane mit Gummimotor in einem Schwimmbecken vom Stapel laufen lassen, Eiskugeln fangen oder Clowns balancieren: Bei Technikprojekten wie diesen steht für die Vorschulgruppen der kooperierenden Kindergärten jede Menge Spaß auf dem Programm. An vier Stationen warten auf die fünf- bis sechsjährigen Jungen und Mädchen Aufgaben zum Basteln, Bauen, Knobeln und Konstruieren – und damit auch stets die Herausforderung, selbstständig Lösungswege zu finden. Versuch macht klug, lautet schließlich das implizite Motto des Technolino-Tages, bei dessen Konzeption das Unternehmen schon im Vorfeld neue Wege geht: Erarbeitet werden das didaktische Konzept und die konkreten Experimentierstationen für den Tag gemeinsam von Arburg-Azubis und angehenden Grund- und Werkrealschullehrern. „So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe,“ sagt Ausbildungsleiter Harald Gnegel. Mehr Infos zu diesem Beispiel


Fazit
Beim Thema Nachwuchsmangel ziehen die VDMA-Mitglieder in Konkurrenz zu anderen Industrien an einem Strang. Wenn viele über ihre erfolgsversprechenden Nachwuchsaktionen berichten, verfügen schlussendlich alle über ein beachtliches Repertoire an Fachwissen. Nebenbei wird mit den vielen großen und kleinen Projekten das Image des Maschinen- und Anlagenbau mit vereinten Kräften nach vorne gebracht.


Sie haben eine Erfolgsgeschichte, die Sie gerne teilen möchten? Erzählen Sie uns davon! Der VDMA übernimmt gern das Schreiben für Sie und fügt Ihr Projekt der Sammlung hinzu!