Industrie 4.0 als Geschäftsmodell

Industrie 4.0 wird immer mehr zum Geschäftsmodell und damit zum unternehmerischen Erfolgsfaktor. Als Anbieter sind die Maschinenbauer heute führend, als Anwender in der Spitzengruppe. Auf dem Dreiländerkongress „Maschinenbau vorausgeDACHt“ in Salzburg wurden mögliche Geschäftsmodelle diskutiert.

Moderiert von VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann diskutierten die Unternehmer Franz Koller (User Interface Design GmbH), Wassim Saeidi (WS Kunststoff-Service GmbH) und Dr. Manfred Wittenstein (WITTENSTEIN SE) Ansätze, wie sich Industrie 4.0. in erfolgreiche Geschäftsmodelle umsetzten lässt. Zum einen: neue Produkte oder Dienstleistungen entwickeln – laut einer Studie von VDMA und McKinsey liegt hier das kurzfristige Potenzial bis 2020 bei einem Umsatzanteil von 10 Prozent. Zum anderen: die internen Abläufe in der eigenen Produktion optimieren – laut VDMA/ McKinsey ist hier bis 2020 ein Einsparpotenzial von 5-10 Prozent möglich.

Maschinenbau ist führend

Dr. Wittenstein stellte die aktuelle Studie der IMPULS-Stiftung „Digital-vernetztes Denken in der Produktion“ in den Mittelpunkt seines Eröffnungsvortrags. Ein Drittel der in der Studie befragten Unternehmen hat bereits eine dezidierte Digitalisierungsstrategie, ein weiteres Viertel will in den nächsten drei Jahren eine Digitalisierungsstrategie einführen. Vor allem als Anbieter digital-vernetzter Technologien und Services nimmt der Maschinenbau eine Führungsrolle im Verarbeitenden Gewerbe ein. Die technologische Dynamik ist hoch und die Maschinenbauindustrie arbeitet als klassischer Technologie-Integrator intensiv an neuen Lösungen. Allerdings besteht in vielen Betrieben noch Nachholbedarf in der Personalentwicklung. Dr. Wittenstein rundete seinen Vortrag durch konkrete Beispiele aus seinem Unternehmen ab, so die „FITBONE App“ zur Behandlung von Knochenwachstum und die im Unternehmen praktizierte „Indoor Navigation“ zur Optimierung der eigenen Produktion.

Franz Koller sprach über „Business Modeling“ im Kontext mobiler Apps. Jede Idee brauche ein funktionierendes Geschäftsmodell, wenn sie sich langfristig halten und möglichst viele Menschen erreichen möchte, betonte er. Der Arbeitskreis Mobile, Apps und Co. des Forums IT@Automation im VDMA, in dem Keller engagiert ist, hat sich zur Aufgabe gestellt genau dies auf Mobile Apps für Smart Devices im industriellen Umfeld anzuwenden. Dabei geht es nicht darum, konkrete Geschäftsmodelle zu entwickeln, sondern die richtigen Fragen zu stellen, um einen individuelle Weg für jedes Unternehmen und Vorhaben zu ermöglichen. Diese neue Checkliste steht allen VDMA-Mitgliedern zur Verfügung.

Wassim Saeidi stellte sein von ihm 2011 direkt nach dem Studium gegründetes Unternehmen vor. In Sachen Industrie 4.0 ist er ein Vorreiter. Alle Mitarbeiter in der Produktion tragen Datenbrillen, das gesamte Team wird über Apps gesteuert, er hat Roboter interaktiv in die Produktion eingebunden. Er legte eindrucksvoll da, welche Potenziale eine komplett auf Industrie 4.0 ausgerichtete Produktion hat. Der Mensch wird dabei weiter im Mittelpunkt stehen, die Erfolg der Produktion hängt entscheidend von der Akzeptanz der Mitarbeiter ab.

Diskussion mit dem Publikum

In einer Diskussionsrunde wurden diverse neue Geschäftsmodelle diskutiert, insbesondere im Hinblick auf kleine Unternehmen. Einigkeit herrschte bei den Experten, dass in der Kooperation, insbesondere im “real-time“ Datenaustausch, erhebliches Potenzial liegt. Unternehmen müssen auch mehr bereit dazu sein, gegenseitig von Fehlern zu lernen. Industrie 4.0 ist ein Thema für alle Unternehmen, die Größeren agieren eher als Vorreiter, während die Kleineren zurückhaltender agieren – schon aus Gründen der Kapitalintensivität und der unternehmerischen Verantwortung. Wichtig sei aber der Austausch, zum Beispiel im Rahmen der Allianz 4.0 in Baden-Württemberg.

Flankiert werden muss die Entwicklung durch ein gutes Bildungssystem, lebenslanges Lernen ist dabei ein Schlüssel. Im Vergleich zu Wettbewerbsregionen wie den USA könne in der DACH-Region auf eine gute Basis aufgebaut werden, hieß es. Generell sieht Wittenstein im Wettbewerb mit China und den USA eine Chance – für mehr Geschäft, aber auch für neue Kooperationen. Maschinen müssen dazu künftig noch mehr mit Sensorik ausgestattet sein, Servicepartner müssen in der Lage sein, die Informatik zu verstehen und die Maschinendaten in der gewünschten Schnittstelle an den Kunden zu übergeben, und generell müsse die Kooperation zwischen Maschinenbau, IT und Beratung ausgebaut werden.
Das Fazit: Es gibt im Maschinenbau für Industrie 4.0 viele erfolgsversprechende Ansätze und viele Chancen für gemeinsame Projekte mit den Kunden.