VDMA-Debatte zum Brexit: „Kein Abkommen ist die schlechteste Lösung“

VDMA

Zum Start der Brexit-Verhandlungen hat der VDMA in Brüssel Vertreter aus Politik und Wirtschaft zusammengebracht. Die einhellige Meinung: Der EU-Austritt Großbritanniens wird für niemanden ein Erfolg.

Es ist die derzeit wichtigste aller Fragen in Brüssel: kann auf eine bittere Scheidung eine gute Partnerschaft folgen? Zum Auftakt der Verhandlungen über einen EU-Austritt Großbritanniens luden deswegen der VDMA und das Medienportal Euractiv am 22. Juni zu einer Podiumsdiskussion in Brüssel mit dem Titel: „Brexit – can a bitter divorce end up in a good trade partnership?“. Vor 80 Gästen äußerten die Diskutanten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ihre Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen des Brexit – und die Hoffnung, dass es sich die Briten am Ende noch einmal anders überlegen.

Zu Beginn der Debatte warf Glenn Vaughan, Leiter der Britischen Handelskammer in Belgien, drei Szenarien für den EU-Austritt seines Landes auf: einen harten Brexit, bei dem außer den WTO-Regeln keine weiteren Handelsvereinbarungen zwischen der EU und Großbritannien bestehen. Einen weichen Austritt, bei dem die Briten im Binnenmarkt und möglicherweise in der Zollunion bleiben. Oder aber der Austritt vom Austritt und damit der Verbleib Großbritanniens in der EU. „Der letzte Punkt scheint derzeit nicht sehr wahrscheinlich“, räumte Vaughan ein. „Aber es bleibt eine Option.“

Einig waren sich dieTeilnehmer, dass es beim Brexit – anders als von der britischen Regierung dargestellt – keine Gewinner geben wird. „Die EU wird verlieren, und die Briten werden sehr, sehr viel verlieren“, sagte Karl Haeusgen, Vizepräsident des VDMA. Industrien wie zum Beispiel der Maschinenbau würden von dem gemeinsamen Rechtsrahmen im Binnenmarkt profitieren – damit sei es aber für das Vereinigte Königreich nach dem Brexit vorbei: „Wenn die EU und Großbritannien erst einmal zwei getrennte Regelwerke haben, wird es sich schwer vermeiden lassen, dass sich beide Seiten in unterschiedliche Richtungen entwickeln.“

„Die EU wird verlieren, und die Briten werden sehr, sehr viel verlieren“

André Sapir vom angesehenen Brüsseler Thinktank Bruegel warnte, dass politische Differenzen zwischen den Verhandlungspartnern ein akzeptables Abkommen über die künftige Zusammenarbeit zwischen der EU und Großbritannien verhindern könnten. „Denn leider geht es bei einer Scheidung selten rational zu“, sagte Sapir. Ähnlich sah das der belgische Europaabgeordnete und Mitglied der Brexit Task Force des Parlaments, Philippe Lamberts, der beide Seiten dazu aufrief, die ohnehin schon knappe Verhandlungszeit konstruktiv zu nutzen: „Gar kein Abkommen wäre die schlechteste Lösung – nicht nur für die Briten, sondern auch für die EU.“

Welche Punkte in einem Abkommen zwischen der EU und Großbritannien aus Sicht des Maschinenbaus berücksichtigt werden müssen, hat der VDMA in einem aktuellen Positionspapier zusammengetragen.