Europa braucht die französisch-deutsche Freundschaft

VDMA

Professor Alfred Grosser glaubt fest an die Achse Paris-Berlin und sieht die Verlierer des Brexits in Großbritannien.

Frankreich und Deutschland wollen die gleiche europäische Zukunft – und genau darin liegt die große Chance für die künftige Entwicklung Europas. Eine so tiefe und prägende Freundschaft wie François Mitterrand und Helmut Kohl sie pflegten, haben der neue französische Staatspräsident Emmanuel Macron und Kanzlerin Angela Merkel zwar noch nicht entwickeln können. Aber Professor Alfred Grosser -  berühmter Publizist, Politologe und bekennender Europäer – setzt fest darauf, dass die französisch-deutsche Freundschaft der beiden Staats- und Regierungschefs sich ein weiteres Mal als der Motor der europäischen Einigung erweisen wird.

Auf Einladung des VDMA-Hauptvorstands sprach der 92 Jahre alte Deutsch-Franzose über die aktuelle politische Lage, und Grosser machte schnell klar, dass er nicht zum Pessimismus neigt. Zwar seien die Reform-Herausforderungen für Emmanuel Macron nun enorm. Aber der neue Präsident habe sowohl mit seiner Regierungsbildung als auch mit ersten Entscheidungen (etwa die Wiedereinführung des verpflichteten Deutsch- und Englischunterrichts in den Schulen) bewiesen, dass er viel erreichen kann. „Wir sollten ihm dabei helfen“, riet Grosser.

Der Brexit wiederum werde Europa nicht schwächen, betonte er. Der Ausstieg aus der EU werde vor allem Großbritannien treffen, „dort hat man noch immer nicht verstanden, was der Brexit kosten wird“. Nach Ansicht Grossers sollte die EU in den Verhandlungen „hart bleiben; freundschaftlich, aber hart“.

Wirklich besorgt zeigte sich der Grandseigneur der europäischen Politologen nur über das Verhalten einiger osteuropäischen Staaten, insbesondere Ungarn und Polen. Die Art und Weise, wie dort EU-Grundrechte missachtet werden, dürfe nicht hingenommen werden. „Ich hoffe, es wird durchgesetzt, dass diese Länder kein Geld von der EU mehr erhalten“, sagte Grosser unter dem Beifall der Zuhörer.