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Maschinenhaus: Ohne Spitzenlehre keine Spitzeningenieure

05.02.2013 | id:983748

Die Zahlen sind ernüchternd: Im Jahr 2010 haben 53 Prozent aller Studierenden an den Universitäten und 34 Prozent aller Studierenden an den Fachhochschulen ihr Bachelorstudium des Maschinenbaus und der Elektrotechnik aufgegeben – deutlich mehr als Studierende anderer Bachelorstudiengänge. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten, haben Bildungsexperten des VDMA und der HIS Hochschul-Informations-System GmbH gemeinsam mit der Industrie das Maschinenhaus als Campus für Ingenieure entwickelt.

Das Ziel: mehr Studienerfolg

Der Grundgedanke des Maschinenhaus-Konzepts ist, dass unter Lehre der gesamte Entwicklungsprozess der studienrelevanten Zeit an der Hochschule, in der Motivationsphase vor dem Studium aber auch bis in den Übergang ins Berufsleben gesehen wird. Dabei übernehmen die Lehrenden Verantwortung für mehr Studienerfolg. Studierende sollen in jeder Phase ihres Studiums bestmögliche Studienbedingungen vorfinden. „Wir wollen mehr Studierenden den Studienerfolg ermöglichen und das bei gleichbleibender Qualität", erklärt Hartmut Rauen, Mitglied der VDMA-Hauptgeschäftsführung und verantwortlich für das Thema Bildung, das Ziel der Initiative.

Das Konzept berücksichtigt die vielschichtigen Anforderungen, denen ein Hochschulstudium heute genügen muss. Eine wichtige Rolle spielt dabei die zunehmende Heterogenität der Studierenden, die durch Unterschiede im Eintrittsalter, im kulturellen Hintergrund sowie in der Schul- und Berufsausbildung bedingt ist. Ziel ist außerdem, dass die Studierenden neben Fachwissen auch Kompetenzen in den Bereichen Team- und Projektarbeit, Management und Betriebswirtschaft vermittelt bekommen sowie praktische und Auslandserfahrungen sammeln können.

Die Hürden: Gründe für den Abbruch

Die Gründe für den Studienabbruch sind vielfältig: Neben falschen Erwartungen und einer unzureichenden Motivation haben viele Studienanfänger Wissenslücken, die sie parallel zum normalen Studienbetrieb nicht mehr schließen können. Gerade wenn der Schulabschluss schon etwas länger zurückliegt, steigt das Risiko für einen Studienabbruch. Stoffmenge und Studienanforderungen sind für viele zu groß.

Zugleich ist die Betreuung an den Hochschulen zu wenig darauf ausgerichtet, individuelle Leistungsunterschiede aufzufangen. „Es genügt nicht, die bisherige Art und Weise der studentischen Betreuung einfach zu intensivieren. Vielmehr braucht es neue Betreuungsformen, wie Mentorenprogramme oder auch die Neuorganisation von Studieninhalten und -abläufen, die besser auf die individuellen Problemlagen der Studierenden ausgerichtet sind", betont Ulrich Heublein, Projektleiter beim HIS-Institut für Hochschulforschung.

Ein weiteres Manko: Der hohe Zeitdruck im Bachelorstudium lässt zu wenig Freiräume und schränkt bereichernde Praxis- und Auslandszeiten ein. Müssen die Studierenden dann noch wertvolle Zeit dafür aufbringen, ihr Studium durch – zumeist fachfremde – Nebenjobs zu finanzieren, kommt es zu weiteren Leistungsrückständen und letztlich zum Studienabbruch.

Der Weg: 5 Bausteine guter Lehre

Aufbauend auf dieser Analyse der Abbruchursachen entstand ein Referenzmodell für eine gute Lehre in den Fachrichtungen Maschinenbau und Elektrotechnik, das mithilfe einer umfassenden Befragung aller Hochschulen zur Qualitätssicherung weiter detailliert wurde. Fallstudien zur Qualitätssicherung an ausgewählten Hochschulen waren das zentrale Element zur Praxiserprobung.

Auf diese Weise haben der VDMA und seine Partner fünf Bausteine guter Lehre identifiziert:

  • Aufbruch statt Abbruch: In den ersten beiden Semestern Fuß fassen, Wissenslücken schließen und die Stoffmenge bewältigen
  • Praxis statt grauer Theorie: Praktika, Praxissemester und Anwendungsbezug als elementare Bestandteile des Lehrplans
  • Ecken und Kanten statt Gleichmacherei: Mit differenzierten Lernangeboten unterschiedliche Startniveaus nivellieren und Talente fördern
  • Vielfalt statt Einfalt: Mit abwechslungsreichen Curricula Fachkompetenzen vermitteln und zugleich den Blick über den Tellerrand zulassen
  • Gleichgewicht statt Dauerspannung: Mehr Angebote für studiennahes Jobben und genügend Freiräume zur persönlichen Entwicklung

Diese fünf Bausteine pflastern entlang der studentischen Biografie den Weg hin zu mehr Studienerfolg und damit hin zum späteren Berufserfolg. Für jeden Baustein wurden (und werden) flankierende Maßnahmen sowie Indikatoren zur Erfolgskontrolle entwickelt.

Der Wegweiser: Maschinenhaus-Toolbox

Praktisches Handwerkszeug, wie mehr Studienerfolg gelingen kann, finden die Hochschulen in der Maschinenhaus-Toolbox, die der VDMA und seine Partner entwickelt haben: Tipps, Best-Practice-Beispiele und Handlungsempfehlungen sowie Indikatoren und Instrumente zur Erfolgskontrolle.

In jeder Phase der studentischen Biografie kommen spezifische, auf die Situation zugeschnittene Instrumente zum Einsatz. Beispiele dafür sind etwa Selbsttests für einen guten Studieneinstieg, onlinegestützte Vorkurse zur zeitlichen Entzerrung, ein Mentoringsystem zur frühen Identifikation mit dem Studiengang, praxisbezogene Projekte oder Absolventenbefragungen.

Hochschulen in ganz Deutschland sind eingeladen, sich an der Initiative zu beteiligen und das Maschinenhaus-Konzept selbst auszuprobieren. Der VDMA wird den Transfer der Erfahrungen fachkundig begleiten. Dazu hat sich auch der erste bundesweite „Erfahrungsaustausch (ERFA) Maschinenhaus" konstituiert, in dem die Akteure für Qualitätsmanagement der Fakultäten und Fachbereiche regelmäßig zusammenkommen.

Völker, Norbert
Völker, Norbert
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