Konsortial-Benchmarking „Baukasten- und Variantenmanagement“

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Baukästen versprechen die Realisierung einer großen Variantenvielfalt zu marktfähigen Preisen, wenn sie erfolgreich implementiert werden. Im Rahmen eines Konsortial-Benchmarkings identifizierten das Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen und die Complexity Management Academy gemeinsam mit einem Firmenkonsortium die wichtigsten Faktoren eines erfolgreichen Baukasten- und Variantenmanagements.

Das Konzept des Konsortial-Benchmarkings sieht vor, gemeinsam mit einem Konsortium aus Industriepartnern aktuelle Fragestellungen zu definieren und bestehende Lösungsansätze in der Praxis zu untersuchen. So können in einem gemeinsamen Successful-Practice-Vergleich erfolgreiche Vorgehensweisen identifiziert werden.

Dieses Benchmarking bestand aus einem Konsortium der Firmen ABB Schweiz AG, BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH, CLAAS KGaA mbH, MAN Truck & Bus AG, Robert Bosch GmbH und Siemens AG. Mit ihnen wurden die Themen Gestaltung und Controlling von Baukästen, deren organisatorische Verankerung sowie der Nutzen von Baukästen als Schwerpunkte festgelegt.

Studie ergänzt Konsortium-Erfahrungen

Anhand einer internationalen Studie wurden die besonders erfolgreichen „Top Performer“ aus über 133 Unternehmen ausgewählt. Nach einer weitergehenden Prüfung durch die Studienleiter und das Konsortium wurden die Firmen BELIMO Automation AG, Brose Fahrzeugteile GmbH & Co.KG, KIRCHHOFF Holding GmbH & Co. KG, RATIONAL AG und die Vaillant Group als „Successful Practice“ ausgezeichnet.

Diese Unternehmen wurden zusammen mit dem Industriekonsortium und den anderen Successful-Practice-Unternehmen besucht, um die Umsetzung des Baukasten- und Variantenmanagements bei diesen in Bezug auf spezielle Schwerpunkte zu beleuchten.

Die zentralen Ergebnisse der Firmenbesuche sowie des Fragebogens sind vielfältig und bestätigen, dass beim Baukastenmanagement nahezu alle Unternehmensbereiche involviert sind. So ist es beispielsweise auffällig, dass besonders erfolgreiche Unternehmen mehr Abteilungen aus verschiedenen Unternehmensbereichen in die Gestaltung des Baukastenmanagements einbeziehen.

Differenzierung und Standardisierung ausbalancieren

Bei der internen Festlegung der Standards und Variabilität während der Moduldefinition werden fast einheitliche Regeln verfolgt: Die klare Festlegung des Bauraums, der Schnittstellen und der flexiblen Produktmerkmale sind neben der Funktionsorientierung deutliche Erfolgsfaktoren. Jedoch sollte darauf geachtet werden, die Konstruktionsflexibilität nicht zu stark einzuschränken, denn es gilt der Leitsatz „So viel Differenzierung wie nötig, so viel Standardisierung wie möglich“.

Gemeinsamkeiten der Produktvarianten müssen dabei in einem Baukasten nicht notwendigerweise physischer Natur sein: auch gemeinsame Anforderungen, Funktionalitäten und technologische Konzepte sind bei der Suche nach Kommunalitäten zu berücksichtigen.

Die Studie belegt, dass durch konsequentes Ein- und insbesondere Auslaufmanagement von Varianten in verschiedenen Bereichen entlang der Wertschöpfungskette deutliche Einsparungen möglich sind.

Da Produktbaukästen mit ihren Modulen eigenen Lebenszyklen unterliegen, ist es sinnvoll, eine eigene Baukastenorganisation zu schaffen. Durch das Einführen von Modulverantwortlichen und einem Baukastenarchitekten können Verantwortlichkeiten klar verteilt und Ziele personenbezogen definiert werden.

Bei der Implementierung von Baukästen ist gleichzeitig eine Zieldefinition abseits reiner Kostenziele mindestens genauso wichtig wie ein durch gezieltes Change Management gesichertes Commitment der Mitarbeiter. So kann die Basis für einen langfristigen Unternehmenserfolg durch ein Erfolgreiches Baukasten- und Variantenmanagement gelegt werden.

Bei Interesse an unserem nächsten Konsortial-Benchmarking oder an Zusammenarbeit zum Thema Baukastenmanagement kontaktieren Sie uns gerne.

Kontakt
Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen
Lehrstuhl für Produktionssystematik
Elisabeth Schrey
Telefon: +49 241 80 27436
E-Mail: E.Schrey@wzl.rwth-aachen.de

Seelen, Hans
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