„Die Industrie braucht Europa – und Europa braucht die Industrie“

Benjamin Brolet

Anlässlich seines 125-jährigen Bestehens diskutierte der VDMA im Rahmen eines Abendempfangs in Brüssel die Zukunft der europäischen Industrie.

 

Die EU kann mehr tun, um Europa als Industriestandort zu sichern – diese Erkenntnis gibt es nicht nur in den Unternehmen, sondern auch in der Europäischen Kommission. „Seit 2014 hat die europäische Industrie 1,5 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Aber diese positive Entwicklung findet nicht in allen Staaten gleichermaßen statt. Das ist ein Problem, dass wir angehen müssen“, sagte Lowri Evans, Generaldirektorin für Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU in der EU-Kommission, auf dem Empfang anlässlich des 125-Jährigen Bestehens des VDMA in Brüssel. Vor rund 120 Gästen ging es an dem Abend und die Zukunft der Europäischen Industrie und den Titel der Veranstaltung: „Die Industrie braucht Europa – und Europa braucht die Industrie.“ „Eine Aussage, der ich mich nur anschließen kann“, bekräftigte Evans. 

Während der Podiumsdiskussion herrschte weitgehend Einigkeit, dass sich einige Herausforderung für die Industrie nur auf europäischer Ebene lösen lassen. Ein Beispiel dafür ist die Digitalisierung. „Wenn Wertschöpfungsketten über Landesgrenzen verlaufen, brauchen wir brauchen einen europäischen Ansatz. Keinem ist damit geholfen, wenn Industrie 4.0 nur in Deutschland stattfindet“, sagte Reinhard Bütikofer, Europaabgeordneter der Grünen. Diskutiert wurde auch der EU-Austritt Großbritanniens, bei dem der FDP-Abgeordnete Michael Theurer zu konstruktiver Zusammenarbeit mahnte: „Wir alle haben ein Interesse an guten Handelsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich – und ganz besonders auch die deutsche Industrie.“

"Keinem ist damit geholfen, wenn Industrie 4.0 nur in Deutschland stattfindet"

Eine Initiative zur Reindustrialisierung Europas hatte die Kommission bereits 2014 angekündigt, aber nicht mit letzter Konsequenz verfolgt. VDMA-Präsident Carl Martin Welcker forderte in seiner Rede die EU-Vertreter auf, die Belange der Industrie grundsätzlich stärker in den Vordergrund zu stellen und es nicht bei Versprechungen zu belassen. „Die Begeisterung für eine umfassende Industriepolitik scheint mir in Brüssel ein wenig verloren gegangen“, kritisierte Welcker. Innovative Unternehmen aber seien nicht nur wirtschaftlich wichtig, sondern auch mit Blick auf gesellschaftliche Herausforderungen wie dem Klimawandel oder einer alternden Gesellschaft. „Aber dafür müssen wir den richtigen Rahmen schaffen und Europa als attraktiven Industriestandort gestalten.“