Erfolgsmodell an deutschen Hochschulen bedroht - VDMA-Befragung zu Berufungsverfahren in den Ingenieurwissenschaften

Der VDMA veröffentlicht eine Befragung von Dekanen des Maschinenbaus und der Elektrotechnik sowie von Leitungen von Hochschulen mit diesen Disziplinen zu Berufungsverfahren in den Ingenieurwissenschaften.

Frankfurt, 18. Februar 2016 – „Industrieerfahrung droht bei Berufungsverfahren an den Hochschulen an Relevanz zu verlieren“, erklärt Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer, anlässlich der Veröffentlichung einer neuen VDMA-Befragung zur Berufungspraxis in den Ingenieurwissenschaften an deutschen Hochschulen.
 

„Damit gerät ein Erfolgsgarant der deutschen Ingenieurwissenschaften massiv in Gefahr“, so Rauen weiter. Gerade für Fachgebiete mit ausgeprägter Anwendungsnähe haben Berufungen aus der Industrie eine herausragende Bedeutung. „Dadurch wissen die Hochschulen, was die Industrie an Forschung und Ausbildungsinhalten braucht“, unterstreicht Rauen. „Gute Professoren zeichnen sich bei uns eben nicht nur durch die bloße Zahl ihrer Publikationen aus“.


Industrieerfahrung von hoher Relevanz
Ausgewählte Ergebnisse der VDMA-Befragung von Dekanen des Maschinenbaus und der Elektrotechnik an deutschen Hochschulen sowie der Leitungen dieser Hochschulen sind:
 

  • 65 Prozent der Dekane und 61 Prozent der Hochschulleitungen sind der Meinung, dass Industrieerfahrung bei ingenieurwissenschaftlichen Professoren einer der wichtigsten Faktoren für die Qualität von Forschung und Lehre ist.
  • 98 Prozent der Hochschulleitungen und 93 Prozent der Dekane geben an, dass eine Industrietätigkeit „sehr gut“ oder „gut“ auf eine Hochschulprofessur vorbereitet. Eine Industrietätigkeit wird damit als beste Vorbereitung auf eine Professur von allen abgefragten Karriereformen angesehen.
  • Bei den Kriterien in den Berufungsverfahren hat es in den letzten fünf Jahren klare Verschiebungen gegeben: Knapp 50 Prozent der Dekane geben an, dass Forschungsprojekte wichtiger geworden seien; 36 Prozent sagen, dass die Bedeutung von Drittmitteln zugenommen habe; bei etwa einem Viertel seien Publikationen wichtiger geworden. Berufungskriterien, die nur schwer während einer Industrietätigkeit zu erbringen sind, haben damit klar an Bedeutung gewonnen.
     

Die Befragung hat der VDMA in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Fakultätentag (AFT), der Konferenz der Fachbereichstage (KFBT), dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) sowie dem Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) durchgeführt. Es beteiligten sich 86 Dekane des Maschinenbaus und der Elektrotechnik sowie 44 Leitungen von Hochschulen mit diesen Disziplinen.
 

Rauen  dazu: „Die gute Beteiligung an der Umfrage zeigt, dass Industrieerfahrung und Anwendungsnähe auch in Zeiten von grundlagenwissenschaftlich orientierten Rankings und der Exzellenzinitiative für die Hochschulen wichtige Themen sind. Exzellente Wissenschaft besteht in den Ingenieurwissenschaften immer auch aus Umsetzungsexzellenz. Dafür sind aber Professoren mit Industrieerfahrung notwendig.“
 

Haben Sie noch Fragen? Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer, Telefon 069 6603-1331, E-Mail: hartmut.rauen@vdma.org, beantwortet sie gern.

Downloads