Maschinenbauer warnen vor neuem Protektionismus und Handelsschranken

Festo

Die Maschinenbauer in Deutschland setzen sich ohne Wenn und Aber für offene Märkte und freien Handel überall auf der Welt ein. Sie erwarten von der Bundesregierung, dass die deutsche Politik Protektionismus und neue Handelsschranken energisch bekämpft.

Die Maschinenbauer in Deutschland setzen sich ohne Wenn und Aber für offene Märkte und freien Handel überall auf der Welt ein. Sie erwarten von der Bundesregierung, dass die deutsche Politik Protektionismus und neue Handelsschranken energisch bekämpft. „Nationalismus und Protektionismus sind der falsche Weg, das hat uns die Geschichte immer wieder gelehrt“, sagte der scheidende VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge auf der Mitgliederversammlung des Verbands in Berlin. „Offene und freie Märkte sichern dagegen unseren Wohlstand und unsere Arbeitsplätze – auch in ländlichen Regionen“, betonte er.

Mit großer Sorge blickt die Maschinenbauindustrie, der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland mit mehr als 1 Million Beschäftigten, daher auf das Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten. Der künftige US-Präsident Donald Trump hat im Wahlkampf eine Kehrtwende in der amerikanischen Handelspolitik angekündigt und will Zölle und andere Handelshemmnisse wieder aufbauen. „Trump schadet damit in erster Linie seinem eigenen Land. Aber wenn die größte Wirtschaftsmacht der Welt einen protektionistischen Kurs fährt, wird das rund um den Globus zu spüren sein. Wir können nur hoffen, dass er seinen Worten keine entsprechenden Taten folgen lässt und stattdessen zur Vernunft kommt“, sagte Festge. Der VDMA hofft trotz des Wahlergebnisses in den USA, dass die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP nach der Bildung der neuen Regierung unter Berücksichtigung der bisherigen Ergebnisse wieder aufgegriffen werden.

Industrie 4.0 weit vorangebracht
In einer Bilanz seiner dreijährigen Amtszeit hob Festge den großen Schritt hervor, den die Maschinenbaubetriebe in der Umsetzung von Industrie 4.0 gemacht haben. „Ein Drittel der Unternehmen in unserer Industrie hat bereits eine dezidierte Digitalisierungsstrategie, ein weiteres Viertel will in den nächsten drei Jahren eine solche einführen“, erläuterte der VDMA-Präsident. Die Unternehmen sehen den digitalen Wandel als große Chance, erwarten aber bessere Rahmenbedingungen für die Umsetzung. „Hier gibt es noch einige große Baustellen – etwa die ungenügende Anbindung vieler Regionen an schnelle Datennetze oder die noch ungelösten Fragen der Datensicherheit und Datenhoheit“, mahnte Festge.

Meilenstein in Afrika
Als weiteren Meilenstein seiner Amtszeit bezeichnete Festge das Engagement des Verbands in Afrika. In den drei Ländern Botswana, Kenia und Nigeria richtet der VDMA gemeinsam mit Partnern aus der afrikanischen Industrie Trainingszentren ein, die nach dem Start jährlich rund 1000 technische Fachkräfte auf hohem Niveau aus- und weiterbilden sollen. „Leider kommen wir mit dieser Initiative nicht so schnell voran wie geplant, weil wir dieses Unterfangen nicht allein stemmen können. Dafür ist es schlichtweg zu aufwändig. Wir benötigen dazu die Partnerschaft des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Und es stellt sich aus vielerlei Gründen als äußerst mühsam heraus, diesen Weg gemeinsam zu beschreiten – nicht zuletzt mit Blick auf die Akzeptanz der für diese Trainingszentren notwendigen Public-Private-Partnerships“, bemängelte Festge.

Lob für Bundesminister
Ungeachtet aller Sachkritik lobte der VDMA-Präsident zum Abschied den guten und sehr konstruktiven Kontakt mit der Bundesregierung, insbesondere dem Außenministerium und dem Wirtschaftsministerium. „Sigmar Gabriel und sein Ministerium haben sich immer wieder für uns Mittelständler eingesetzt. Sei es nun bei dem Versuch, die Türen auf ausländischen Märkten zu öffnen oder sei es bei der Zusammenarbeit in der Plattform Industrie 4.0, den Branchendialogen oder im Bündnis Zukunft der Industrie. Kaum etwas wird die Unternehmerwelt in den nächsten Jahren so verändern und prägen wie die Digitalisierung auf allen Ebenen. Es ist wichtig, dass das auch im Wirtschaftsministerium verstanden ist und dieser Wandel mit vorangebracht wird“, resümierte Festge.

Der VDMA-Präsident wird auf der Mitgliederversammlung turnusgemäß neu gewählt, eine Wiederwahl des Amtsinhabers ist nicht möglich. Der neue VDMA-Präsident wird nach seiner Wahl am 11. November bekannt gegeben.

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