Die allwissende Pumpe

07.08.2015 | id:9258506

In zahlreichen Branchen sind Industriepumpen unverzichtbare Anlagen-Komponenten. Ob in der Chemie, im Öl- und Gasgeschäft, in der Wasser- und Energietechnik aber auch im Bergbau, Pumpen sind überall im Einsatz. Der Pumpenhersteller KSB hat nun auch damit begonnen, seine automatisierten Pumpen  zu digitalisieren. Damit können sie jetzt nicht nur Flüssigkeiten fördern, sondern auch kommunizieren.   

Große Industrieanlagen haben hunderte, manchmal auch mehrere tausend Pumpen verbaut. Pumpen gehören damit mit zu den wichtigsten Anlagenteilen, vor allem, wenn es um Betriebssicherheit geht. Bislang ist ein Betreiber froh, wenn in seiner Anlage alles gut läuft. Über den Zustand der einzelnen Pumpe weiß er wenig. Dafür gibt es Wartungspläne, die vorschreiben, wann gewartet werden muss, damit der Betreib weiter störungsfrei läuft.

Besser wäre es, der Betreiber wüsste jederzeit, wie es um jede seiner Pumpen bestellt ist oder noch besser: Er könnte sicher sein, dass sie jederzeit optimal laufen. Diese Möglichkeit hat KSB mit zwei neuen Produkten geschaffen: KSB PumpMeter und KSB PumpDrive  sind zwei Komponenten, die die Vernetzung der Pumpe ermöglichen. PumpMeter zeigt alle Zustandsparameter der jeweiligen Pumpe an - auf einer Anzeige an der Pumpe selbst oder auch in der Leitwarte. PumpMeter misst zum Beispiel den Saugdruck und den Enddruck und stellt auch ein Lastprofil bereit. Daraus kann man genau erkennen, wann eine Pumpe gewartet werden muss. Das Gerät zeigt auch an, wann Energieeinsparpotenzial vorhanden  ist.

PumpDrive geht noch ein Stück weiter. Die Drehzahlregelung ist in der Lage, zusätzlich in Kombination mit PumpMeter dafür zu sorgen, dass die Pumpe je nach Zustand der Anlage immer optimal betrieben wird. Mit PumpMeter und PumpDrive sind Pumpendaten jederzeit transparent verfügbar, sowohl wireless als auch über Kabel.

„Wir sehen bei KSB große Chancen, zukünftig wirtschaftlichen Nutzen aus der Digitalisierung und Vernetzung der industriellen Produktion zu ziehen“, sagt Dr. Thomas Paulus, der bei KSB das Start-up-Projekt „Industrie 4.0“ verantwortet. „Viele Pumpen im Standardprogramm bei KSB kann man überall auf der Welt auch von anderen Anbietern kaufen. KSB bietet einen Zusatznutzen, bislang schon über Automation und jetzt über die Digitalisierung.“ Dieser zusätzliche Nutzen liefert KSB einen großen Wettbewerbsvorteil.

Der nächste Schritt   
Sind die einzelnen Pumpen erst einmal digitalisiert, können sie in einem weiteren Schritt vernetzt werden. Aktuell arbeitet KSB zusammen mit dem Software-Hersteller SAP an einer so genannten Cloud-Lösung für die Instandhaltung. Dabei fließen die Daten aller Pumpen in einer KSB-gesteuerten Anlage an einem Punkt zusammen. Von dort aus werden Entscheidungen darüber getroffen, wie die Gesamtanlage optimiert werden kann.

Industrie 4.0 als Start-up
Mit  Industrie 4.0 betreten viele Neuland. Das ist auch bei KSB so, aber die Firma aus Frankenthal geht die Sache offensiv an. „Die Herangehensweise ist wie bei einem Start-up-Unternehmen, man ist offen für alles, man schaut, was geht, man probiert aus“, sagt Dr. Paulus. Eine andere Annäherungsweise liegt beinahe auf der Hand, denn mit der Digitalisierung der Produktion fallen die Grenzen zwischen den klassischen Unternehmensbereichen wie der IT, dem Vertrieb oder dem Einkauf. Für digitale Produkte braucht man eine Unterstützung, die über die unterschiedlichen Abteilungen hinweg funktioniert. „Das Digitalisierungsthema muss man fachdomänenübergreifend angehen“, nennt das Dr. Paulus.  Vor allem natürlich die IT muss von Anfang an mit im Boot sitzen.

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INDUSTRIE 4.0: Zwei Fragen an Dr. Thomas Paulus, Verantwortlicher für die Umsetzung von Industrie 4.0 bei KSB

Nicht alle Industriebranchen gelten als innovationsfreudig. Sehen Sie auch in konservativem Umfeld Chancen für den Einzug der Digitalisierung?

Dr. Thomas Paulus: Ja. Viele Branchen sind nicht sehr innovationsfreudig. Aber auch für sie spielen die Kosten natürlich eine Rolle. Der Nutzen, den wir heute in der Digitalisierung sehen, liegt bei den Betreibern der Industrieanlagen, sei es Chemie, Anlagenbau oder ähnliches. Die Lebenszykluskosten spielen eine große Rolle. Wir sind deshalb auch kontinuierlich dabei, die Kosten des Betriebs einer Pumpe zu optimieren. Die Arbeiten, die heute täglich ein Arbeiter zu erledigen hat, zu vereinfachen, ist ein überzeugendes Argument auch für konservative Betreiber.

INDUSTRIE 4.0: Was ist für Sie der Kern von Industrie 4.0?

Dr. Paulus: Beim Thema Industrie 4.0 geht es im Wesentlichen um Produktivitätssteigerung. Man will ressourceneffizient und möglichst flexibel sein, sowie die Betriebssicherheit und Verfügbarkeit sicherstellen. Das alles sind aus Betreibersicht kostenrelevante Themen, und deshalb wird sich dieser Prozess durchsetzen.

Bildquelle : KSB AG

Brückner, Frank
Brückner, Frank
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