„Nachhaltigkeit – ein Steuerungsinstrument in unruhigen Zeiten?!“

VDMA

Klimawandel, Flüchtlingsströme, Menschenrechte, Konfliktmineralien, zunehmende Transparenzanforderungen – wie Unternehmen mittels Nachhaltigkeit diese Themen steuern können, stand im Fokus eines VDMA-Infotages am 23. Oktober in Frankfurt.

„’My obligation is to the American People. The Paris Accord would undermine our economy… and put us at a permanent economic disadvantage to the other countries of the world’." So hat Donald Trump seinen Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen begründet. Glücklicherweise stand der amerikanische Präsident mit dieser Haltung alleine da, denn Klimaschutz gehört zu den wichtigsten Aufgaben unserer Zeit. Das haben mittlerweile auch fast alle Akteure erkannt“, eröffnete Judith Herzog, Referentin für Nachhaltigkeit und die Initiative Blue Competence im VDMA, den Infotag. Aber, und das veranschaulichte das facettenreiche Veranstaltungsprogramm, Klimaschutz ist im Themenfeld Nachhaltigkeit längst nicht mehr die einzige Herausforderung.

Wachsende Kompelexität

Welche Auswirkungen damit auf das Wirtschaften von Unternehmen verbunden sind, erläuterte Kai Beckmann, Director, Bereichsleitung Compliance, Risk & Responsibility, bei der Wirtschafts- und Steuerprüfungsgesellschaft Mazars GmbH & Co. KG anhand aktueller zum Teil gesetzlich verbindlicher Anforderungen:

  • Der sogenannte CSR-Bericht – CSR steht für Corporate Social Responisbility, der für große kapitalmarktorientierte Unternehmen ab diesem Geschäftsjahr verbindlich ist und den ökonomischen Geschäftsbericht um nichtfinanzielle, sprich soziale und umweltrelevante Aspekte erweitert.
  •  Der im letzten Jahr vom Bundeskabinett verabschiedete Nationale Aktionsplan zu Wirtschaft und Menschenrechte ein, der noch auf das freiwillige Engagement von Unternehmen in ihren Lieferketten setzt.
  • Die 2015 von den Vereinten Nationen beschlossenen Agenda 2030 mit ihren 17 Sustainable Development Goals (SDGs) auf, die bis 2030 weltweit umgesetzt werden soll.

All das hat Auswirkungen auf die Lieferkette. Die Anforderungen auch an kleine Mittelständler, die von vielen Regularien häufig nicht direkt betroffen sind, wachsen. Die Folge sind zunehmende Dokumentationspflichten, wie Beckmann am Vergabeprozess von BMW verdeutlichte. Der Automobilkonzern verlangt von seinen direkten Lieferanten, die mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen, die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts und von Lieferanten größer 100 Mitarbeiter ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem.

Zunehmende Anforderungen – was hilft?

„Unerlässlich ist ein strategischer Nachhaltigkeitsansatz, mit dem das Unternehmen unter Einbindung interner und externer sowie internationaler Anspruchsgruppen gesteuert wird“, lautet die Antwort von Beckmann. Er sieht dabei drei wesentliche Handlungsschritte:

  • Ein Managementkonzept, das Ziele und Handlungsfelder mit Hilfe einer Wesentlichkeitsanalyse identifiziert,
  • Die Prozessintegration eines auf Kennzahlen basierenden Maßnahmenplans, der den Rechtsrahmen berücksichtigt,
  • Schließlich ein Reporting mit dem auch eine Standardisierung der Datenprozesse einhergeht.

Die Empfehlung von Altan Dayankac hatte die gleiche Stoßrichtung. Der Senior Berater, der DQS GmbH hob die enorme Vielzahl unterschiedlicher Standards, Initiativen, Managementsystemen und Reportingsystem hervor. Dabei vermittelte er auch, welche CSR-relevanten Inhalte von den einzelnen Standards abgedeckt werden und empfahl die Durchführung einer CSR Compliance Risiko Analyse.

Marvin Schulze-Quester von der EcoIntense GmbH, verriet abschließend Unterstützungsmöglichkeiten, CSR-Instrumente und Softwaretools bieten, um Nachhaltigkeit im Unternehmen zu steuern.

Exkurs: Konfliktmineralien

Sebastian Galindo, Compliance Consultant der iPoint-systems GmbH erläuterte die aktuelle Gesetzgebung und die Auswirkungen auf Unternehmen. Als Konfliktmineralien werden Minerale bezeichnet, die Zinn, Tantal oder Wolfram enthalten sowie Gold. Die Europäische Union hat in diesem Jahr eine Verordnung verabschiedet, die die Sorgfaltspflichten von Unternehmen bei der Einfuhr von Konfliktmineralien regelt. Sie tritt 2021 in Kraft. In USA existiert eine entsprechende Regulierung, der Dodd-Frank Act, bereits seit 2014.

Themen im Praxistest

Im Praxismarkt wurden konkrete Umsetzungsbeispiele von VDMA-Mitgliedsfirmen vorgestellt und mögliche Handlungsschritte gemeinsam eruiert. Zum Beispiel wie sich die SDGs in das Unternehmen integrieren lassen, welche Hürden es bei der CSR-Berichtspflicht zu meistern gilt oder wie eine menschenrechtliche Sorgfaltsprüfung funktioniert.

Friedemann Hensgen, Vorstandsvorsitzender der Rittal Foundation schilderte eindrücklich, wie die Integration von Flüchtlingen gelingen kann. Und das Thema Lieferkette wurde gleich von zwei Seiten beleuchtet – zum einen aus der Blickrichtung, welche Forderungen Kunden an Maschinenbauer stellen und zum andern, welche Maßnahmen das Unternehmen selbst tätigen kann. Letzteres verdeutlichte Anke Ebert von Wilo SE. Die Firma, die in diesem Jahr nominiert für den deutschen Nachhaltigkeitspreis ist, leistet anhand des gelebten Kreislaufgedankens einen aktiven Beitrag für Nachhaltigkeit in der eigenen Lieferkette.