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VDMA: Maschinenbau muss sein Know-how selbst schützen

02.07.2013 | id:1828169

„Die bekannt gewordenen massiven Spionageaktivitäten durch amerikanische und britische Geheimdienste haben unsere Vermutungen bestätigt, dass man auch vor der Bespitzelung befreundeter Staaten nicht sicher sein kann", erklärte Rainer Glatz, Geschäftsführer der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz. „Gerade die Fokussierung auf den Süden und Westen von Deutschland, in denen viele unserer „Hidden Champions" sitzen, lässt die Sorge aufkommen, dass auch gezielt Wirtschafts- und Industriespionage betrieben wird."

Spionage bedroht gesamten deutschen Maschinen- und Anlagenbau

Der Verlust von elementarem Know-how um Prozesse, Produkte, Märkte und Kunden bedroht den gesamten deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Neben der existentiellen Bedeutung für jeden Unternehmer ist die deutsche Wirtschaft in Gänze betroffen – der geschätzte Schaden liegt laut Bundesamt für Verfassungsschutz bei ca. 30-60 Milliarden Euro pro Jahr. Tendenz steigend.

Eine VDMA-Umfrage zum Status quo des Produkt- und Know-how-Schutzes, an der Anfang des Jahres knapp 200 Mitgliedsunternehmen teilgenommen haben, machte deutlich, „dass die vorhandenen Ansätze zum Know-how-Schutz nicht den wachsenden Bedrohungen und Anforderungen entsprechen", so Glatz. „Bereits knapp ein Viertel der befragten Unternehmen schätzt bei Know-how-Diebstahl den Schaden auf mehr als eine Million Euro je Vorfall, knapp die Hälfte der Befragten sehen Know-how-Schutz als überlebenswichtig für ihr Unternehmen an. Die Bedrohung durch Wirtschaftsspionage wurde mit 32 Prozent noch nicht so hoch bewertet", berichtet Glatz. Wesentlich kritischer wurden Bedrohungen durch Ex-Mitarbeiter (74%) oder direkte Wettbewerber (78%) eingestuft. „Diese Einschätzung dürfte sich vor der aktuellen Diskussion sicherlich massiv verändern", erklärte Glatz.

Produkt- und Know-how-Schutz seit Jahren Thema im VDMA

Der VDMA weist bereits seit mehreren Jahren auf die stetig wachsende Bedrohungen durch Produktpiraterie und Know-how-Abfluss hin und hat schon in 2010 eine VDMA-Arbeitsgemeinschaft zum Produkt- und Know-how-Schutz gegründet (Infos unter: www.protect-ing.de). Diese Arbeitsgemeinschaft hat erst kürzlich eine Leitfaden veröffentlicht, in dem anhand eines generischen Modells praxisnahe Lösungen aufgezeigt werden und betroffenen Unternehmen Ansätze für die Entwicklung eigener Schutzmaßnahmen erhalten.

Unternehmen setzen auf „Selbsthilfe"

Umfragen bei den Maschinenbauern machen deutlich, dass sich die Unternehmen vom Staat eher verlassen fühlen und soweit als möglich auf „Selbsthilfe" setzten. „Nur zehn Prozent unserer Mitglieder nutzen beispielweise Sicherheitsbehörden und -institutionen (z.B. Verfassungsschutz, BSI, LKA etc.), um sich zu über Sicherheitsmaßnahmen zu informieren", berichtet Glatz. „Die aktuelle Diskussion macht allerdings deutlich, dass in Zeiten der globalen Internet- und Informationsgesellschaft nicht nur der Schutz von Bürgern, sondern auch der Unternehmen im globalen Zusammenhang gesehen werden muss. So muss sich die Bundesregierung Klarheit über die Spionageaktivitäten verschaffen und noch stärker als bisher auf international verlässliche Abkommen zum Datenschutz und Schutz von IP einsetzen", fordert der VDMA. „Aktiv betriebener und staatlich unterstützter Know-how-Schutz dient dem aktiven Schutz des Innovations- und Produktionsstandorts Deutschland."

Haben Sie noch Fragen? Rainer Glatz, Telefon 069 6603 1627, rainer.glatz@vdma.org, beantwortet sie gerne.

Source of the image : Smileus / Fotolia

Glatz, Rainer
Glatz, Rainer
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